Schlafstörungen: Ein weibliches Phänomen?

Frauen schlafen anders als Männer. Und leiden laut Studien auch doppelt so häufig unter Schlafstörungen. Dabei ist gerade ein erholsamer Schlaf die wichtigste Basis für Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden. Doch was sind die Ursachen für die weibliche Schlaflosigkeit?

Die zunehmende Schnelllebigkeit unserer Zeit, die hohen Leistungsanforderungen, vielfältige Aufgaben im Beruf und Privatleben, aber auch Stress und Sorgen rauben den Menschen oft den Schlaf. Laut aktuellen Studien leiden bereits mindestens 18 Prozent der Österreicher unter Schlafproblemen. Für Schlafmediziner eine besorgniserregende Entwicklung, denn: Zu wenig Schlaf macht nicht nur dauermüde, sondern schränkt auch die Konzentration und Leistungsfähigkeit ein, fördert die Krankheitsanfälligkeit sowie Gewichtszunahme und beschleunigt sogar den Alterungsprozess. „Umgekehrt ist guter Schlaf ein aktiver, körperlicher Regenerationsvorgang, in dem sowohl physische und neurologische, als auch psychologische Erholungsprozesse stattfinden“, bestätigt Schlafmediziner Dr. Michael Feld.


Frauen haben einen leichteren Schlaf

Dass Frauen häufiger als Männer unter Schlafstörungen leiden, hat mehrere Gründe, die erst in jüngerer Zeit wissenschaftlich erforscht wurden: Zwar sind in jungen Jahren noch beide Geschlechter gleich häufig betroffen, mit zunehmendem Alter entwickeln Frauen aber eine höhere Anfälligkeit. Erste Steigerungen zeigen sich im Alter zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr. Nochmals schlimmer kann es in der Menopause werden. Bei Untersuchungen zeigte sich, dass Frauen einen leichteren Schlaf haben als Männer. Männer schlafen tiefer, Frauen hingegen wachen auch häufiger in der Nacht auf. Sie werden leichter durch Geräusche in ihrem Schlaf gestört und fühlen sich morgens oft nicht erholt. Unterschiedlich ist auch, dass Frauen ihren Schlaf anders beurteilen als Männer. Männer bewerten einen guten Schlaf danach, wie ausgeschlafen sie sich am Morgen fühlen. Für Frauen ist relevanter, wie lange sie geschlafen haben und wie häufig sie in der Nacht aufgewacht sind.


Soziale Aspekte und Hormone

Untersucht man die Schlafstörungen von Frauen genauer, ergibt sich, dass sie nicht aufgrund ihres Geschlechtes häufiger unter Schlafstörungen leiden als Männer, sondern bedingt durch unterschiedliche soziale Aspekte. Dazu gehören vor allem sozialer Stress und Mehrfachbelastungen, aber auch psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen). Zudem werden Frauen auch im Schnitt älter als Männer – Schlafstörungen nehmen mit dem Alter zu.
Schlafstörungen bei jüngeren Frauen stehen meistens im Zusammenhang mit der Menstruation oder einer Schwangerschaft bzw. Mutterschaft. Allerdings schlafen in unserer schnelllebigen Zeit auch viele Frauen zu wenig und ignorieren die Anzeichen von Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit,   Konzentrationsproblemen und anderen Auswirkungen von latent unzureichendem Schlaf.


Menopause: gestörte Nachtruhe

Bei Frauen in den Wechseljahren steigen die Schlafprobleme sprunghaft an – um 260 Prozent(!), so das Ergebnis einer Erhebung der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die Mediziner vermuten, dass dies mit hormonellen Veränderungen, vor allem mit einem sinkenden Östrogenspiegel, zusammenhängt. Östrogen wirkt auf die Stoffwechselvorgänge im Gehirn und fördert die Tiefschlaf- bzw. die REMPhasen (Rapid-Eye-Movement), in denen wir träumen und Erlebtes verarbeiten. Sinkende Östrogenwerte können dazu führen, dass der Schlaf weniger tief und erholsam ist. In der Menopause können aber auch andere Hormone aus dem Gleichgewicht geraten: Das Gehirn schüttet weniger Botenstoffe wie Acetylcholin und Noradrenalin aus. Da diese beiden Neurotransmitter die Schlafphasen mitsteuern, gerät der Schlafrhythmus durcheinander – und kommt oft erst nach Jahren wieder ins Lot. Manche Frauen leiden in den Wechseljahren unter Hitzewallungen, die ebenfalls die Schlafqualität beeinträchtigen können. Aber auch Sorgen und Ängste lassen betroffene Frauen nachts wach liegen oder verfrüht aufwachen.

 

  • Autor Frauenbüro/Orthomol