Komplementärmedizin bei Nahrungsmittelunverträglichkeit

Bereits 25 % der Österreicher leiden an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Anders als bei einer klassischen Nahrungsmittelallergie treten die Symptome zumeist nicht gleich nach dem Essen auf, sondern erst Stunden oder Tage später. Sie reichen von Durchfall, Ausschlägen und juckenden Ekzemen, Dauerschnupfen bis hin zu Migräne. Ohne medizinische Hilfe ist es deshalb oft gar nicht möglich, die Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und wiederkehrenden Beschwerden zu erkennen. Häufige Verursacher von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind Milch- und Fruchtzucker.

Fruktose, Lactose und Co.

Die Fähigkeit, den Milchzucker Lactose zu spalten, verliert sich normalerweise nach der Säuglingszeit. Dann geht die Bildung des Enzyms Laktase, das den  Milchzucker in verwertbare Zuckerarten aufteilt, zurück. Reine Milch kann dann kaum noch verdaut werden, sondern muss durch spezielle Prozesse wie Käse oder Joghurtherstellung verträglicher gemacht werden. Die im Dünndarm nicht aufgenommene Lactose erreicht den Dickdarm und wird dort durch die bakterielle Flora abgebaut. Wie viel Laktase eine Person im Erwachsenenalter bildet, ist sehr unterschiedlich. Dementsprechend können keine, geringe oder sehr heftige Symptome auftreten. Die Symptome reichen von Bauchschmerzen und Koliken, über Völlegefühl, Blähungen, Durchfall, Darmgeräusche bis hin zu Übelkeit und Erbrechen.

Je nach Schweregrad der Lactoseintoleranz treten Beschwerden oft erst bei Lactosemengen von über 10 g auf. Nur selten kommt es bereits bei sehr geringen Lactosemengen (unter 3 g) zu  Unverträglichkeitsreaktionen, sodass Lebensmittel mit geringen Milchzuckermengen und in kleiner Menge verzehrt meist ohne Probleme vertragen werden.

Fructoseintoleranz – Enzymdefekt im Dünndarm

Grund für die Fruchtzuckerunverträglichkeit ist der immer höhere Gehalt von Fruchtzucker in unseren Lebensmitteln. Fructose auch Fruchtzucker genannt ist ein Monosaccharid (Einfachzucker), das natürlich vor allem in Früchten, Maissirup, Rüben- und Rohzucker enthalten ist. Da Fructose ein sehr billiger Rohstoff ist, wird er heute in vielen industriellen Lebensmittelprodukten (Soft-Drinks, z.B. Cola,  Diabetiker-Produkte, zuckerreduzierte Marmeladen, zuckerfreier Kaugummi und Bonbons, Müsliriegel, Wellness- und Diätgetränke, …) verwendet. Bei der Fructoseintoleranz besteht eine unzureichende Aufnahmefähigkeit des Dünndarmes für Fruchtzucker (Fructose) auf Grund eines Enzymdefektes im
Dünndarm. Dies äußert sich ebenso wie die Lactoseintoleranz durch Blähungen, Völlegefühl und Krämpfe. Das Meiden der verursachenden Lebensmittel über einen gewissen Zeitraum ist unerlässlich. Hierfür bedient man sich einer Rückführungsdiät, welche man in 3 Phasen durchführt.
 

Die Rückführungsdiät

Die erste, die Karenzphase, erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. drei Wochen und dient der Erholung. Die Nahrung soll während dieser Zeit streng lactosefrei/ fructosearm und möglichst frei von Sorbit (Süßungsmittel bei Fertignahrungsmitteln) sein. Dadurch klingen die Beschwerden meist rasch ab und die Darmflora kann sich regenerieren. Nach dem Abklingen der Symptome schließt sich die zweite Behandlungsphase, die Testphase, an: Nun sollen Sie Ihre persönliche  Lactose-/Fructosetoleranzgrenze finden.
Dafür steigern Sie die zugeführte Lactose-/ Fructosemenge nach und nach. Testen Sie zunächst aber nur milchzucker- bzw. fruchtzuckerarme Lebensmittel. Je nach Verträglichkeit und eventuell erneutem Auftreten der Beschwerden dauert die Testphase mehr oder weniger lang, meist aber nochmals drei bis sechs Wochen.  Auf die Testphase folgt die dritte Phase, der Ernährungsalltag. Sie hat zum Ziel, eine möglichst andauernde Beschwerdefreiheit zu erreichen.

  • Datum 27.06.2014
  • Autor Prof. Dr. med. Andrea Dungl-Zauner und Mag. pharm. Claudia Dungl