Lungengesundheit im Kindesalter

Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) findet derzeit in Graz statt. Unter dem Titel „Lernen, Forschen, Behandeln – Pädiatrische Pneumologie im Brennpunkt“ wird die Wichtigkeit der Behandlung von Lungenkrankheiten im Kindesalter eines der zentralen Themen des Kongresses sein. Vor allem rauchende Mütter und Großmütter sollten ganz genau aufpassen.

Asthma bei Kindern im Vormarsch

Die pädiatrische Pneumologie spielt für die Kinder- und Jugendgesundheit eine wichtige Rolle, stellt sie doch den Erhalt einer ungestörten Atmung im Erwachsenenalter sicher. Ihre Bedeutung steigt gegenwärtig zusätzlich, denn Erkrankungen des Atemtaktes – vor allem Asthma bronchiale als häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter – befinden sich im Vormarsch. Etwa 10% aller Kinder und Jugendlichen in Österreich leiden daran und auch allergische Erkrankungen sind im Zunehmen begriffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der pädiatrischen Pneumologie ist, dass es heute immer öfter gelingt, die Überlebensraten von Kindern nach – auch extremen – Frühgeburten zu erhöhen. Die Lungen dieser Kinder konnten im Mutterleib nicht ausreifen und benötigen daher eine intensive und kompetente Betreuung durch spezialisierte PneumologInnen. „Dass wir die diesjährige Jahrestagung unserer Gesellschaft in Graz veranstalten, soll auch auf die Wichtigkeit der Fachdisziplin Pädiatrische Pneumologie hinweisen, denn Graz hat auch die traditionsreichste Pädiatrische Pneumologie in Österreich“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Studnicka, Präsident der ÖGP.


Rauchen in der Schwangerschaft erhöht Asthma-Risiko für das Kind

„Der Abbau von Nikotin erfolgt bei Schwangeren verhältnismäßig rascher, sodass der Körper sogar nach mehr Nikotin verlangt als bei nicht schwangeren Raucherinnen; Schwangere leiden daher rascher unter Entzugserscheinungen. Doch für das ungeborene Kind und auch die weitere Entwicklung des Kindes ist das Rauchen der Mutter ein erheblicher Risikofaktor: Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft ist damit der wichtigste veränderbare Risikofaktor für schwangerschaftsassoziierte Krankheiten und Todesfälle. Nun liegen auch neue Daten vor, die dies untermauern“, so OÄ.in Priv.-Doz.in Angela Zacharasiewicz, leitende Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Wilhelminenspital.
Nikotin ist ein starkes Gift, das neben der Lungenentwicklung auch die Hirnentwicklung und Nervenentwicklung des Ungeborenen stört. Es sammelt sich im Fruchtwasser an, „das Kind schwimmt quasi in einer giftigen Brühe“, so Zacharasiewicz.

Die Rate an Geburtskomplikationen ist bei Müttern, die in der Schwangerschaft rauchen, höher und auch die Frühgeburtsrate ist deutlich erhöht. Frühgeborene Kinder sind anfälliger für Atemwegsinfektionen, in der Folge ist das Risiko für chronische Lungenerkrankungen erhöht. Zacharasiewicz: „Das Abwehrsystem ist bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchten, beeinträchtigt und geschwächt, ein Effekt mit schwerwiegenden Folgen: Schwere Asthmaanfälle sind bei diesen Kindern häufiger und verlaufen auch schwerer als bei Kindern, die an Asthma leiden und deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht haben.“


Auch rauchende Großmütter gefährden ihre Enkel

Es kommt durch mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft auch zu epigenetischen Veränderungen, also Veränderungen im Erbgut, die auch das Abwehrsystem des Kindes nachhaltig verändern. Selbst eine Großmutter, die während ihrer Schwangerschaft geraucht hat, erhöht noch das Asthma-Risiko für ihr Enkelkind, auch wenn die Mutter selbst nicht raucht.
Zusammenfassend meinte Zacharasiewicz: „Mit dem Rauchen aufhören – am besten noch vor der Schwangerschaft, aber auf jeden Fall sofort bei eingetretener Schwangerschaft – ist wohl die billigste gesundheitsfördernde Maßnahme für das Kind und weitere Generationen!“

 

  • Datum 15.10.2015
  • Autor Urban & Schenk medical media consulting | ÖGP Aussendung

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