Studie: Jung und schlank gleich attraktiv?

Eine internationale Studie unter maßgeblicher Beteiligung der Med Uni Graz liefert einen Erklärungsansatz, warum das „Hollywood-Ideal“ den in der Gesellschaft idealen Figurtyp für Frauen diktiert und damit maximale Attraktivität versinnbildlicht.

Fitness-Modell: Zusammenhang zwischen Fettanteil und Fruchtbarkeit


Ob nun die Maße 90-60-90 dem Ideal entsprechen, oder gar die Figur der ewig jungen Barbie dem Ideal entspricht untersuchten WissenschafterInnen aus zehn Ländern in einem internationalen Forschungsprojekt unter Beteiligung der Medizinischen Universität Graz. Das Projekte setzte sich zum Ziel herauszufinden, welcher Anteil an Körperfett Frauen in unterschiedlichen Kulturen am attraktivsten macht. „Körperfett ist ein wesentlicher Aspekt zur Beurteilung, was wir als schön empfinden und was nicht“, sagt Assoz.-Prof.in PDin Mag.a Dr.in Sandra Wallner-Liebmann, Institut für Pathophysiologie der Med Uni Graz, welche für die österreichische Teilnahme an der Studie verantwortlich zeichnete. „Wir waren daran interessiert herauszufinden, ob das maximale Maß an körperlicher Attraktivität mit jenem Körperfettanteil korrespondiert, der unsere evolutionär abgeleitete Fitness maximiert – Überleben und Fruchtbarkeit“, so Sandra Wallner-Liebmann weiter.

Die WissenschafterInnen haben ein mathematisches Modell (Fitness-Modell) entwickelt, um die Hypothese zu testen, dass es einen optimalen femininen Körperfettanteil als Zeichen evolutionärer Fitness gibt. „Dieses Modell verbindet den Zusammenhang von Körperfett und Fruchtbarkeit und sagt voraus, dass die physisch attraktivsten Frauen demnach einen Body Mass Index zwischen 24 und 24.8 haben sollten“, erklärt die Grazer Wissenschafterin.
 

Internationale Studie: 1.300 verschiedene Schönheitsideale?


Die WissenschafterInnen haben insgesamt 1.300 Personen Bilder von Frauen unterschiedlicher Fettmasse vorgelegt. Die BewerterInnen waren Frauen und Männer aus drei kaukasischen Populationen (UK, Österreich und Litauen), drei asiatischen (China, Iran und Mauritius) und vier afrikanischen Ländern (Kenia, Nigeria, Marokko und Senegal). In allen Bevölkerungen bewerteten Frauen und Männer die physische Attraktivität der vorgelegten Bilder sehr ähnlich, doch stimmte das Ergebnis nicht mit der im Modell errechneten Prognose überein. „Tatsächlich zeigte sich in der Abfolge der Bilder – BMI 19 bis BMI 34 – ein linear negativer Zusammenhang zwischen Attraktivität und Fettanteil. Je dünner die dargestellte Person war, desto attraktiver wurde sie bewertet, was auf alle Populationen gleichermaßen zutraf“, berichtet Sandra Wallner-Liebmann.
 

Hollywood-Ideal versus Fitness-Modell


Eine Erklärung für das Scheitern des mathematischen Fitness-Modells sehen die WissenschafterInnen im Einfluss des sogenannten „Hollywood-Ideals“ auf unsere Gesellschaft. „Das medial propagierte Schlanksein beeinflusst das Rating über alle Populationen gleichermaßen“, so die Expertin. Hier gibt es aber eine sogenannte Henne-Ei-Problematik. Entstand dieses Ideal aus der Tatsache, dass Personen Schlanksein attraktiv empfinden, oder ist das beobachtete Rating auf das Ideal zurückzuführen? „Wir fanden heraus, dass es eine Erklärung für die beobachtete Diskrepanz gibt. Den BetrachterInnen wurden keine Informationen zum tatsächlichen Alter der abgebildeten Frauen gegeben, es wurde Gleichaltrigkeit vorausgesetzt. Als wir die BetrachterInnen schließlich auch nach einer Einschätzung zum Alter der abgebildeten Frauen befragten, fanden wir einen starken Zusammenhang zwischen geschätztem Alter und BMI. Das ist ein wichtiges Ergebnis, da das Alter auch ein starker Prädiktor für Überleben und Fruchtbarkeit ist“, fasst Sandra Wallner-Liebmann zusammen.

Mit der Faktorisierung dieses Zusammenhangs in das mathematische Modell verschob sich die optimale Fettmasse auf einen BMI von 17 bis 20, was exakt der Einschätzung maximaler Attraktivität der Befragten entspricht. Im Durchschnitt bewerteten die Befragten den Fettanteil einer Frau als am attraktivsten, der dem BMI einer durchschnittlichen jungen Frau mit maximaler zukünftiger Reproduktivität und Überleben entspricht. Das erklärt auch, warum der durchschnittliche BMI von jungen Frauen in den Medien im Bereich von 17 bis 20 liegt und warum alle Bemühungen „Plus Size Models“ zu etablieren bis auf wenige Ausnahmen fehlgeschlagen sind. „Unsere Gesellschaft sieht sich mit einer steigenden Inzidenz unterschiedlichster Formen von Essstörungen konfrontiert, deren Ursachen vielschichtig sind. Die vorliegenden Studienergebnisse bringen entscheidende Erkenntnis zur konsequenten Weiterentwicklung von Erklärungsmodellen für deren Entstehung sowie zur Entwicklung möglicher Therapieansätze“, blickt Sandra Wallner-Liebmann in die Zukunft.

 

  • Datum 01.09.2015
  • Autor Medizinische Universität Graz

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