Nahrungsmittel-Allergie: Wenn heimische Lebensmittel nicht vertragen werden

Die Ernte ist eingefahren und frisches Getreide, Obst und Gemüse sind im Handel erhältlich oder im eigenen Keller gelagert. Manche Menschen reagieren allerdings auf diese heimischen Lebensmittel mit unangenehmen bis sehr gefährlichen Symptomen.

 

Echte Allergie ...    


 Bei Menschen mit einer Nahrungsmittel-Allergie schlägt das Immunsystem fälschlicherweise Alarm und der Körper reagiert mitunter äußerst heftig. "Rund zwei Prozent der Erwachsenen und bis zu acht Prozent der Kinder reagieren allergisch, wenn sie bereits kleinste Mengen bestimmter Nahrungsmittel zu sich nehmen", informiert Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak, Ärztlicher Leiter des Allergiezentrums Wien West. Bei heimischem Getreide, Obst und Gemüse zählen Weizen, Nüsse, Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Soja sowie Sellerie zu den häufigsten Allergie-Auslösern.

 

Der Allergie-Experte beschreibt das mögliche Ausmaß einer allergischen Reaktion: "Meist treten innerhalb von 30 Minuten unangenehme Symptome wie juckende Hände, Hautausschläge am ganzen Körper, Übelkeit, Kribbeln im Mund und Rachen oder Schwellungen im Gesichtsbereich auf. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem allergischen Schock. Dabei können aufgrund des plötzlichen Blutdruckabfalls lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt werden und der Kreislauf bricht zusammen. Ohne sofortige Notfallbehandlung kann das sogar tödlich sein."    

Das Besondere: Die hitzebeständigen Allergene lösen schon in geringen Mengen (als Spuren in Nahrungsmitteln oder alleine beim Einatmen) teils schwere Reaktionen aus. "Bisher sind 41 pflanzliche LTPs als Allergene anerkannt. Betroffen sind z.B. Patienten, die eine Sensibilisierung auf Früchte der "Rosacea-Allergen-Gemeinschaft" - Apfel, Pfirsich, Marille, Kirsche und Pflaume - aufweisen, jedoch nicht allergisch gegen Birken-Pollen sind", so Horak. "Am bedeutendsten ist das Pfirsich-LTP, auf das nahezu alle Pfirsichallergiker mit schweren Reaktionen sensibilisiert sind. Etwa 60% der Patienten mit Bäcker-Asthma sind gegen Weizen-LTP sensibilisiert."(2) Auch eine schwere Reaktion auf Spuren von Erdnüssen kann auf eine Speicherprotein-Allergie zurückzuführen sein. Hier kann schon das Öffnen einer Packung Erdnuss-Snips im selben Raum schwere Reaktionen wie Asthma auslösen.    
 

 ... oder Kreuzallergie?    


 Kreuzallergien hingegen sind nur selten Auslöser derart heftiger Reaktionen. Unter einer Kreuzallergie versteht man, wenn die Eiweißstrukturen von z.B. Pollen denen der Nahrungsmittel so ähnlich sind, dass die Abwehrkräfte bei Genuss ebenfalls reagieren. Als Folge einer Birkenpollen-Allergie verträgt rund die Hälfte der Betroffenen auch kein frisches, rohes Obst (besonders Apfel), Gemüse oder Nüsse. Für Beifußpollen-Allergiker ist Vorsicht bei Sellerie sowie diversen Gewürzen und Kräutern geboten.

 Allergie oder Intoleranz?    


 Nahrungsmittel-Allergien und Intoleranzen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Intoleranzen sind bedeutend häufiger als Allergien und führen darauf zurück, dass der Körper Milchzucker, Fruktose (v.a. in Obst) oder Histamin (z.B. in Tomaten, Erdbeeren und Rotwein) nicht aufnehmen oder verstoffwechseln kann. "Hier steckt ein angeborener oder erworbener Enzym- oder Transportdefekt dahinter, der ohne direkte Beteiligung des Immunsystems abläuft", so der Experte. Die Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit fällt schwer, da ähnliche Symptome auftreten. Generell gilt: "Nahrungsmittel-Allergien sind bei Kindern häufig, Unverträglichkeitsreaktionen eher bei Erwachsenen."    

 

 Symptome abklären lassen!    


 Die Bandbreite möglicher Ursachen nahrungsmittelbedingter Unverträglichkeiten ist also groß. Die Frage, ob eine echte Allergie, eine Kreuzallergie oder eine Unverträglichkeit vorliegt, klärt nur ein Besuch beim allergologisch geschulten Facharzt. Nach einem ausführlichem Arztgespräch, dem Führen eines Beschwerde-Tagebuches und einem Hauttest kann vor allem eine Blutuntersuchung Aufschluss über die Symptomauslöser geben. In den letzten Jahren haben sich die diagnostischen Möglichkeiten deutlich weiterentwickelt.

 

  • Datum 05.11.2014
  • Autor APA OTS

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