Medikamente gehören in die Apotheke

Der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer Max Wellan warnt eindringlich vor der heute präsentierten Idee der Drogeriemarktkette „dm“, rezeptfreie Medikamente in ihren Filialen anzubieten. Die negativen Erfahrungen im Versandhandel sollten uns alle eine Lehre sein: Unkontrollierte Vertriebswege, Preis-Lockangebote und „Guter Glaube“ bei Konsumenten führten zu einem massiven Anstieg bei Arzneimittelfälschungen.

Mag. pharm. Max Wellan dazu: „Medikamente gehören in die Apotheke! Jedes einzelne Medikament kann bei falscher Anwendung, bei falscher Dosierung oder falscher Kombination zu gesundheitlichen Problemen führen.“
 

Beratung und Versorgung statt schneller Umsatz

Immer wieder suchen Glücksritter das schnelle Geld mit Arzneimitteln, und scheitern über kurz oder lang an den komplexen Sicherheitsanforderungen. Selbst die Apothekenkosmetik hat „dm“ letzte Woche wieder ausgelistet. Nun will „dm“ Medikamente verkaufen, um seinen Umsatz anzukurbeln. Je mehr Medikamente die Österreicher schlucken, umso lieber wird es „dm“ sein, denn immerhin soll ein Potenzial von 80 Millionen Euro mit Arzneimitteln erzielt werden. „Das Ziel der Arzneimittelversorgung ist jedoch eine Optimierung in der Arzneimitteleinnahme und keine Maximierung. Kranke Menschen sollen so viele Arzneimittel wie notwendig, aber so wenige wie möglich einnehmen“, so Wellan weiter. Dies gelingt den Apothekerinnen und Apothekern in Österreich vorbildhaft, denn die Österreicherinnen und Österreicher liegen unter dem europäischen Schnitt im Arzneimittelkonsum, was von Gesundheitsexperten äußerst positiv gewertet wird. Dieser vernünftige Umgang mit Arzneimitteln erklärt sich auch daraus, dass Medikamente nicht im Supermarkt einfach aus dem Regal genommen, sondern in Apotheken mit Beratung abgegeben werden.

Versuchsballons in Ländern, wo Medikamente über Supermärkte angeboten werden, zeigen ein verheerendes gesundheitliches Bild: Beispielsweise in den USA gehen aufgrund dieser unkontrollierten Abgabe bereits 28 Prozent aller Spitalsaufenthalte auf falsch eingenommene Arzneimittel zurück. Allein in Kalifornien gibt es pro Jahr 60 Lebertransplantationen bei Kindern wegen Paracetamol (zur Fiebersenkung, im Supermarkt erhältliches Medikament) auf Grund von Überdosierung durch die Eltern.


 

  • Datum 29.02.2016
  • Autor Österreichische Apothekerkammer, Mag. Gudrun Kreutner & Mag. Carolin Reder

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