Schwangerschafts- "Wehwehchen"

Kim Kardashian West hatte sie. Herzogin Katherine ebenfalls: extreme Übelkeit. In der Schwangerschaft sind Erbrechen sowie Magen-Darmbeschwerden nichts Ungewöhnliches. Doch wie geht man am besten damit um?

Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung

Rund 30 bis 50 % aller Schwangeren leiden an Sodbrennen (Reflux), meist am Beginn des 2. Trimenon.
Die Speiseröhre wird durch einen Schließmuskel vor dem Aufsteigen von saurem Magensaft geschützt. Oft verringern hormonelle Einflüsse im 2. und 3. Drittel der Schwangerschaft die Muskelspannung im Schließmuskel und ermöglichen dadurch einen phasenweisen Übertritt von Magensäure in die Speiseröhre. Das brennt natürlich entsprechend. In der Folge lassen die Beschwerden nach und sind spätestens 4 Wochen nach der Entbindung verschwunden.

Die einfachste Gegenmaßnahme ist die Einnahme neutralisierender Arzneimittel (Antacida), die die Säure puffern. Da sie im Verdauungstrakt verbleiben, gelten sie als harmlos. Sie wirken innerhalb von 10 min. schmerzstillend, aber die Wirkung klingt nach 2 Stunden weitgehend ab. Man setzt sie daher anlassbezogen ein, also nur wenn es unter dem Brustbein brennt. Daneben gibt es auch potentere Wirkstoffe, die in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum die Säurebildung zu blockieren. Für die Gruppe der H2-Antagonisten (z.B. Ranitidin) spricht die jahrzehntelange positive Erfahrung. Omeprazol – ein besonders potenter Säurehemmer – blockiert die Magensäureproduktion 15 bis 16 Stunden lang und ist ausdrücklich in der Schwangerschaft anwendbar. Über den Einsatz dieser rezeptpflichtigen  Arzneimittel entscheidet der Arzt. Eines sei festgehalten: An der Ursache des Reflux, nämlich der Schlaffheit des Schließmuskels, ändert keines der angeführten Mittel etwas.


Übelkeit und Erbrechen


Mehr als die Hälfte der schwangeren Frauen leidet in den ersten Wochen der Schwangerschaft an Übelkeit. Übelkeit und Erbrechen treten in der Frühschwangerschaft oft auf. Es dominiert die Übelkeit mit 85 % vor dem Erbrechen mit 25 %. Der Gipfelpunkt liegt in der 9. Schwangerschaftswoche.
Danach klingen die Symptome langsam ab. In rund 90 % der Fälle genügt eine Änderung des Ernährungsverhaltens.

Tipps vom Apotheker dazu:
 

● Übelkeit erzeugende Gerüche und Nahrungsmittel aus der Küche verbannen; Vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen, z.B. Zwieback mit Tee oder Wasser;
● Die beiden Hauptmahlzeiten durch kleinere Zwischenmahlzeiten ersetzen;
● Kalte Speisen werden besser vertragen, als warme;
● Manchmal hilft auch die Verwendung eines Kaugummis.


Reichen diese Maßnahmen nicht aus – was bei rund 10 % der Frauen der Fall ist – können entsprechende Arzneimittel Abhilfe schaffen, die nach dem Nutzen- /Schaden-Risiko zu wählen sind. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker!


Hämorrhoiden und ...

Der Zeitpunkt des Auftretens von Hämorrhoiden bzw. Verstopfung liegt im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel. Rund 85% der Schwangeren haben diesbezügliche Beschwerden. Die Hämorrhoidenbildung wird durch mangelnde Mobilität, Verstopfung und Druckerhöhung auf die rektalen Venen durch das wachsende Kind verursacht. Mit einer faserreichen Kost steigt das Stuhlgewicht und die Konsistenz nimmt ab. Täglich sollen 15 bis 30 g Ballaststoffe eingenommen werden. Wichtig ist es, in den folgenden 3 Stunden nach der Einnahme 3 volle Wassergläser zu trinken. Die pflanzlichen Faserstoffe nehmen beim Quellen nämlich Wasser auf. Unter Wassermangel können sie ihre stuhlgangfördernde Wirkung nicht entwickeln!

Bei Hämorrhoiden werden gerne lokal anzuwendende Salben eingesetzt. Die Tuben haben einen speziellen Aufsatz, damit die entzündungshemmenden Wirkstoffe auch innere Hämorrhoiden erreichen. Wenn man den Aufsatz einfettet, lässt er sich schmerzlos einführen. Kortisonhaltige Salben dürfen nur 1 bis 2 Wochen angewendet werden, weil die Analschleimhaut sonst Schaden nimmt. Sie müssen außerdem vom Arzt verordnet werden.


... Verstopfung

Bei Verstopfung, ebenfalls ein häufiger Begleiter während der Schwangerschaft, dürfen die drastisch wirkenden Abführmittel auf der Basis vom Typ der Sennesblätter und des Bisacodyl nicht verwendet werden. Besser geeignet sind Füll – und Quellstoffe wie Flohsamen, außerdem osmotisch wirkende Abführmittel wie Laktulose und Macrogole, sowie Miniklistiere auf der Basis von Salzlösungen. Sie entfalten ihre Wirkungen nur im Darm, werden nicht in den Organismus aufgenommen und stellen
daher für den Verlauf der Schwangerschaft kein Risiko dar.

 

 

 

  • Datum 25.04.2014
  • Autor Dr. Mag. pharm. Alfred Klement

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Wenn Schwangere Schmerzen haben, ist die Wahl eines passenden Medikaments nicht immer ganz einfach. Nicht selten drängt sich einem beim Studium der Beipackzettel nämlich der Verdacht auf, dass man in der Schwangerschaft eigentlich gar keine Medikamente einnehmen darf. Kompetente Beratung in der Apotheke schafft hier Abhilfe.

hier weiterlesen


"Superfood" Muttermilch

Mit mehr als 200 verschiedenen Zucker-Molekülen besitzen Menschen die komplexeste Muttermilch aller Säugetiere. Gerade diese Komplexität erschwert es Wissenschaftern, die vielen verschiedenen Effekte der Muttermilch für Mutter und Kind zu enträtseln. Fest steht: Ihre Aufgabe geht weit über die Ernährung des Säuglings hinaus.

hier weiterlesen


Spermien: Mit Superschub zur Eizelle

Kurz vor dem Ziel müssen Spermien die Schutzhülle der Eizelle durchbrechen. Kalifornische Forscher fanden heraus, was ihnen den nötigen Schub für den finalen Kraftakt gibt – und schlagen eine neue Verhütungsmethode vor.

hier weiterlesen


Schwangerschaft als Stresstest für das Mutterherz

Eine Schwangerschaft bedeutet für das Herz eine zusätzliche Belastung, der es nicht immer gewachsen ist. Die Zahl der Frauen, die während oder nach der Schwangerschaft eine Herzschwäche oder Bluthochdruck entwickeln, ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

hier weiterlesen


Entnommener Eierstock verhalf Frau zu Baby

In Belgien ist weltweit zum ersten Mal eine Frau Mutter geworden, deren Fruchtbarkeit mit vor der Pubertät entnommenem Eierstockgewebe wiederhergestellt wurde. Die 27-Jährige habe bereits im November 2014 einen gesunden Burschen zur Welt gebracht, berichten ihre Brüsseler Ärzte.

hier weiterlesen


Schwangerschafts- "Wehwehchen"

Kim Kardashian West hatte sie. Herzogin Katherine ebenfalls: extreme Übelkeit. In der Schwangerschaft sind Erbrechen sowie Magen-Darmbeschwerden nichts Ungewöhnliches. Doch wie geht man am besten damit um?

hier weiterlesen