Erst in die Apotheke, dann in den Urlaub

Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Für viele warten in den Ferien jedoch nicht nur Spaß und Erholung. Jeder zweite Fernreisende erkrankt während oder nach dem Urlaub. Im Urlaubsland ist vielleicht die medizinische Infrastruktur nicht gut ausgebaut oder man tut sich schwer mit dem richtigen Zugang oder der Verständigung im Falle einer Erkrankung – daher sollte man für die wichtigsten Fälle vorgesorgt haben und eine kleine Reiseapotheke mit sich führen.

Die Apotheken helfen gerne bei der individuellen Zusammenstellung einer Reiseapotheke – oft hat man ja noch Alltags-Medikamente zu Hause und braucht sich nicht immer komplett eindecken vor einer Reise, daher ab in die Apotheke und anhand einer Liste gemeinsam mit dem Apotheker die Optionen durchgehen!

Die Apotheken sind außerdem mit einem speziellen EDV-System ausgestattet, das für jedes Urlaubsland die empfohlenen Reiseimpfungen oder Malariaprophylaxe und die richtige Reiseapotheke vorschlägt. Dieses persönliche Service der Apotheken kann jederzeit in Anspruch genommen werden.

Was gehört in eine gut sortierte Reiseapotheke?

Das wichtigste vorab: 

Alle Arzneimittel, die man  auch zu Hause einnimmt oder häufig braucht, also z.B. Dauermedikamente gegen hohen Blutdruck oder Cholesterinwerte dürfen im Urlaub nicht fehlen. Bitte achten Sie darauf, diese auch in genügender Zahl mitzunehmen, denn oft sind diese in den Reiseländern nicht vorhanden, meist auch rezeptpflichtig und teuer – daher vorher daran denken, dass nichts ausgeht!

Impfungen

Je nachdem, wohin man reist, sind manchmal Impfungen verpflichtend oder empfohlen, eine Hepatitis-Impfung gegen Hepatits A und B ist vor einem Urlaub auf jeden Fall zu empfehlen, aber auch bereits in unseren Breitengraden wichtig.

Eine weitere wichtige Reiseimpfung ist gegen Meningokokken, dazu gibt es unterschiedliche Subtypen, gegen die geimpft werden kann, teilweise ist eine Impfung auch für Österreich sehr zu empfehlen, oft werden Meningokokken eingeschleppt nach einem Urlaub, daher sollte man auch dagegen geschützt sein.

Weitere Impfungen, die geprüft werden sollen, sind Cholera, Gelbfieber, Japan Enzephalitis, Tollwut und Typhus.

 

Malaria

Gegen Malaria gibt es keine Impfung, in vielen Ländern ist daher eine Prophylaxe notwendig, z.B. in Form einer Stand-By-Medikation (d.h. man nimmt das Präparat nur mit und im Falle von Fieber nimmt man es dann ein) oder einer Dauerprophylaxe. Dazu informiert Sie gerne Ihr Apotheke vor Ort, für welches Land in welcher Jahreszeit eine Prophylaxe notwendig ist.

 

Bei Flugreisen gehören die Medikamente, die ständig gebraucht werden, ins Handgepäck. Viele Medikamente müssen kühl gelagert werden. Es soll daher vermieden werden, dass die Reiseapotheke starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird. 

 

Reiseapotheke zum Mitnehmen

Die wichtigsten Erkrankungen, die für eine Reiseapotheke zu berücksichtigen sind:

  • Schmerzen oder Fieber, wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder nach Unfällen: Ein universelles Schmerzmittel ist IBUPROFEN oder PARACETAMOL, diese wirken sehr rasch und sind nebenwirkungsarm
    Für Kinder gibt es auch Säfte oder Zäpfchen mit diesen Wirkstoffen in niedriger Dosierung.
  • Verdauungsstörungen und Reiseübelkeit: Oft hat man im Urlaub vor lauter köstlicher neuer Gerichte über die Stränge geschlagen, zu spät gegessen, das Essen liegt im Magen oder man hat es nicht gut vertragen: Dazu gibt es gute pflanzliche verdauungsfördernde Wirkstoffe mit Bitterstoffen, die die Verdauung anregen – diese gehören auf jeden Fall in die Reiseapotheke. Bei Reiseübelkeit am Schiff oder im Flugzeug helfen Tabletten oder Kaugummis mit dem Wirkstoff DIPHENHYDRAMIN.
     
  • Allergie und Juckreiz: Leidet man unter Allergien sollte auf jeden Fall ein Antihistaminikum mitgenommen werden, dies kann auch bei einer Lebensmittelallergie sehr rasch wirken. Bei Insektenstichen mit juckenden Ausschlägen gehört ein kühlendes, antiallergisches Gel eingepackt.
     
  • Durchfall: Eine der häufigsten Reisebeschwerden ist Durchfall: Dazu muss man zwischen Durchfall mit Fieber und ohne Fieber unterscheiden.
    Bei Durchfall mit Fieber handelt es sich meist um eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Dazu kann man sich entweder ein Breitbandantibiotikum vom Hausarzt vorab verschreiben lassen und mitnehmen und dann im Bedarfsfall einnehmen oder man sucht im Urlaub unbedingt einen Arzt auf.
    Ist der Durchfall ohne Fieber, ist das wichtigste, dass man den Flüssigkeitsverlust kompensiert, d.h. ausreichend elektrolythaltige Getränke zuführen. Dies kann sein z.B. ein Apfelsaft verdünnt mit einer Prise Salz oder fertige Elektrolytpulver, in Wasser gelöst. Bei Kindern ist darauf zu achten, dass schon kleine Mengen Flüssigkeitsverlust (Durchfall oder Erbrechen) zu massiven Entgleisungen des Wasserhaushaltes führen können, daher unbedingt genau beobachten: Wenn das Kind apathisch wird, sofort zum Arzt!
    Eine Packung Tierkohle (Carbo medicinalis) sollte mitgenommen werden, da die Kohle die Flüssigkeit im Darm aufsaugen kann und dadurch den Durchfall reduziert. 
    Hat man im Urlaubsland wenig Gelegenheit, den Durchfall „auszusitzen“, dann gibt es Tabletten mit LOPERAMID als Wirkstoff, die stoppen den Durchfall innerhalb von 2 Tagen, sind aber bei entzündlichem Durchfall kontraindiziert!
     
  • Nach einem überstandenen Durchfall sollte die Darmflora wiederaufgebaut werden, dazu gibt es Präparate, die gute Darmkeime enthalten.
     
  • Verletzungen: eine desinfizierende Wundsalbe oder Wunddesinfektionsspray und etwas Verbandssachen wie Pflaster, sterile Wundauflagen, Blasenpflaster, und Mullbinden.
    „Aus Erfahrung wissen wir, dass man beim Urlaub mit Kindern nie genug Pflaster (wasserfest!) mitnehmen kann“
     
  • Ist man viel offroad unterwegs, empfiehlt es sich sogar, ein steriles Set mit Spritzen und Nadeln mitzuführen!
     
  • Prellungen, Verletzungen der Gelenke: Macht man im Urlaub etwas Sport, können Prellungen, Überdehnungen der Gelenke oder Muskelverletzungen leicht passieren – daher immer eine Sportsalbe, die auch leicht schmerzlindernd und abschwellend wirkt, mitnehmen!
     
  • Sonnenschutz und After-Sun-Produkte: Besonders für Kleinkinder ist ein guter Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor wichtig. Babys sollten gar nicht der direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein, sondern sich ausschließlich im Schatten aufhalten und auch dort eine Kopfbedeckung tragen. Der beste Sonnenschutz ist Kleidung.
     
  • Hygiene & Sex: Kondome, Hygieneartikel, z.B. auch Intimpflege für die Frau nach einem Bad im Meer oder Gewässer kann Vaginalmykosen und –infektionen vorbeugen! 
    Zur Reinigung der Ohren nach Baden im Meer oder Tauchen, empfehlen sich desinfizierende Ohrentropfen.
     
  • Verstopfung: Manche Personen leider bei Reisen unter Verstopfung, daher könnte man z.B. auch ein leichtes Abführmittel in Tropfenform (kleine Packung) mitnehmen.
     
  • Wasserdesfinfektion: Ist man etwas abseits unterwegs, kann man Wasser desinfizieren mit Tabletten z.B. von MICROPUR
     
  • Insektenschutz: Sogenannte Repellents werden auf die Haut oder Kleidung gesprüht und halten Insekten fern, z.B. mit Wirkstoff ICARIDIN oder DEET. Kleidung kann imprägniert werden.

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Mag. pharm. Viktor Hafner

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Viktor Hafner ist Mit-Initiator des Portals APOdirekt.at und Apotheker in Wien.

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