Masern: Gefährlich und vermeidbar

Masern galten einst als ausgerottet, jetzt droht eine Epidemie. In Deutschland und Österreich stiegen die Fälle heuer massiv an. Es handelt sich hierbei um eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Masern sind jedoch alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit!

Das Virus wird meist durch Tröpfcheninfektion - also Sprechen, Niesen, Husten - übertragen, wobei die Ansteckung auch über größere Distanzen, etwa von einem Raum zum anderen, erfolgen kann. Bei typischem Verlauf der Erkrankung kommt es etwa acht bis 14 Tage nach der Ansteckung zu Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und einer Bindehautentzündung des Auges. Am zweiten bis dritten Krankheitstag kommt es zu einer Rötung des Gaumens und typischen weißen Flecken an der Wangenschleimhaut, danach zu einem Abfall des Fiebers und ab etwa dem vierten Krankheitstag zum Auftreten des charakteristischen roten, fleckigen Hautausschlags. Dieser breitet sich vom Gesicht über den ganzen Körper aus und geht nach etwa einer Woche unter Bildung von Schuppen wieder zurück.    
Man kann Masern nur einmal bekommen.    
 

Keine harmlose Kinderkrankheit!

Masern sind jedoch alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit: Schätzungen der WHO zufolge erkrankten z.B. im Jahr 2000 weltweit etwa 30 bis 40 Millionen Menschen an Masern. Mehr als eine dreiviertel Million Menschen - vor allem Kinder aus armen Ländern - verstarben in diesem Jahr an der Erkrankung. In Österreich kommt es immer wieder zu Masernfällen, obwohl dies durch konsequentes Impfen zu vermeiden wäre.    

Durch die Infektion mit den Viren wird das menschliche Immunsystem stark geschwächt. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es zu einer Mittelohrentzündung. Bei etwa jedem zwanzigsten Masernfall kommt es zu einer Bronchitis oder Lungenentzündung.    
Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die sogenannte Masernenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns, die bei etwa einer von 1.000 bis 2.000 Erkrankungen auftritt und in etwa zehn bis 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft. In weiteren 20 bis 40 Prozent der Fälle kommt es zu bleibenden Folgeschäden.

Die Impfung gegen Masern ist besonders wichtig, weil eine einmal voll ausgebrochene Erkrankung nicht ursächlich behandelt werden kann.  Nach der Impfung bildet der menschliche Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Virus, es kommt also zu einer aktiven Immunisierung, die einen langanhaltenden, hochwertigen Schutz bietet.
 

 

Impf-Skepsis


Die Liste der empfohlenen Kinder-Impfungen - Mumps-Masern-Röteln, Diphterie-Tetanus oder FSME - ist lang, dennoch steht die Mehrheit der österreichischen Eltern diesen kritisch gegenüber, wie eine vor zwei Jahren veröffentliche Umfrage zeigte. Und diese Zahlen seien immer noch aktuell, meinte Karl Zwiauer, Leiter für pädiatrische Fortbildung und Forschung der Karl Landsteiner Gesellschaft.    

 Befragt wurden 750 Eltern mit Kindern bis zu einem Alter von 13 Jahren - und 57 Prozent sehen Impfungen skeptisch, vier Prozent lehnten sie überhaupt ab. Am häufigsten wird einer Impfung nicht zugestimmt, da die Eltern den Schutz als unnötig empfinden (44 Prozent). Auch die Sorge, das Kind könnte zu stark belastet werden (35 Prozent) und die Angst vor Nebenwirkungen und Impfschäden (34 Prozent) spielt eine Rolle.    

 Diese Gespräche seien aber oft schwierig, wie Dr. Zwiauer berichtet: Wenn Skeptiker Informationen suchen und diese auch annehmen, dann könnte man sie von den Vorteilen der Impfungen überzeugen. Allerdings gibt es auch solche, deren Meinung derart vorgefasst sei, dass sie Argumenten nicht zugängig sind. Dann ist jede Mühe vergeblich.  Dabei dürften Impfentscheidungen nicht aufgrund von Emotionalität und Irrationalität getroffen werden: "Denn das Kind hat ein Recht auf die bestmögliche Behandlung", so Zwiauer.

  • Autor APAmed