Morbus Parkinson: Diagnose und Therapie möglichst früh

Eine frühe Diagnose und ein möglichst früher Behandlungsbeginn sind entscheidende Faktoren, um Parkinson-Betroffenen zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen. Umso wichtiger sei es, Alarmsignale zu erkennen.

"Wir haben heute eine breite Palette von therapeutischen Optionen, um Morbus Parkinson in allen Erkrankungsstadien mit einer auf die individuelle Situation abgestimmten Kombination verschiedener Therapieansätze gut zu behandeln. Damit können wir die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten deutlich verbessern. Je früher wir damit beginnen können, umso besser. Möglichen Frühsymptomen für die Parkinson-Erkrankung sollte deshalb besondere Aufmerksamkeit zukommen, und sie sollten ehestmöglich neurologisch abgeklärt werden", betonten Eduard Auff, Präsident der Österreichischen Parkinsongesellschaft (ÖPG) und Reinhold Schmidt, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) in einer Aussendung.

Wie zahlreiche andere Organisationen weltweit erinnern die beiden Fachgesellschaften an diesem Tag an den Geburtstag von Sir James Parkinson, der 1817 erstmals die Symptome der später nach ihm benannten Erkrankung beschrieb. Morbus Parkinson betrifft rund zwei Prozent der Menschen über 65 Jahre. In Österreich sind derzeit geschätzte 16.000 Menschen erkrankt, zwei Drittel davon Männer. Experten gehen davon aus, dass sich bis 2030 die Zahl der Erkrankten aufgrund der steigenden Lebenserwartung zumindest verdoppeln wird. Bei der Parkinson-Erkrankung gehen insbesondere Nervenzellen im Gehirn zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren, der unter anderem die Bewegungskontrolle steuert.

Alarmsignale

Zu den Alarmsignalen, die auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung hinweisen können, und die unbedingt untersucht werden sollten, gehören Zittern in den Gliedmaßen nur einer Körperseite, zum Beispiel Zittern einer Hand in Ruhe. Eine Störung der Feinmotorik mit einer Verlangsamung der Bewegungen, fehlendes Mitschwingen eines Arms oder Schleifen eines Fußes beim Gehen, eine deutliche Verkleinerung der Schrift oder unklare Gelenkschmerzen durch erhöhte Muskelspannung können ebenfalls Auftreten.
Allerdings ist zu dem Zeitpunkt, zu dem derartige Symptome auftreten, bereits ein nicht unerheblicher Anteil jener Nervenzellen im Gehirn zerstört, die für die Dopaminproduktion sorgen. "Wenn sich bei Parkinsonpatienten die typischen ersten motorischen Krankheitszeichen zeigen, kann man davon ausgehen, dass die zugrunde liegenden pathologischen Prozesse bereits Jahre zuvor unbemerkt eingesetzt und Schaden angerichtet haben", wurde der Wiener Experte Auff zitiert. "In Zukunft müssen wir daher die Frühdiagnostik noch früher ansetzen und dafür neue Wege gehen."

Behandlungsstrategien

Mögliche Ansätze für innovative Behandlungsstrategien, die ein Ausbreiten der Erkrankung verhindern könnten, liefern die immer zahlreicheren Erkenntnisse über das Entstehen von Morbus Parkinson. Als einer der entscheidenden Faktoren im Krankheitsgeschehen konnte eine Verklumpung des Eiweißes alpha-Synuclein im Gehirn identifiziert werden, wobei offenbar das Schädigungsmuster von Zelle zu Zelle weitergegeben wird. Eine Kettenreaktion, die durch künftige Therapien gestoppt oder zumindest verzögert werden sollte. Auch gibt es zunehmend mehr Hinweise darauf, dass die pathologischen Veränderungen nicht nur im Gehirn vorhanden sind, sondern auch in anderen Nervenzellen, zum Beispiel im Darm, und möglicherweise von dort in das Gehirn "wandern". Auch in den Nerven der Haut oder der Speicheldrüsen lassen sich die charakteristischen Protein-Schädigungen zeigen.

  • Datum 08.04.2016
  • Autor APAMED vom 08.04.2016 Rubrik: Medical Week

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