Reflux: 1 Mio. Österreicher betroffen

Am 12. Juni trafen sich über 100 Spezialisten an der MedUniWien zu einem Symposium über die Reflux Krankheit. Zu den Reflux-bedingten Beschwerden zählen Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Magenschmerzen, Heiserkeit und asthmaartiger Husten in unterschiedlichen Körperregionen. Bereits 1 Mio. Österreicher sind betroffen.

Verbesserte Diagnosetechnik

Dr. Cosentini Kulina, Radiologin am AKH/MedUniWien, berichtet über Erfahrungen mit dem sogenannten Schluck-MRT. Diese nicht invasive Magnetresonanz-Untersuchung erlaubt erstmal die dynamische Darstellung der Speiseröhren- Anatomie und angrenzender Strukturen wie Zwerchfell, Herz, Lunge und Gefäße. Die Bilder erstellen eine Art genauer Landkarte und helfen dem Chirurgen, einen Eingriff besser zu planen. Diese besonders präzise Untersuchung, die übrigens keine Strahlenbelastung mit sich bringt, wird derzeit nur am AKH-Wien angeboten.
 

Neue, schonende Behandlungsformen

Neben der klassischen Anti-Reflux-Operation (Fundoplikatio) wurden erste Ergebnisse neuer Eingriffstechniken vorgestellt: Beim LINX Magnetring, der vor allem im Frühstadium zur Anwendung kommt, liegt die Patientenzufriedenheit mit 90% gleich gut wie nach der klassischen Anti-Reflux-Operation.  Zunehmend zu Anwendung gelangt auch die endoskopische Fundoplikatio, bei der das Anti Reflux-Ventil ohne äußere Schnitte und Narben im Rahmen einer Gastroskopie repariert wird.
Vorgestellt und diskutiert wurde auch die neueste Methode, der Endostim-Schrittmacher. Dieser wird im Rahmen einer „Schlüsselloch-OP“ in den Ausgang der Speiseröhre eingebracht. Seine elektrischen Impulse stärken das Anti Reflux-Ventil, wodurch Symptome wie Sodbrennen, Halskratzen oder Heiserkeit abnehmen. "Die ersten Ergebnisse mit LINX, Endostim und endoskopischer Fundoplikatio sind vielversprechend, so Prof. Schoppmann, "derzeit sollten diese Eingriffe aber nur im Rahmen wissenschaftlicher Studien an dafür spezialisierten akademischen Einrichtungen durchgeführt werden"
 

Entscheidend ist richtige, umfassende Diagnose

Reflux ist kein Wehwehchen, das ohne genaueres Hinsehen mit Arzneimitteln oder Kräutern erfolgreich zu beherrschen ist. Wichtig, so die Experten, ist die richtige Diagnose mit ausführlichem Arztgespräch, Gastroskopie sowie Druck-, Transport- und Reflux Messung. "Das Wissen, ob jemand wirklich eine OP braucht, reicht nicht aus. Essentiell ist es, die individuell richtige und optimale Eingriffstechnik für den jeweiligen Patienten zu bestimmen“, hält Reflux-Experte Prof. Martin Riegler fest.
Auch der Patient wird nicht aus der Eigenverantwortung entlassen: Egal, ob medikamentöse oder chirurgische Therapie, gesunde, zuckerarme Ernährung und ausreichende Bewegung sind essentiell für ein nachhaltiges Behandlungsergebnis.
 

  • Datum 15.06.2015
  • Autor ConsuMED

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