Beschwerden im Oberbauch

Saures Aufstoßen, Brennen unter dem Brustbein, Sodbrennen, rasche Sättigung, Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen – all das sind Beschwerden, die dem Oberbauch zuzuordnen sind.

Jeder Abschnitt des Verdauungstraktes hat seine eigenen Aufgaben. Damit das Zusammenspiel funktioniert, wird er von einem Nervengeflecht begleitet, das wegen seiner Vielzahl von Nervenzellen und der Reichhaltigkeit seiner Aufgaben auch als »Darmhirn« bezeichnet wird.

Die Speiseröhre

Die Speiseröhre ist ein einfach gebauter »Schlauch« und funktioniert ohne willentlichen Einfluss. Mit dem Schluckakt beginnt eine reflektorische Automatik, die den Verschluss des Kehlkopfdeckels und die Passage durch die rund 25 cm lange Speiseröhre umfasst. Sie dauert selten mehr als 30 bis 60  Sekunden und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Flüssigkeiten passieren rascher als feste Nahrung.
  • Das mitgeschluckte Wasservolumen ist ebenfalls von Bedeutung.
  • In liegender Körperhaltung dauert der Vorgang länger als im Sitzen oder Stehen.
  • Bestimmte Erkrankungen verzögern den Schluckakt.

Die Speiseröhre dichten ein oberer und ein unterer ringförmiger Verschlussmuskel ab. Bei der Nahrungspassage entspannen sich diese Muskeln vorübergehend. Ist ihre Verschlussfunktion  dauerhaft herabgesetzt, kann saurer Mageninhalt aufsteigen und das charakteristische Sodbrennen hinter dem Brustbein verursachen. Mittels elektrischer Messungen in der Speiseröhre konnte man feststellen, dass bis zu 47 kurze Refluxepisoden in 24 Stunden durchaus normal sind, darunter auch 3 bis 4 längere Episoden von über 5 Minuten Dauer. Gelegentliches Sodbrennen hat also keinen Krankheitswert. Der alkalische Speichel neutralisiert zwar die Magensäure, aber nur bis zu einem gewissen Ausmaß. Bleibt der Verschluss zu lange offen, sind Reflux und manchmal auch Heiserkeit die logische Folge.

Der Magen

Der Magen hat ein variables Volumen von bis zu 1,5 Litern und dient zur Durchmischung, Zerkleinerung, Speicherung und Vorverdauung des Nahrungsbreis. Eiweiß- und kohlenhydratreiche Nahrung wird rasch in den Dünndarm entleert, bei fettreicher Nahrung beträgt die Verweildauer im Magen hingegen 5 bis 8 Stunden. Die Muskeln der Magenwand ermöglichen die intensive Mischung und die Speicherung, weil sie bei der Füllung erschlaffen. Dementsprechend gering ist der Anteil des Magens an der Arzneimittel-Resorption. Ob eine Selbstbehandlung in Betracht kommt, lässt sich mit einer zentralen Fragen weitgehend klären: Besteht ein Bezug zwischen Nahrungsaufnahme und Schmerzen? Funktionelle Dyspepsien (Reizmagen) kommen in der Bevölkerung häufig vor. Charakteristisch ist der Nahrungsbezug. Nach den Mahlzeiten quälen die Betroffenen Bauchschmerzen, Blähungen, Darmwinde, Aufstoßen, eventuell Sodbrennen und allgemeines Unwohlsein.

Schmerzen richtig zuordnen

Ist der Schmerz lokalisierbar oder diffus? Bei der akuten Blinddarmentzündung ist der Druck- und »Loslass«-Schmerz charakteristisch (wenn man an der schmerzenden Stelle hineindrückt, verursacht das Loslassen mehr Beschwerden als das Hineindrücken). Ein akuter Blinddarm tut übrigens auch beim Gehen weh, ebenso entzündete Divertikel – das sind sackförmige Ausstülpungen der Darmwand. Lokalisierbare Schmerzen sind verdächtiger als diffuse. Kamen die Schmerzen plötzlich, zeigen sie wechselnden Verlauf (z.B. Gallenkoliken), waren sie nur einmalig oder sind sie anhaltend? Gibt es auffällige Begleiterscheinungen wie Erbrechen, Schwarzfärbung des Stuhls (Teerstühle weisen auf ein blutendes Magengeschwür und chronische Schleimhautschäden im Magen- Darmbereich hin), treten ständig Bleistiftstühle auf (Karzinom im Mastdarm oder Enddarm), haben sich die Stuhlgewohnheiten
(Stuhlgang zu anderen Tageszeiten) oder die Stuhlkonsistenz  geändert oder treten Durchfall und Verstopfung abwechselnd auf? Plagt ergebnisloser Stuhlgang bzw. vergehen 5 bis 7 Tage ohne Stuhlgang mit begleitenden Blähungen und dem Gefühl, nicht mehr in die Hose zu passen? Dann kann ggf. ein Darmverschluss dahinter stecken.

Psychosomatisch bedingte Beschwerden

Der Anteil psychosomatisch ausgelöster Beschwerden ist beträchtlich. Stress führt zu  Motilitätsstörungen, erhöht die Empfindlichkeit gegenüber Dehnungsreizen im Gastrointestinaltrakt und setzt die Schmerzschwelle herab. Früher sprach man von »vegetativer Dystonie«. Nicht zu vergessen  sind medikamentös verursachte dyspeptische Beschwerden nach Gabe von Anticholinergika oder Dopaminagonisten (L-Dopa).

Alarmsymptome

Bei Beschwerden wie

  • blutigem Erbrechen,
  • schwarzem Stuhl

ist ein sofortiger bzw. bei

  • Allgemeinsymptomen wie ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 3 kg, starkes Krankheitsgefühl, reduzierter Allgemeinzustand,
  • nächtliche Beschwerden (sie sind ein Hinweis auf organische Ursachen),
  • Anämiezeichen wie Blässe, Müdigkeit, Atemnot, Muskelschmerzen,
  • leichte Gelbfärbung der weißen Augenhaut (Ikterus)
  • anhaltenden Oberbauchbeschwerden im Zusammenhang mit einer NSAR-Einnahme, die nicht innerhalb weniger Tage nach Absetzen verschwinden,
  • chronischer Durchfall, d.h. länger als drei Wochen andauernd, ein baldiger Arztbesuch anzuraten.

Eine versuchsweise Selbstmedikation ist nur dann gerechtfertigt, wenn Alarmsymptome fehlen! Bei entsprechenden Beschwerden berät Ihr Apotheker Sie gerne, welches Mittel das für Sie am besten geeignete ist.

  • Datum 03.06.2015
  • Autor Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

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Dr. Klement ist Pharmazeut und Heilpflanzenspezialist. Ständiger Mitarbeiter bei der Österreichischen Apotheker-Zeitung ÖAZ, Kronenzeitung, Ärztekrone, Apothekerkrone. Mitarbeit bei der Apothekenfortbildung.

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