Lupus: neue Therapieansätze?

Lupus ist eine Autoimmunerkrankung mit so vielen unterschiedlichen Symptomen, dass sie oft schwer zu diagnostizieren und behandeln ist. Trotz großer medizinischer Fortschritte in den vergangenen Jahren ist Lupus nicht heilbar. Moderne individuell abgestimmte Therapieansätze sollen den Betroffenen helfen.

Etwa einer von tausend Menschen leidet an Lupus. Das ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Vor allem Frauen sind betroffen (im Verhältnis 9:1), die Folge sind Entzündungsreaktionen, die alle Organe des Körpers betreffen können. „Es gibt keine Erkrankung, die ein breiteres Spektrum an klinischen Ausdrucksformen hat“, erklärt Josef Smolen, MedUni Wien, „es kann alle Organe, Gelenke und Muskeln treffen. Umso schwieriger ist die richtige Diagnose und die passende Therapieform dazu zu finden. Das macht Lupus zur kompliziertesten Krankheit der Welt.“

Die Medizin hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Die Betroffenen haben dank moderner Medikamente eine höhere Lebenserwartung und eine bessere Lebensqualität. „Cortison bleibt zwar eine Säule der Therapie, aber neue Therapieansätze haben oft geringere Nebenwirkungen und verbessern so die Lebensqualität“, erklärt Georg Stummvoll von der Abteilung für Rheumatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien im AKH Wien, „ganz wichtig ist eine frühzeitige richtige Diagnose.

Denn unbehandelt kann Lupus eine tödliche Krankheit sein, die im Endeffekt zu Organversagen führen kann. Je früher sie erkannt wird, umso größer sind die Behandlungserfolge“.
 

Individuell angepasste Immuntherapie

„Zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Lupus braucht es Therapien, die in die tatsächlichen Entstehungswege der Krankheit eingreifen“, erläutert Smolen die neuen Therapieansätze, „gezielte Therapien haben auf Molekülebene die Rezeptoren in den Zellen als Angriffspunkt. Vor allem die im Immunsystem aktiven B-Lymphozyten sind hier therapeutische Zielobjekte. Das soll künftig maßgeschneidert auf die Betroffenen abgestimmt werden.“

Bis es die perfekte individuell abgestimmte Therapie auf molekularer Ebene gibt, liegt ein Ziel der Forschung darin, die bestehenden Therapien zu optimieren und die Nebenwirkungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die relativ geringe Zahl der PatientInnen (rund 8.000 bis 10.000 Betroffene in Österreich) erschwert die Durchführung großangelegter klinischer Studien. Um hier die PatientInnendaten zu bündeln, benötigt es spezialisierte Zentren. Eines davon gibt es an der Abteilung für Rheumatologie der MedUni Wien.
 

Internationaler Lupus-Kongress in Wien

Die Vielfalt der klinischen Manifestationen involviert mehrere medizinische Fachrichtungen in das Forschungsfeld. Der von der MedUni Wien organisierte Lupus-Kongress von 2. bis 6. September 2015 versammelt über tausend ExpertInnen aus über 80 Ländern und unterschiedlichster Fachrichtungen in Wien. Hier werden neue Therapieoptionen und aktuelle Forschungserkenntnisse diskutiert werden. Josef Smolen fungiert als Vorsitzender und Georg Stummvoll als Generalsekretär. Link: lupus2015.org
 

  • Datum 02.09.2015
  • Autor MedUni Wien

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Koffein unter der Lupe

Kaffee ist mehr als nur ein Getränk, er steht für sinnlichen Genuss. Kaffee steht aber auch für den Koffein-Kick zwischendurch. Doch wie viele Tassen sind unbedenklich und auf welche Koffeinquellen ist noch zu achten?

hier weiterlesen


„Wehr Dich gegen Psoriasis“ – Jetzt!

Zum Auftakt der neuen Informationskampagne „Wehr dich gegen Psoriasis“ von Celgene Österreich holt Star-Fotograf Andreas H. Bitesnich zwei Psoriasis-Patientinnen vor die Kamera. Die kraftvollen Bilder sollen den mehr als 250.000 Betroffenen in Österreich neuen Mut machen aufzustehen, sich gegen die Erkrankung zu wehren und zum Arzt zu gehen.

hier weiterlesen


Weltherztag: Defibrillatoren machen Apotheken HERZsicher

Die Apotheken setzen einen wichtigen Schritt gegen den plötzlichen Herztod. Seit 2015 stattet die Österreichische Apothekerkammer ausgewählte Apotheken mit potenziell lebensrettenden Defibrillatoren, kurz „Defis“, aus. Auch die Kärntner Stadtgemeinde Friesach ist jetzt HERZsicher.

hier weiterlesen


5 Tipps gegen Halsschmerzen

Eine aufkommende Erkältung meldet sich häufig mit einem Kratzen in der Kehle an. Der Hals ist dann schnell gereizt oder stark verschleimt, die Stimme klingt „belegt”.

hier weiterlesen


Zeit für Grippeschutz-Impfung beginnt

Vor Beginn der Grippe-Saison sollten sich Risikogruppen wie Menschen ab 60, chronisch Kranke und Schwangere gegen die Infektionserkrankung impfen lassen.

hier weiterlesen


Soziale Faktoren: Einfluss auf Gesundheit?

Wie stark beeinflussen die Lebenslage und der soziale Status den individuellen Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten?

hier weiterlesen