Bei Diabetes regelmäßig zur Nierenkontrolle gehen

Nierenkrankheiten sind bei Menschen mit Typ1- und Typ-2-Diabetes nach Amputationen die zweithäufigste Komplikation. Denn Nierenerkrankungen werden bei ihnen heute noch zu spät diagnostiziert und in ihrer Bedeutung unterschätzt. Darauf macht die Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich des Weltnierentags am 10. März 2016 aufmerksam und gibt Tipps zur Vorbeugung.

Die Nieren filtern das Blut und produzieren Urin, mit dem sie Abfallprodukte aus dem Körper transportieren. Ohne funktionstüchtige Nieren sammeln sich diese Abfallprodukte im Blut an und verursachen eine Vergiftung. „Bei einem diabetischen Nephropathie kommt es durch hohen Zuckergehalt im Blut und hohen Blutdruck zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße in den Nieren“, sagt Professor Dr. med. Thomas Haak. Die Leistung der Niere sinkt, Blutdruck und Blutfette steigen an. Da Nierenerkrankungen lange Zeit unbemerkt verlaufen, gehen Menschen mit Diabetes häufig nicht regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung. „Die ersten Schäden zeigen sich darin, dass die Nieren nicht mehr präzise filtern und Eiweiß über den Urin verloren geht", erklärt Professor Haak. Bereits viele Jahre, bevor schwere Schäden sichtbar werden, weisen geringe Mengen von Albumin, einem Eiweiß im Urin, darauf hin. Der Diabetologe rät: „Um dies frühzeitig zu erkennen, sollten Menschen mit Diabetes mindestens einmal im Jahr ihren Urin auf seinen Albumingehalt hin untersuchen lassen.“

Allerdings treten in den letzten Jahren bei Menschen mit Diabetes verstärkt Verlaufsformen der Nephropathie auf, die primär keine sogenannte Albuminurie aufweisen, sondern nur durch eine eingeschränkte Nierenfunktion charakterisiert sind. Ursache ist oft ein unerkannter erhöhter Blutdruck. Deshalb sollte neben einem jährlichen Albumin-Screening auch eine Berechnung der „glomerulären Filtrationsrate (GFR)“ erfolgen, um eine Beeinträchtigung der Nieren zu erkennen. Auch sollte der Blutdruck regelmäßig selbst gemessen werden und bei Verdacht auf einen Bluthochdruck eine 24-Stunden-Messung erfolgen.

Nierenerkrankungen gehören bei Menschen mit Diabetes zu den häufigen Komplikationen. Etwa 40 bis 50 Prozent von ihnen entwickeln bei schlechter Einstellung im Verlauf ihrer Stoffwechselerkrankung eine „diabetische Nephropathie“. Die meisten der Betroffenen leiden unter Typ-2-Diabetes. Durch die Nephropathie steigt auch ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Treten Nierenschäden auf, muss ein darauf spezialisierter Facharzt, der Nephrologe, frühzeitig in die Behandlung eingebunden werden: Dies verzögert den Verlauf der Nierenerkrankung bis zur Dialyse und verringert die Sterblichkeit. Um Schädigungen der Nieren vorzubeugen, sollten Menschen mit Diabetes ihre Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte senken. Nach aktuellen Leitlinien legen behandelnde Ärzte das Blutdruckziel individuell fest, als allgemeiner Richtwert gilt jedoch 130/80 mmHg. Außerdem sollten Menschen mit Diabetes bei ihrer Ernährung darauf achten, die von ihrem Arzt empfohlene Kochsalzzufuhr nicht zu überschreiten. Ein oft unterschätzter Faktor: Auch Rauchen fördert die Entstehung und das Fortschreiten von Nierenerkrankungen.

Daher empfiehlt die Deutsche Diabetes-Hilfe zum Weltnierentag allen Menschen mit Diabetes, regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, auf eine gute Stoffwechseleinstellung und Ernährung zu achten sowie mit dem Rauchen aufzuhören. Nur so lassen sich die Häufigkeit und Auswirkungen von Nierenerkrankungen und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme verringern.
 

  • Datum 03.03.2016
  • Autor Pressestelle diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe | Julia Hommrich

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