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Dauerhafter Juckreiz wie Schmerzen

Jeder siebte Mensch leidet unter Juckreiz. Einer von 25 verspürt sogar dauerhaft den Drang, seine Haut mit Fingernägeln und anderen scharfen Gegenständen zu traktieren, zumeist ohne die erhoffte Linderung zu erlangen. Wie der Juckreiz entsteht und was dagegen hilft lesen Sie hier.

Dr. Attila Stephan Antal, Dermatologe an der Hautklinik der Universität München, vergleicht den dauerhaften Juckreiz mit Schmerzen. Wie diese kann der Juckreiz das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nicht selten komme es zu physischer und psychischer Erschöpfung bei den Betroffenen. Wie der Juckreiz entsteht, ist noch immer unklar.  Erst in den letzten Jahren wurde entdeckt, dass der Juckreiz über eigene Leitungsbahnen in den Nerven und im Rückenmark an das Gehirn gemeldet wird. „Damit ist Juckreiz ist eine eigenständige Sinneswahrnehmung“, so Dr. Antal.

Juckreiz entsteht in der Haut, wo unterschiedliche Reize auf Rezeptoren an den Nervenfasern einwirken. Die Juckreiznerven können auf thermische, mechanische, elektrische und chemische Stimulation reagieren. Auslöser können Hautkrankheiten wie die Neurodermitis oder die Schuppenflechte sein. Aber auch innere Erkrankungen wie Blut-, Leber- und Nierenerkrankungen oder Krebserkrankungen können einen quälenden Juckreiz erzeugen.

Manchmal erkennen die Ärzte die Ursache an der Art, wie die Patienten sich Linderung verschaffen. Bei Lymphdrüsenkrebs reiben und ziehen sie an der Haut, berichtet Dr. Antal, bei der Neurodermitis kratzt der Patient, bis es blutet. Aber weder Kratzen noch Reiben ist eine wirksame Behandlung. Dermatologen versuchen zunächst die Ursachen an der Haut zu beseitigen. Rückfettende Lotionen sind ein bewährtes Mittel gegen trockene Haut, die vor allem älteren Menschen oft Linderung verschafft, schreibt Dr. Antal. Auch Harnstoff könne die Hautfeuchtigkeit verbessern. Bei einer Hautentzündung helfen Salben mit Kortison oder sogenannten Calcineurinhemmern, die das Immunsystem hemmen. Eine gewisse Sonderstellung nehmen Dr. Antal zufolge Capsaicin-haltige Mittel ein. Der Wirkstoff aus der Chilischote wirkt direkt auf einen Rezeptor der Juckzreiznerven und ist ein probates Mittel, wenn der Pruritus auf bestimmte Stellen der Haut begrenzt ist.
Wenn die gesamte Haut juckt, reichen Hautmittel nicht aus. Zum Einsatz kommen dann Tabletten, die den Juckreiz von innen lindern.

  • Datum 06.08.2014
  • Autor DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014