Schlafmangel macht uns krank

Vom Schlaf bekommen die meisten Menschen wenig mit - wenn nicht der Wecker klingelt oder Träume sie unsanft herausreißen. Schlaf scheint der vernachlässigte Teil des Lebens. Neurologen und Schlafforscher untersuchen die Folgen von Schlafmangel.

Kleine Kinder müssen ins Bett, denn sie brauchen ihren Schlaf. Für Erwachsene scheint das nicht zu gelten. Schlaf sei jedoch wichtig für die Gesundheit, sagt der Schlafexperte Alfred Wiater.

Schlafstörungen können erhebliche gesundheitliche Konsequenzen mit Folgen für das psychosoziale Leistungsvermögen mit sich bringen. Derzeit sind mehr als 50 Schlafstörungen definiert. Ein- und Durchschlafstörungen im engeren Sinne - sogenannte Insomnien - betreffen sechs Prozent der Bevölkerung und sind damit am meisten verbreitet. An schlafbezogenen Atmungsstörungen leiden zwischen drei und sieben Prozent der Bevölkerung. Sie haben erhebliche negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, die Lebenserwartung und das Leistungsvermögen am Tag. Diese Menschen haben wegen erhöhter Tagesschläfrigkeit ein besonders hohes Unfallrisiko im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz.    

Besteht ein Schlafmangel, so sind eine erhöhte Risikobereitschaft mit realitätsfernem Optimismus zu befürchten. Dadurch werden negative Konsequenzen des eigenen Handelns möglicherweise nicht hinreichend wahrgenommen. Die Leistung eines Menschen, der 24 Stunden wach ist, ähnelt der von jemandem mit einem Blutalkoholwert von rund einem Promille.

Wie Schlafentzug dem Gehirn schadet

Besonders berücksichtigen sollte man die Folgen von Schlafstörungen bei Kindern. Sie bestehen in zwei Drittel der Fälle über Jahre fort und betreffen eine prägende Entwicklungsphase. Unabhängig von körperlichen Folgen wie Übergewicht wird die Gedächtnisbildung für Lerninhalte beeinträchtigt, mit dem Risiko dauerhafter negativer Konsequenzen.    

Durch die Globalisierung unserer Lebens- und Arbeitsaktivitäten ist eine weitere Zunahme von Schlafstörungen zu befürchten, da Prozesse wie unser Schlaf-Wach-Rhythmus immer wieder durchbrochen werden. Der permanente Kampf gegen unsere innere Uhr macht uns krank. Eine 2013 veröffentlichte Erhebung zeigt erstmals differenzierte und repräsentative Daten zu Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen bei deutschen Erwachsenen. Der Wert der Schlafmedizin für das Gesundheitswesen wird erst allmählich wahrgenommen.

  • Datum 16.09.2014
  • Autor APA