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Mücken gezielt ausstechen

Sommerzeit – Reisezeit: Wer seinen Urlaub in fernen Gefilden plant, sollte an die eigene Gesundheit denken. Malaria gilt in diesem Zusammenhang als ernstes Problem. Ihre Apotheke berät Sie gerne, welche Maßnahmen Sinn machen. Dazu gehören sowohl der Mückenschutz als auch der Schutz vor Malariaerregern selbst.

Malariaprophylaxe

Reisen – nicht immer ohne Reue: Weltweit tritt Malaria in etwa 100 tropischen und subtropischen Ländern auf. Der Teufelskreislauf beginnt mit Anopheles-Stechmücken. Sie übertragen bei Blutmahlzeiten mikroskopisch kleine Parasiten, so genannte Plasmodien. Je nach Erreger rechnen Tropenmediziner mit einer Inkubationszeit von sieben bis 30 Tagen. Sie unterscheiden Malaria tertiana, Malaria quartana oder Malaria tropica. Im menschlichen Körper findet ein komplexer Lebenszyklus statt, an dem sowohl die Leber als auch der Blutkreislauf beteiligt sind. Rote Blutkörperchen platzen bei der Freisetzung neuer Schizoten, also parasitärer Formen, die durch Zellteilung entstanden sind. Am Ende eines jeden Zyklus entstehen gefährliche Fieberschübe – oft im Rhythmus von 48 bis 72 Stunden. Weitere Komplikationen betreffen das blutbildende System, die Nerven, die Milz, die Lungen oder die Nieren. Gleichzeitig übertragen Mücken den Parasiten auf weitere Menschen. Mit der perfekten Vorbeugung muss es aber gar nicht so weit kommen.
Gut geschützt

Ganz klar, richtige Kleidung ist auch in tropischen Gefilden unersetzlich. Lange Hosen und langärmlige Hemden aus dichtem Stoff schützen Ihren Körper gegen stechende Plagegeister. Das wird jedoch nicht ausreichen. Apotheker empfehlen deshalb, Repellentien („Vergrämungsmittel“) einzusetzen, um Mücken zu vertreiben. Der älteste Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET) wurde im Jahr 1946 von US-amerikanischen Forschern entwickelt und ist bis heute im Einsatz. Eine andere chemische Substanz mit dem Namen Icaridin wirkt ebenfalls gegen zahlreiche Insekten. Bei heimischen Mücken zeigen ätherische Öle einen gewissen Schutz, allerdings ist die Wirkung je nach Art äußerst verschieden. Wer in Malariagebiete reist, sollte sich besser auf altbewährte Chemikalien verlassen. Das Repellent ist lückenlos auf die Haut und auf Textilien zu sprühen. Schädlinge finden unbehandelte Stellen und stechen dort – sogar durch eine Jeans hindurch. Da Anophelesmücken vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind, sollten Reisende zu dieser Zeit besonders aufpassen. In Räumen ohne Klimaanlage sind Steckdosengeräte zur Verdampfung von Insektiziden sowie dicht schließende Moskitonetze obligatorisch.

Stand by-Therapie...


Wer in Malariagebiete reist, braucht neben Repellentien auch pharmakologische Unterstützung. Reisen Sie in ein Malariagebiet mit geringem Risiko, wird Ihr Arzt Notfallmedikamente verschreiben, die Sie nur bei Beschwerden anwenden. Typische Symptome sind neben hohem Fieber vor allem Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Rückenschmerzen. Dann sollten Sie vor Ort umgehend einen Malariatest durchführen lassen und Präparate einnehmen. Besonders wichtig: Kaufen Sie entsprechende Arzneimittel unbedingt vor Ihrer Abreise in Österreich, da in vielen Ländern gefälschte, wirkungslose Präparate angeboten werden.

...oder prophylaktische Einnahme von Arzneimitteln

Wer in Hochrisiko-Malariagebiete reist, sollte bereits in Österreich mit einer Chemoprophylaxe beginnen. Dazu verschreiben Tropenmediziner Medikamente mit Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin oder Mefloquin. Nicht alle Patienten vertragen diese Arzneistoffe gut, häufig kommt es zu Nebenwirkungen. Die regelmäßige Einnahme ist aber wichtig, um Sie vor lebensbedrohlichen Krankheitsfolgen zu schützen. Bei Autoimmunkrankheiten, Herz-Kreislauf-Leiden, oder Funktionsstörungen von Leber und Nieren werden Arzt und Apotheker abwägen, wie mit der Prophylaxe oder der Notfalltherapie zu verfahren ist.


Forscher an der Nadel


Momentan fehlt jedoch ein entscheidender Baustein zur Malariaprophylaxe, nämlich die Impfung. Bei üblichen Vakzinationen erkennt unser Immunsystem beispielsweise Eiweißmuster auf der Oberfläche von Grippeviren. Diese Strukturen ändern sich bei Plasmodien aber sehr häufig. Hinzu kommt, dass sich der Parasit teilweise innerhalb von Zellen vermehrt und so von weißen Blutkörperchen nicht erkannt wird. Doch es gibt Hoffnung: Forschern ist es gelungen, im Labor einen Impfstoff herzustellen und anschließend zu testen. Bei Kindern zwischen fünf bis 17 Monaten, die in Malariagebieten leben, verringerten sich Erkrankungsrate um bis zu 46 Prozent. Das ist zumindest ein erster Schritt, auch wenn es noch Luft nach oben gibt.
 

  • Datum 23.06.2014
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel