Gefährliche "Legal Highs"

Trotz gesundheitlicher Risiken können die Behörden wenig gegen die sogenannten "Legal Highs" Drogen unternehmen. Immer wenn den Substanzen ein Verbot droht, werden sie verändert - und bleiben zulässig. Experten fühlen sich an "Hase und Igel" erinnert und fordern Abhilfe.

Sie kommen bunt und poppig daher, versprechen Entspannung oder sexuelle Stimulation und sind meist auch legal - "Legal Highs" werden für junge Menschen immer attraktiver. Dabei sind die als Badesalz oder Kräutermischung deklarierten Drogen hochgefährlich. "Hinter den harmlosen Namen verbergen sich unberechenbare psychoaktive Drogen. Da riskiert man Kopf und Kragen", warnte der Psychiater Dr. Leo Hermle bei einer Fachveranstaltung in Stuttgart.
 

"Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet"  

 

Der Gesetzgeber müsse möglichst schnell eine Gesetzeslücke schließen, damit die riskanten Drogen nicht weiter legal erworben werden könnten. Das Problem des Verbots der auch neue psychoaktive Substanzen (NPS) genannten Drogen habe sich mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2014 verschärft.    
Demnach sind sie nicht als Arzneimittel zu werten und unterliegen damit keiner Zulassungspflicht oder anderen Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes. Nach Hermles Worten ist eine Deklaration als Medikament schon dadurch ausgeschlossen, dass die Hersteller auf den Verpackungen vermerken "Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet".    

Über das Betäubungsmittelgesetz könnten die Drogen ebenfalls nicht aus dem Markt gekickt werden, weil die Produzenten ihre Zusammensetzung marginal änderten, sobald sie von Verbotsplänen erführen. Experten sprechen von "Hase-und-Igel-Spiel".    
 

Verheerende körperliche und psychische Auswirkungen

Die körperlichen Wirkungen des Konsums der synthetisch hergestellten Varianten von Cannabis und Amphetaminen reichen nach Auskunft von Hermle bis hin zum Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch psychische Veränderungen seien die Folge, darunter länger andauernde Psychosen. Der Konsum mache körperlich und psychisch abhängig.    

Das Gefährliche an den Drogen sei, dass weder Konsument noch Dealer - häufig Internetshops - über deren genaue Zusammensetzung Bescheid wüssten. Laut Hermle stehen bei jungen Menschen Cannabis & Co. nach Nikotin und Alkohol auf der Beliebtheitsskala. Meist werde vor dem Einstieg in die "Legal Highs" das bekanntere Cannabis genommen.    

2010 kamen in Deutschland circa 20 Menschen durch  "Legal Highs" zu Tode - Dunkelziffer unbekannt. Im Jahr 2011 sorgte der Fall eines 17-jährigen Freiburgers für Schlagzeilen, der nach dem Konsum einer "Kräutermischung" vom obersten Stock eines Parkhauses in den Tod gestürzt war.