Wenn der Magen „verstimmt“ ist …

Schlagen Ihnen schwere Speisen schnell auf den Magen? Oder macht sich Sodbrennen bemerkbar? Dann sollten Sie mit Ihrem Apotheker sprechen. Er empfiehlt Ihnen rasch wirksame, verträgliche Präparate und gibt Tipps, wie Sie die Beschwerden vermeiden können.

Fettreiche Speisen rufen bei vielen Österreichern schnell ein störendes Völlegefühl hervor. Der Magen drückt, und leichte Übelkeit kommt mit hinzu. Das muss nicht sein: Viele Patienten verspüren bereits  durch Wärme eine Linderung ihrer Beschwerden. Oft helfen Teemischungen aus Kamillenblüten, Fenchel-, Kümmel- und Korianderfrüchten, Pfefferminzblättern, Schafgarbe, Wermut,  Tausendgüldenkraut, Pomeranze, Angelika-, Enzian- und Löwenzahnwurzel. Welche  Arzneipflanzenteemischung speziell für Sie geeignet ist, dazu berät Sie gerne Ihr Apotheker und stellt die  Mischung auch gleich für Sie zusammen. Wer wenig Zeit hat, profitiert von standardisierten Extrakten, die zusammen mit etwas Wasser eingenommen werden. Wenige Tropfen Pfefferminzöl in  Wasser wirken ebenfalls krampflösend und tragen zum Wohlbefinden bei. Ihr Apotheker hält auch  Extrakte der Bitteren Schleifenblume, aus Löwenzahn etc. bereit. Um die Verdauung selbst zu  unterstützen, rät er zu Präparaten mit Pankreas-Pulver. Dieses Enzym sollte bereits während der  Mahlzeit zusammen mit Flüssigkeit eingenommen werden. Es unterstützt körpereigene Abbauprozesse auf natürliche Weise.

Löscheinsatz im Magengebiet

Neben Verdauungsbeschwerden leiden etliche Menschen an einem brennenden, stechenden Schmerz  hinter der Brust, bekannt als Sodbrennen. Wie es dazu kommt, zeigt ein Blick auf anatomische Details.  Unsere Nahrung wird im Mund zerkleinert, mit Speichel vermengt und beim Schlucken weiter transportiert. Dieser Brei gelangt in die Speiseröhre und über einen Schließmuskel in den Magen.  Dessen Innenseite ist mit stark gefalteter Magenschleimhaut ausgekleidet. Spezielle Zellen sondern pro  Tag zwei bis drei Liter Magensaft mit einem pH-Wert von 0,8 bis 1,5 ab. Die stark saure Flüssigkeit enthält auch Enzyme, um Speisen zu verdauen. Gelangt aggressiver Mageninhalt durch den oberen  Schließmuskel wieder in die Speiseröhre, spüren wir unangenehmes Sodbrennen. Experten sprechen  von „Reflux“.

Hilfe aus der Apotheke

Treten die Beschwerden nur gelegentlich auf, raten Apotheker zu so genannten Schichtgitterantazida. Gele auf der Basis von Magnesium- oder Aluminiumhydroxid werden ebenfalls angewandt. Sie binden  Säure, ohne – wie beispielsweise das altbekannte Natriumhydrogencarbonat (Natron) – die Säureproduktion anzukurbeln. Bei stärkeren Beschwerden gibt es mittlerweile auch  sogenannte  Protonenpumpenhemmer ohne ärztliche Verordnung. Diese Arzneimittel verhindern, dass Zellen im  Magen Salzsäure absondern. Leiden Sie häufiger an Reflux, bleibt nur ein kritischer Blick auf die  Lebensumstände. Alkohol oder Nikotin lassen den Schließmuskel erlahmen. Zu viel Druck im Bauchraum durch Übergewicht begünstigt Reflux ebenfalls. Wer abnimmt, sich regelmäßig bewegt und ausrechend viel trinkt, wird seltener das unangenehme Gefühl verspüren.

 

… oft in der Schwangerschaft

Viele werdende Mütter kämpfen ebenfalls mit Sodbrennen. Wissenschaftlich betrachtet gibt es dafür zwei Erklärungen. Der Anstieg des Progesteron-Spiegels im Blut führt zur Muskelentspannung, wovon  auch der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre betroffen ist. Am Ende der Schwangerschaft  erhöht sich durch das Wachstum des ungeborenen Kindes darüber hinaus der Druck im Bauchraum. Der Schließmuskel kann hier nur noch bedingt gegensteuern. Obwohl viele Arzneimittel tabu sind, muss  niemand die unangenehmen Beschwerden erdulden. Pflanzliche Alginate legen sich als Schutzschicht oben auf den Mageninhalt und verhindern dessen Rückfluss in die Speiseröhre. Die  Präparate werden vom Körper nicht aufgenommen, sondern auf natürlichem Weg über den Darm ausgeschieden.

Zum Arzt

Nicht immer helfen rezeptfreie Präparate. Starke Schmerzen, blutiges Erbrechen, ungewollter  Gewichtsverlust, Fieber oder länger anhaltende Schmerzen gelten als Alarmzeichen. Dann bleibt Ihnen der Gang in die Arztpraxis nicht erspart.

Geschädigte Schleimhaut

Stärkere Beschwerden können auch auf eine Refluxösophagitis zurückzuführen sein, gelegentlich auch  auf ein Magengeschwür. Durch lang anhaltenden Rückfluss treten sichtbare Schäden an der Magenschleimhaut auf. Nach diagnostischer Abklärung wird Ihr Arzt Ihnen Protonenpumpenhemmer  verschreiben, die Sie eine gewisse Zeit nach seiner Anweisung einnehmen müssen. Treten Übelkeit,  Erbrechen und Bauchschmerzen aus heiterem Himmel auf, ist eine akute  Magenschleimhautentzündung (Gastritis) recht wahrscheinlich. Dahinter stecken oft  Lebensmittelinfektionen, zu viel Alkohol, Nikotin, manche Schmerzmittel, Stress oder Kummer. Auch hier sind Protonenpumpenhemmer Mittel der Wahl. Als Ergänzung aus der Naturheilkunde bietet sich eine  so genannte Rollkur an. Das geht so: Sie trinken auf nüchternen Magen Kamillentee und legen sich  einige Minuten auf den Bauch, den Rücken sowie auf die Seiten. Ziel ist, die heilsame Flüssigkeit gleichmäßig zu verteilen.

Böser“ Helicobacter

Deutlich komplizierter ist die Behandlung chronischer Verlaufsformen der Gastritis. Hier gilt ein extrem widerstandsfähiges Bakterium namens Helicobacter pylori als schuldig im Sinne der Anklage. Um den  störenden Keim restlos zu eliminieren, verschreiben Gastroenterologen gleich mehrere Antibiotika und  einen Säureblocker. Die Arzneimittel führen bei manchen Patienten zu Nebenwirkungen, sollten aber  konsequent eingenommen werden, um Erfolg zu haben. Das ist wichtig – Helicobacter pylori kann  Magenkrebs auslösen. Fragen Sie bei Zweifeln immer Ihren Arzt oder Apotheker, anstatt die Präparate  eigenmächtig abzusetzen. Zu beachten ist außerdem, dass Protonenpumpenhemmer in der Regel nicht  über Jahre hinweg eingenommen werden sollten; ein entsprechendes Absetzen muss in Form einer sehr langsamen Dosisreduktion erfolgen.

  • Datum 25.05.2016
  • Autor Dipl. Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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