Medikamente gehören in die Apotheke

Die Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker bei der Abgabe von Medikamenten sind offenkundig. Die Arzneimittelsicherheit kann ohne den wichtigen Beitrag dieser Berufsgruppe nicht aufrecht erhalten werden.

Die Presseaussendung der NÖ Ärztekammer vom 01. September, in der gefordert wurde, "dass jeder Arzt Medikamente an seine Patienten abgeben darf", muss im Lichte des standesinternen Wahlkampfes gesehen werden. "Denn fachlich gesehen ist der Medikamentenverkauf in Arztordinationen ein völlig unrealistisches und teures Modell, das in keinem Land der Europäischen Union praktiziert wird", so Mag. pharm. Heinz Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich.

Schade ist, dass der Tag der Patientensicherheit von Seiten der NÖ Ärztekammer dazu missbraucht wird, alte Forderungen aus dem Hut zu zaubern, anstatt sachlich mit den Berufskollegen über die wahren Herausforderungen bei der Medikamentensicherheit nachzudenken, wie Doppelverschreibungen oder unerkannte Wechselwirkungen. Gerade das 4-Augen-Prinzip, also der Blick zweier Berufsgruppen auf das Rezept, ist ein zentraler Bestandteil der Patientensicherheit. In der Apotheke werden täglich im Zuge der Beratung Probleme bei der Medikation aufgedeckt und unmittelbar und vertrauensvoll gelöst. Haberfeld fordert erneut: "Wir brauchen für das österreichische Gesundheitssystem vernünftige Lösungen im Sinne der Patienten. Arzt und Apotheker sollen miteinander arbeiten, nicht gegeneinander!"

Bessere Patientensicherheit durch Apotheken

Der angeblich eklatante Ärztemangel, die langen Wartenzeiten in Ordinationen und die Angst vor den bürokratischen Aufgaben durch ELGA haben in der Öffentlichkeit das Bild erzeugt, dass die Ärzte am Rande ihrer Kapazitäten stünden. Wieso jetzt zusätzlich noch die Aufgaben der Apotheker übernommen und Medikamente in den Ordinationen verkauft werden sollen, ist unverständlich. "Ich lade Dr. Reisner gerne zu mir in die Apotheke ein, damit er sieht, welche Kompetenzen, Qualitätsanforderungen und Sicherheitsstandards nötig sind, um die Bevölkerung professionell mit Arzneimitteln zu versorgen. Das ist mit einem Ressourcenaufwand verbunden, der von einer Ordination nicht bewältigt werden kann."

Die Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker bei der Abgabe von Medikamenten sind offenkundig. Die Arzneimittelsicherheit kann ohne den wichtigen Beitrag dieser Berufsgruppe nicht aufrecht erhalten werden. Apotheken punkten durch die Arzneimittelberatung, ein breites Sortiment sowie Bereitschafts- und Zustelldienste. Jede Apotheke stellt einen großen Gewinn für eine Gemeinde dar. Vor allem die kundenfreundlichen Öffnungszeiten, die fachliche Beratung durch kompetente Apothekerinnen und Apotheker, die Zustelldienste und die Produktvielfalt in der Apotheke werden von der lokalen Bevölkerung sehr geschätzt. Die Forderung der Ärztekammer NÖ zur Dispensierfreiheit bedroht die Existenz der Apotheken und schadet der Versorgung der Bevölkerung.

Apotheken auf einen Blick

In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheitsnahversorger. Ob Großstadt, Kleinstadt oder Gemeinde: Die österreichischen Apotheken liefern Qualität auf höchstem Niveau. Insgesamt beraten 6.000 akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker in 1.370 Apotheken die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die Beratungskompetenz ist eine der zentralen Leistungen der Apotheker. Zusätzlich erbringen über 350 Apothekerinnen und Apotheker wertvolle Versorgungs- und Beratungsleistungen für die Patienten in den österreichischen Krankenanstalten.

  • Autor APAMED vom 01.09.2016 Rubrik: Medical Week

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