Österreichs Erwachsene werden immer dicker

Österreichs Erwachsene werden immer dicker. 15,6 Prozent der Männer und 13,2 Prozent der Frauen sind laut den aktuellsten Erhebungen adipös. Dies stellt der Wiener Sozialmediziner Thomas Dorner (MedUni Wien) fest.

Als Adipositas gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30. Normalgewicht sind Werte für Erwachsene zwischen 18,5 und 25. Die viel zu vielen Kilos haben jedenfalls eindeutig negative Auswirkungen. Dorner: "Ein extrem adipöser junger Mensch (20 bis 30 Jahre), BMI größer 45 verliert etwa 13 (Mann) bzw. acht (Frau) Lebensjahre als Folge der Adipositas. Übergewichtige 40-Jährige verlieren drei Lebensjahre, adipöse Gleichaltrige sechs bis sieben Jahre." Unter Übergewicht wird ein BMI zwischen 25 und 30 verstanden.

Wie sehr sich die Situation in einem nur relativ geringen Zeitraum von rund 25 Jahren in Österreich verändert hat, stellte Dorner jetzt in der Ärztezeitschrift in Auflistung der verschiedenen Erhebungen zum Thema Adipositas in Österreich dar: Laut Mikrozensuserhebung der Statistik Austria aus dem Jahr 1991 (mehr als 46.000 Personen ab 20 Jahren) lag die Adipositasrate damals bei den Männern bei 8,3 und bei den Frauen bei neun Prozent. 1999 wurde diese Erhebung wieder durchgeführt und brachte Adipositasanteile unter Männern und Frauen von jeweils 9,1 Prozent.


Etwas anders sind die Angaben gemäß dem Ernährungsbericht 2012, bei dem 313 Männer und Frauen (18 bis 64 Jahre alt) direkt gemessen wurden. Da waren 47,7 Prozent der Männer normalgewichtig, 37,4 Prozent übergewichtig und 14,9 Prozent adipös. Dorner: "Von den Frauen waren 4,2 Prozent untergewichtig (niemand bei den Männern; Anm.), 68,2 Prozent normalgewichtig, 17,9 Prozent übergewichtig und 9,7 Prozent adipös." Das alles deutet darauf hin, dass die Männer die Frauen deutlich überrundet haben.

Der Sozialmediziner vom Wiener Zentrum für Public Health führte gegenüber der APA folgende Faktoren an, die besonders häufig mit Adipositas in Verbindung stehen: höheres Alter, niedriger Bildungsstatus, Migrationshintergrund und Wohnort in Ostösterreich. Die Wahrscheinlichkeit für Adipositas hätte in Österreich mit steigendem Alter alle fünf Jahre bei beiden Geschlechtern um etwa zehn Prozent zugenommen.

Eine positive Entwicklung gibt es möglicherweise bei Kindern und Jugendlichen. "Es scheint so, als hätte man da möglicherweise einen Plafond erreicht", sagte Dorner. Möglicherweise könnten sich hier bereits Präventionsmaßnahmen auswirken.

Das größte Folgerisiko für Adipositas stellt übrigens die Hypertonie dar. Fettsüchtige Männer haben das 5,66-fache Risiko für einen Bluthochdruck im Vergleich zu Normalgewichtigen, bei Frauen liegt dieser Faktor beim 5,44-Fachen. Dann folgt die Zuckerkrankheit mit einem jeweils drei- bis vierfachem Risiko bei Menschen mit viel zu vielen Kilos.

 

  • Datum 11.01.2016
  • Autor MedUni Wien

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