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Neurodermitis, Atopische Dermatitis, Atopisches Ekzem

Die Überschrift signalisiert, wie viele Bezeichnungen für diese Erkrankung existieren und ist ein Hinweis für die noch immer nicht abgeschlossene Suche nach den eigentlichen Ursachen.

Problemfall Haut

Die Bezeichnung Neurodermitis stammt aus dem 19. Jahrhundert, als man noch glaubte, dass eine Nervenentzündung die Ursache ist. Heute spricht man eher von einem atopischen Ekzem, also einer Art Hautausschlag, der im Säuglingsalter erstmals auftritt und – mit abnehmender Häufigkeit – die Kinder bis ins Jugend- und Erwachsenenalter begleitet.

 
Die Ausprägung und Lokalisation des atopischen Ekzems wandelt sich mit dem Lebensalter. Beim Säugling weist Milchschorf am Kopf auf eine mögliche, beginnende Atopie hin. Es bilden sich unscharf begrenzte, gerötete, nässende Herde mit Bläschen, Schuppen und Krusten, die in der Folge auf die Streckseiten der Arme und Beine übergreifen können.
Etwa ab dem zweiten Lebensjahr verlagern sich die Hautveränderungen zur Ellenbeuge und Kniekehle (Beugeekzem), zu den Hand- und Sprunggelenken und erfassen den Nacken und die seitlichen Partien des Gesichtes. Die Herde sind eher trocken und von bräunlich-roter Farbe mit Knötchen und Schuppen. In der Pubertät finden sich die Hautveränderungen vor allem im Bereich der Stirn und Augenlider, am Hals und an der Beugeseite der großen Gelenke. Ihre Haut „vergröbert“ und verdickt sich. Beim Kratzen sind Spuren auf der Haut weiß und nicht rot wie bei den Gesunden.
 
Ursachenforschung
 
Schon lange besteht der Verdacht, dass eine genetische Komponente für die Atopie existiert, weil Kinder von Eltern(teilen) mit Atopischer Dermatitis auffällig oft selber an dieser Krankheit litten. Im Jahr 2006 wurde die Vermutung mit der Entdeckung einer Mutation eines Genabschnittes, dem so genannten Fillaggrin – Gen, Gewissheit. Sowohl der Wasserverlust der Haut als auch die Produktion eines körpereigenen „Feuchthaltefaktors“ sind bei diesem Gendefekt gestört. Ein Teufelskreis beginnt: Die Haut trocknet aus, büßt ihre Barrierefunktion zur Umwelt ein, wodurch Viren, Bakterien und Pilze bessere Lebensbedingungen vorfinden und ein Entzündungsprozess in Gang kommt. Starker Juckreiz ist ein häufiger Begleiter. Wenn die Kinder dann kratzen bilden sich neue Eintrittspforten für die Keime und das Zustandsbild verschlechtert sich. Neben der genetischen Veranlagung tragen zahlreiche Triggerfaktoren zur Entstehung und dem schubhaften Verlauf der atopischen Dermatitis bei. 
 
Lebensmittelallergien gelten mit 35 % als wichtigste Auslöser für ein atopisches Ekzem bei Kindern < 2 Jahren. Milcheiweiß ist das Hauptallergen, weitere sind Hühnerei, Soja, Weizen, Erdnuss, Baumnüsse, aber auch Fisch. Zum Glück verlieren (mit Ausnahme der Erdnussallergie) 80 % der Kinder bis zum 5. Lebensjahr ihre Allergie. Ab dem 2. Lebensjahr nimmt die Bedeutung von Pollen als Allergen zu. Birke, Gras, Ragweed sind hier zu nennen. In diesem Alter beginnt auch die Hausstaubmilben und Katzenallergie.
 
Bedenkt man, dass es noch psychische und klimatische Auslösefaktoren gibt, so wird klar, wie schwer es im Einzelfall sein kann, die individuellen Triggerfaktoren herauszufinden. Was bei dem einen Kind hilft, hat bei anderen keine Wirkung und umgekehrt.
 
Undichte oberste Hautschicht 
Die menschliche Haut ist schichtweise aufgebaut. Ihre äußerste Schicht besteht aus extrem abgeplatteten, toten Hornhautzellen. Sie sind wie die Ziegel in einer Mauer versetzt angeordnet und besitzen an der Oberfläche Verzahnungsstellen um Verschiebungen zu verhindern. Das Hautfett dient dabei als eine Art „Zement“ zwischen den einzelnen Zelllinien und erhöht den Zusammenhalt und die Dichtigkeit. Es besteht aus Ceramiden, Cholesterin, Cholesterinester und Fettsäuren und bremst den Wasserverlust der Haut. Waschaktive Substanzen, aber auch Wasser selbst lösen die Fettsubstanzen heraus und die Haut trocknet aus. 
 
Babys und Kleinkinder sollen daher nicht öfter als ein- bis zweimal / Woche gebadet werden. Die Dauer soll 5 Minuten nicht übersteigen und das Wasser nicht wärmer als 27 bis 30 °C sein. Für die letzten 2 Minuten fügt man Badeöl zu, um die Haut wieder aufzufetten. Um Hautirritationen zu vermeiden wird mit dem Handtuch abgetupft und nicht gerubbelt. Danach ist das Auftragen eines Feuchthaltemittels mit z.B. 5 % Harnstoff ratsam.
 
 
Die Behandlungsgrundsätze bei Neurodermitis besteht in einer Vermeidung der bekannten Auslöser für Schübe, der konsequenten Basispflege und – im Schub – dem frühzeitigen Einsatz von Glukortikoiden.
 
Basisbehandlung
 
Die Hautpflege soll Schüben vorbeugen. Mit rückfettenden Pflegeprodukten soll der Haut das notwendige Fett zugeführt werden. Ceramidhaltige Emulsionen schränken die erhöhte Wasserverdunstung ein und Nachtkerzenöl, Zink und Dexpanthenol wirken entzündungsdämpfend. Feuchthaltende Hautpflegemittel (Emollentien) mit möglichst geringem allergenem Potential sollen zweimal täglich zur Anwendung kommen. Auf diese Weise gelingt eine Stabilisierung und kurz- und langfristig eine Einsparung von Kortikosteroide.
 
Antientzündliche Hautbehandlung
 
Je nach Feuchthaltemittel – Creme oder Salbe – ist die Vorgangsweise unterschiedlich:
Ist das Feuchthaltemittel eine Creme, so tragen Sie sie 15 Minuten vor dem Kortikosteroid auf.
Liegt es als Salbe vor, dann 15 Minuten nachher auftragen. 
 
Die Scheu vor den Kortikosteroiden ist bei richtiger Auswahl und Gebrauch unbegründet. Bei leichter Krankheitsaktivität kommen 2 bis 3 Anwendungen pro Woche in Betracht. Bei schweren Entzündungen ist der Einsatz potenter Kortikosteroide sinnvoller. Es gelangt zwar anfänglich mehr davon in die Blutbahn, aber dafür heilt die Haut früher ab und schränkt die unerwünschte Kortikosteroidaufnahme damit wieder ein. Eine Alternative für Risikozonen sind die Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus.
 
 
 
 

  • Datum 02.07.2014
  • Autor Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

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Dr. Klement ist Pharmazeut und Heilpflanzenspezialist. Ständiger Mitarbeiter bei der Österreichischen Apotheker-Zeitung ÖAZ, Kronenzeitung, Ärztekrone, Apothekerkrone. Mitarbeit bei der Apothekenfortbildung.

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