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Chronische Unterbauchbeschwerden ohne fassbare Ursachen

„Verdauungsstörungen“ mit Blähungen, Übelkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten und Unterbauchschmerzen sind meist – aber nicht immer – funktionell bedingt und daher als harmlos zu betrachten. In solchen Fällen spricht man vom „überreizten“ Magen, oder Darm und bringt damit zum Ausdruck, dass eine „nervöse“ und nicht organische bedingte Störung vorliegt. Mediziner sprechen dann beim Darm von einem Reizdarmgeschehen (Colon irritabile, Irritable bowel syndrom) bei dem krankhafte biochemische oder organischen Störungen fehlen. Es gibt aber auch Patienten mit stark eingeschränkter Lebensqualität und hohem Leidensdruck, denen auf herkömmlichen Weg medizinisch nicht geholfen werden kann.

Der Reizdarm

Die Schmerzen und das Unwohlsein treten mit einer bestimmten Häufigkeit auf, nämlich über mindestens 3 Tage in den letzten 4 Wochen und über 3 Monate. Typisch ist, dass die Bauchbeschwerden nach dem Stuhlgang abnehmen und der Beginn der Schmerzen mit einer Veränderung von Stuhlfrequenz und -konsistenz zeitlich zusammen fallen.

Für ein Reizdarmsyndrom sprechen außerdem:

  • Abnorme Veränderung der Stuhlfrequenz, d.h. weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche oder mehr als 3 Stuhlgänge pro Tag
  • Abnorme Veränderung der Stuhlkonsistenz (hart/klumpig oder breiig/wässrig)
  • Mühsame Stuhlentleerung mit starkem Pressen
  • Gesteigerter Stuhldrang
  • Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung
  • Blähungen oder Gefühl der abdominellen Spannung.

Bei Vorliegen von Warnzeichen ist eine ärztliche Untersuchung dringend erforderlich. Dazu gehören:

  • Nächtliche Beschwerden im Verdauungstrakt
  • Blut im Stuhl
  • Darmkrebs bei nahen Verwandten
  • Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust
  • Beschwerdebeginn im Alter von > 50 Jahren


Die Reizdarm-Behandlung

Wegen des unterschiedlichen Erscheinungsbildes des Reizdarmsyndroms (RDS) gibt es keine einheitliche Standardtherapie. Deswegen hat jede Medikation zunächst Probecharakter. Spricht man nicht an, dann sollte die Behandlung spätestens nach 3 Monaten abgebrochen werden! Dabei richtet sich die medikamentöse Therapie gegen das im Vordergrund stehende Symptom:

  • RDS mit Obstipation
  • RDS mit Durchfall
  • RDS mit einer Mischung aus beiden
  • RDS mit schmerzhaften, krampfartigen Beschwerden und Blähungen


Verstopfung

Ratsam sind primär ballaststoffreiche, diätetische Maßnahmen. Dabei soll man mit geringen Ballaststoffmengen starten und langsam steigern, weil bei unkontrollierter Einnahme mehr als 50 % der Patienten mit einer Verschlechterung der Reizdarm - Beschwerden reagieren! Falls die bisher geschildertem Maßnahmen nicht ausreichen:

  • Empfiehlt sich Weizenkleie in einer täglichen Menge von 10  bis 30 g mit reichlich Wasser.
  • Als nächste Stufe kommen Quellstoffe wie geschroteter Leinsamen oder Flohsamenschalen in Betracht
  • Sollten die vorherigen Maßnahmen erfolglos bleiben, stehen Medikamente zur Verfügung. Sie beruhen auf wasserbindenden Substanzen wie „Laktulose“ oder die besser verträglichen „Macrogole“. Näheres erfahren Sie in der Apotheke.

Durchfall

Der Durchfall lässt sich mit dem rezeptfrei erhältlichen „Loperamid“ beenden. Bei phasenhaftem Abwechseln von Durchfall und Verstopfung entwickeln indischer Flohsamen oder Macrogol einen doppelt nützlichen Wirkmechanismus. Beim Durchfall sorgt ihr Aufbau für Adsorption von Wasser, bei der Verstopfung löst das zunehmende Volumen Reflexe aus, die zum Stuhlgang führen. Die Flohsamenschalen sorgen also nicht nur für ausreichende Stuhlkonsistenz und nicht zu hohe Stuhlgangfrequenz, sondern reduzierten auch die begleitenden Schmerzen samt Blähungen!

Blähungen, Bauchmerzen und -krämpfe

Standardmäßig kommen bei Blähungen Entschäumer auf der Basis von Simethicon zum Einsatz. Sie verwandeln viele kleine Gasblasen in einige wenige große, die dann leichter den Darm verlassen können. Dazu ist eine Einnahme zu oder nach den Mahlzeiten vorgesehen.

Ätherische Öle in Anis, Fenchel, Kümmel, Pfefferminzblatt als Tee oder in Fertigpräparaten auf Pfefferminzölbasis, wirken krampflösend und schmerzlindernd und haben eine große Anwendungssicherheit.

Mit „Hyoscin-N-butylbromid“ steht ein rezeptfreies Mittel in Form von 10 mg Dragees und Zäpfchen zur Verfügung, das bei Krämpfen und Bewegungsstörungen zugelassen ist und sehr gute Wirkungen aufweist. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker

Lebensstil

Das Reizdarmsyndrom beruht auf einer genetischen Disposition und wird durch so genannte Triggerfaktoren ausgelöst. Dazu zählen vermutlich bestimmte Nahrungs- bzw. Genussmittel, Stress, einschneidende Lebensänderungen, aber auch ein überstandene schwerer Durchfall. Es gibt derzeit keine einheitliche Ernährungsempfehlung, sondern nur allgemeine:

  • Umstellung von Hauptmahlzeiten auf kalorienarme, häufigere Einzelmahlzeiten
  • Verzicht auf blähende Speisen
  • Bewusste Kau- und Schlucktechnik, um die aufgenommene Luftmenge zu begrenzen
  • Schlecht verdauliche Zucker wie Xylit, Sorbit und Fruktose meiden. Manchmal wird Stärke in Form von Erdäpfeln und Kukuruz nicht ausreichend abgebaut und kann zu Beschwerden im Enddarm führen.
     

  • Datum 30.04.2014
  • Autor Mag.pharm. Dr. Alfred Klement

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