NÖ Impftag: Reisemedizin & Reiseimpfungen

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, wusste schon Matthias Claudius. Das muss leider nicht immer etwas Positives sein. Jeder zweite Fernreisende erkrankt während oder nach seinem Urlaub. Doch nicht nur weite Reisen bergen gesundheitliche Risiken. Am 21. März fand in Wiener Neustadt der sechste Niederösterreichische Impftag zum Thema „Reisemedizin“ statt.

„Impfen ist die einfachste und kostengünstige Vorsorgemaßnahme, die wir in der Medizin kennen. Die modernen Impfstoffe sind zudem gut verträglich und weisen eine sehr hohe Schutzrate auf. Eine zentrale Aufgabe beim Impfen ist eine adäquate Aufklärung über die Nutzen-Risikorelation von Impfungen, um potentiellen Ängsten entsprechend entgegenzuwirken. Gesunde Menschen können die empfohlenen Impfungen bedenkenlos erhalten – bei Personen mit Grundkrankheiten muss jedoch individuell vorgegangen werden“, ergänzt Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Spezialambulanz für Impfungen der MedUni Wien.

Der Bogen der reisemedizinischen Impfthemen spannt sich von den „hot topics“ wie Ebola, Malaria und Chikungunyafieber über die allgemein empfohlenen Reiseimpfungen bis hin zu speziellen Reiseimpfungen, wie Japan B Encephalitis, Cholera, Typhus oder Tollwut. „Wichtig ist vor jeder Reise rechtzeitig mit den Vorbereitungen, dazu gehören auch die Impfungen, zu beginnen – in der Regel sollte man vier Wochen vor Abreise zum Arzt gehen, da viele Impfungen aus mehreren Teilimpfungen bestehen. Besonders bei Personen mit Grunderkrankungen muss genügend Zeit für eine ausführliche Reisevorbereitung und Beratung sein“, rät die Infektiologin Wiedermann-Schmidt.

Zusätzlich sind die Apotheken mit einem speziellen EDV-System ausgestattet, das für jedes Urlaubsland und den jeweiligen Reisetypus die empfohlenen Reiseimpfungen und die richtige Reiseapotheke vorschlägt.  Dieses Service der Apotheken kann jederzeit in Anspruch genommen werden. 

Reiseimpfungen im Kindesalter

Das österreichische Gratisimpfprogramm für Säuglinge und Kinder beinhaltet für Reisen in Europa bereits die wichtigsten Impfungen auch für Auslandsreisen. Voraussetzung ist allerdings eine korrekte und komplette Befolgung dieser Impfempfehlungen. Neben Diphterie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und Hämophilus influenzae ist vor allem die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu erwähnen. Für Reisen in den Süden empfiehlt sich außerdem die Hepatitis A Impfung, die ab dem vollendeten 1. Lebensjahr entsprechend dem österreichischen Impfplan vorgesehen ist. Natürlich können auch andere Impfungen wie Typhus verabreicht werden. Für Reisen nach Österreich sollte auch für Kinder ein aufrechter Impfschutz gegen FSME vorhanden sein. Bei langen Auslandaufenthalten im Zuge von Schüleraustauschprogrammen ist es sinnvoll abzuklären, ob Impfungen vom Schulbetrieb vorgeschrieben sind.

Aktuelle Masernausbrüche in Niederösterreich

„Masern sind dermaßen infektiös, dass ein Schutz dagegen ausschließlich durch eine Schutzimpfung gewährleistet werden kann“, warnt Vizepräsident der NÖ Ärztekammer MR Dr. Dietmar Baumgartner. „Für 97 von 100 ungeschützten Personen bedeutet ein Kontakt mit dem Masernvirus, auch daran zu erkranken.“ Niederösterreich ist aktuell besonders stark betroffen. Mehr als die Hälfte aller in Österreich gemeldeten Masernfälle kommen aus diesem Bundesland. Eine Ausbreitung kann nur eingedämmt werden, wenn die ungeschützten Kinder von den Erkrankten strikt getrennt werden. „Ist ein Masernfall in einer Schule bekannt, brauchen die ungeimpften Kinder unbedingt einen Impfschutz. Eltern, die ihrem Kind diesen Schutz verweigern, müssen damit rechnen, dass ihr Kind vom Schulbesuch ausgeschlossen wird“, so Lechner.

In diesem Zusammenhang nimmt Baumgartner auch die Medien in die Verpflichtung: „Wenn Personen eine Plattform geboten wird, die Masern als eine harmlose Erkältungserkrankung bezeichnen, wird die Bevölkerung immer mehr verunsichert werden und die Wirksamkeit von Impfungen in Frage stellen.“


Apotheken-Impfaktion gegen Hepatitis A/B

„Wir Apotheker sehen es als unsere Aufgabe, das Impfbewusstsein der Bevölkerung zu stärken. Aus diesem Grund rufen wir auch gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Industrie und den Sozialversicherungen Jahr für Jahr zahlreiche Impfaktionen ins Leben“, so Mag. pharm. Heinz Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich. Die fundierte und seriöse Information und Beratung an der Tara tragen zur Schaffung des Impfbewusstseins der Patienten bei. Häufig wird die Impfung gegen Hepatitis als wichtige Reiseimpfung empfohlen, weshalb die Apotheken rechtzeitig vor der Reisezeit eine entsprechende Impfaktion anbieten. Von 1. April bis 31. Mai sind die Impfstoffe gegen Hepatitis A und der Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A/B in den Apotheken um rund 30 Prozent verbilligt. (Hep A/B Erwachsene: 59,90 Euro statt 74,90 Euro; Kinder: 37,90 Euro statt 46,90 Euro. Hep A Erwachsene: 38,90, Kinder 28,75 Euro).

Elektronischer Impfpass auf der Apo-App

Die kostenlose Apo-App der Österreichischen Apothekerkammer informiert neben allen am Markt befindlichen Medikamenten auch über sämtliche Impfstoffe, empfohlene Impfungen und alle durch Impfungen vermeidbaren Erkrankungen. Die neuen Funktionalitäten ermöglichen die Nutzung der App als elektronischen Impfpass. Impfstoffe können aus einer Liste ausgewählt, eingescannt oder selber eingegeben werden. Die offiziellen Impfempfehlungen für alle Altersgruppen des Gesundheitsministeriums kann man ebenfalls mit der App abrufen.


Was gehört in eine gut sortierte Reiseapotheke?

Wer sich auf seine Reise gut vorbereitet, nimmt eine vollständige Reiseapotheke gleich auf Urlaub mit. Es ist davon abzuraten, sich im Bedarfsfall im Ausland mit unbekannten Präparaten einzudecken. „Die Medikamente sind in ihrer Dosierung und Zusammensetzung von Land zu Land unterschiedlich. Außerdem ist die Arzneimittelsicherheit nicht überall so hoch wie in Österreich“, warnt Haberfeld. Alle Medikamente, die auch zu Hause eingenommen oder häufig gebraucht werden, sollen in ausreichender Menge für die Dauer des Urlaubs mitgenommen werden. Zusätzlich benötigt jeder Reisende Medikamente, die speziell auf den Urlaubsort abgestimmt sind, wie beispielsweise eine Malaria- Vorsorge. Auch das Mitführen von medizinischen Dokumenten, wie Impfpasses, Diabetikerpass oder  Allergiepass ist ratsam.

 

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  • Datum 19.03.2015
  • Autor Österreichische Apothekerkammer Presse und Kommunikation Mag. Gudrun Kreutner (Reisinger) | OTS Aussendung "NÖ Impftag: Reisemedizin & Reiseimpfungen"| 19. März 2015