Pflanzliche Wirkstoffe gegen Harnwegsinfekte

Experten fordern weltweit den sparsamen Gebrauch von Antibiotika ein, um die Resistenzgefahr einzudämmen. Eine Alternative kann insbesondere bei Harnwegsinfekten die Anwendung pflanzlicher Wirkstoffe sein.

Seit Jahren hält die WHO das Schreckensszenario einer "Rückkehr in Vor-Antibiotika-Zeiten" für realistisch. Laut US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurde bei einer 49-jährigen Amerikanerin mit einem Harnwegsinfekt ein E-Coli-Bakterium gefunden, gegen das kein Antibiotikum geholfen hat. Das Bakterium enthält ein Gen, das es immun gegen die Behandlung mit Antibiotika für multiresistente Keime werden lässt.
 

Restriktiver Antibiotikaeinsatz gefordert

Angesichts der Resistenzentwicklung, die zunehmend gefährliche Ausmaße annimmt, mahnen Experten aus aller Welt einen restriktiveren Umgang mit Antibiotika bei Mensch und Tier ein. Gerade Harnwegsinfekte sind ein typisches Beispiel dafür, wie unreflektiert und ungezielt Antibiotika häufig verordnet werden. "Sie werden bereits bei unkomplizierten Verläufen in mehr als 40 Prozent der Fälle eingesetzt", berichtet Dr. Irene Thiel, Fachärztin für Gynäkologie. "Vorteilen wie rascher Symptomlinderung, schneller Verordnung sowie minimalem Aufwand für Arzt und Patientin steht eine Reihe potenzieller Nachteile gegenüber. Diese reichen von Nebenwirkungen, mangelnder Compliance und vorzeitigem Therapieabsetzen über die Resistenzentwicklung bis zu häufigem Auftreten wiederkehrender Infekte und damit verbundenen hohen Kosten", so die Expertin.
 

Alternativen aus dem Pflanzenreich

Wenn therapeutisch sinnvoll, sollten wirksame, aber dennoch sanfte und ungefährliche Alternativen zur Anwendung kommen. Insbesondere bei unkomplizierten Harnwegsinfekten (HWI) können oft auch pflanzliche Optionen in Betracht gezogen werden. Dies ist insofern besonders relevant, da jede zweite Frau in Österreich einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt erkrankt und jede vierte bis fünfte Frau immer wieder unter Rezidiven leidet. Bewährte Pflanzen für Harnwegsinfekte kommen beispielsweise in speziellen Nieren/Blasen-Tees zum Einsatz, z.B. Birke, Brennnessel, Schachtelhalm, Goldrute, Bärentraube, Hauhechel, Quecke, Mädesüß, Hagebutte, Süßholz oder Wacholder. Andere Pflanzen stehen in geprüfter, standardisierter Qualität als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung. Hier sind insbesondere Cranberry, Meerrettich und Brunnenkresse zu nennen.
 

 

Cranberry – rote Frucht mit Power

Die dunkelrote Beerenfrucht Cranberry wird bereits seit mehreren Jahrhunderten zur Prävention und Behandlung von urogenitalen Infekten eingesetzt. Sie enthält eine komplexe Mischung aus anorganischen Säuren, Vitamin C, Flavonoiden, Proanthocyanidinen, Gerbstoffen und Triterpenoiden. Insbesondere die Proanthocyanidine verfügen über die Eigenschaft, die Adhäsion pathogener Bakterien wie E. Coli an der Schleimhaut von Blase und Harntrakt zu verhindern (Hartwich 2012; Gupta et al., 2012; Chen et al., 2013). Somit verlieren die Schädlinge den Halt, rutschen ab und werden mit dem Harn ausgeschwemmt. Studien lassen vermuten, dass besonders Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten profitieren.

 

Kresse und Meerrettich – antibakteriell wirksam

Die traditionell in der Volksheilkunde angewendete Pflanzengruppe der Kreuzblütengewächse (dazu gehören Kressearten und Kren) schützt sich mit sogenannten Senfölglycosiden gegen Schädlinge. Die Senfölglycoside sind schwefelhaltige Moleküle mit breiter antibakterieller Wirkung, auch gegen Erreger von Harnwegsinfektionen.


 
 

  • Datum 22.06.2016
  • Autor Hennrich.PR

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