Schuppenflechte-Betroffene leiden

„Ich habe mich lange nicht getraut, anderen Menschen näher zu kommen, weil ich große Angst hatte, dass sie meine Haut abstoßend finden,“ gesteht Sarah S. Ausgrenzung ist für Menschen mit Schuppenflechte eine enorme Belastung, die seelische Spuren hinterlässt.

„Das Gefühl, nur auf meine Krankheit reduziert zu werden, bei anderen Ekel hervorzurufen und aus-gegrenzt zu werden, das ist einfach unglaublich verletzend. Vor allem, wenn man sich selbst in seiner Haut nicht wohl fühlt. Darunter habe ich lange Zeit sehr gelitten“, erzählt die 18-jährige Sarah. Weltweit sind 125 Millionen Menschen davon betroffen.

Schuppende und zum Teil stark schmerzende, juckende und gerötete Hautstellen am ganzen Körper, vor allem an Gliedmaßen, im Intimbereich oder am Kopf belasten die Patienten. Besonders Betroffene mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis sind in ihrem Alltag häufig stark eingeschränkt. „Seit meiner Jugend habe ich die Schuppenflechte, doch mir hat jahrelang nichts geholfen, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Ich habe mich für meine Erkrankung geschämt und mich vor den betroffenen Hautstellen geekelt. Deshalb hatte ich unter anderem viele Jahre keinen Lebenspartner“, berichtet die 40-jährige Katrin H. Vor allem der Mythos, Schuppenflechte sei eine ansteckende Krankheit, ist nach ihrer Erfahrung immer noch weit verbreitet.

WHO und Welt-Psoriasistag rufen zu mehr Akzeptanz auf

Bereits in 2014 wurde Psoriasis von der Weltgesundheitsorganisation WHO in die Liste der fünf besonders versorgungsrelevanten, nicht-ansteckenden Krankheiten aufgenommen. Im Frühjahr 2016 machte die WHO mit ihrem „Globalen Bericht zur Psoriasis“ deutlich, dass aktive Maßnahmen für mehr Verständnis und Anerkennung der an Schuppenflechte erkrankten Menschen notwendig sind, damit diese wieder ein nahezu normales Leben führen können.

„Viele Psoriatiker haben kein besonders großes Selbstbewusstsein, sie sind eingeschüchtert aufgrund ihrer Krankheit“, berichtet Sarah aus eigener Erfahrung. „Das Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, ist ein langer Prozess, den ich gerade selbst durchmache. Früher habe ich meine Psoriasis gar nicht akzeptiert. Ich wollte sie immer weg haben. Aber leider können wir Psoriasis-Betroffenen sie nicht einfach wegzaubern“.
Wie stark die Krankheit Betroffene auch psychisch belastet, weiß Prof. Dr. med. Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Eine chronische Erkrankung wie Psoriasis kann den Lebensalltag und die Lebensqualität eines Patienten enorm einschränken. Dabei spielt auch das sozi-ale Umfeld eine große Rolle: Wie gehen die Familie, der Partner oder Freunde mit der Erkrankung um?

 

Moderne Therapien können helfen

Dass man heute als Psoriasis-Patient selbst in schweren Fällen dank moderner, nebenwirkungsarmer Therapien innerhalb weniger Wochen eine sichtbare Besserung der Symptome erwarten kann, sei ein enormer Fortschritt, betont Ottfrid Hillmann vom Deutschen Psoriasis Bund e.V. (DPB) „Den Patienten wird dadurch viel mehr Lebensqualität geschenkt“, so der Vorsitzende der Selbsthilfe. Moderne, innerlich wirkende Therapien greifen in fehlerhafte Abwehr-Reaktionen des Körpers ein und sind dadurch besonders wirksam: Sie hemmen gezielt Botenstoffe oder Enzyme, die Entzündungen auslösen oder unterbrechen. „Betroffene sollten offen mit dem Hautarzt über eine Therapieumstellung sprechen, wenn nach 12 Wochen der Behandlung noch keine sichtbare Besserung eintritt“, empfiehlt Prof. Augustin.

  • Datum 10.10.2016
  • Autor Ralf B. Blumenthal | Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit –

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Winterpollen im Anflug

Augenjucken und eine tropfende Nase – in den meisten Fällen werden solche Symptome als Erkältung abgetan, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Denn was die wenigsten wissen: Auch im Winter können Pollen für Allergiebeschwerden sorgen und für Betroffene unangenehm sein.

hier weiterlesen


Mutterkraut ist Arzneipflanze 2017

Die Wissenschaft gewinnt ständig neue Erkenntnisse über Wirkstoffe und positive Effekte traditioneller Heilpflanzen. Zur Arzneipflanze 2017 wurde Mutterkraut gekürt. Diese traditionelle Heilpflanze zeichnet sich durch gute Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit in der vorbeugenden Behandlung von Migräne aus.

hier weiterlesen


Schwere Arbeit mindert möglicherweise die Fruchtbarkeit

Schwere körperliche Arbeit und nächtliche Schichtarbeit beeinträchtigen die Eizellenqualität und -zahl von Frauen und damit womöglich ihre Fruchtbarkeit. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt bei übergewichtigen und älteren Frauen, berichten US-Forscher.

hier weiterlesen


Entwarnung: Influenza-Welle im Abebben

Die Influenza-Welle ist deutlich im Abebben. Vergangene Woche wurden in Wien nur noch rund 8.400 Neuerkrankungen an Virus-Grippe und grippalen Infekten registriert. In der Woche davor waren es noch rund 12.600 Fälle gewesen.

hier weiterlesen


Lebenslanges Impfen: Eine notwendige Präventionsmaßnahme

Wer glaubt, dass das Thema Impfen mit Ende der Pflichtschulzeit erledigt ist, der irrt. Die aktuelle Datenlage zeigt klar, dass wir auch als Erwachsene und ganz besonders im fortgeschrittenen Alter regelmäßige Auffrischungen benötigen.

hier weiterlesen


Österreich isst und kauft zu süß

Überhöhter Zuckerkonsum führt zu Übergewicht, Diabetes und Fettleber. Der aktuelle Diskurs über die Reduktion von Zucker in Lebensmitteln und Getränken wird von der ÖDG sehr positiv gesehen, denn es gibt viel zu viele und bereits sehr junge Menschen, die gefährdet sind – besonders Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status. Leistbare, zuckerreduzierte Lebensmittel müssen für die gesamte Bevölkerung leicht zugänglich sein. Aufklärung und die Unterstützung gesünderer Alternativen sind ein Auftrag für die gesamte Gesellschaft.

hier weiterlesen