Machen "Smart Drugs" klüger?

Neuro-Enhancement, also die Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit etwa durch Medikamente, ist vor allem im angloamerikanischen Raum ein viel beachtetes Thema.

Neben der Frage, ob sich mit Substanzen wie Ritalin, Amphetamin (Speed) oder neurotechnologischen Verfahren, die bestimmte Gehirnareale stimulieren, tatsächlich kognitive Leistungen "verbessern" lassen, ist vor allem unklar, wie viele Leute eigentlich zu solchen Methoden greifen. In Großbritannien habe sich in den Medien vor allem das Bild des Studenten eingeprägt, der sich durch solche Helferlein unterstützt, den Lernstoff einverleibt.    

Im Rahmen des von der EU geförderten internationalen Forschungsprojekts "NERRI", haben Dr. Ilina Singh von der Oxford University und ihre Kollegen die ersten Untersuchungen in Großbritannien dazu durchgeführt. Mit dem Ergebnis, dass lediglich zehn Prozent der befragten Studenten angaben, bereits einmal zu solchen Methoden gegriffen zu haben. Einige gaben an, dass sie beispielsweise öfter zu Ritalin greifen würden, wenn es leichter zu bekommen wäre. Das Medikament wird u.a. zur Behandlung von Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) eingesetzt.    

"Manche Studenten verspüren einen gewissen Druck, weil sie glauben, dass andere Neuro-Enhancement betreiben", sagte Singh. Dem entgegen steht der Befund, dass die Mittel die kognitive Leistung nicht erhöhen, sondern eher längeres Lernen ermöglichen, in gewissem Ausmaß die Ablenkbarkeit unterdrücken und die Motivation heben. "Alleine das könnte für Studenten ja schon attraktiv sein", sagte Singh. Studien zu Ritalin zeigen aber, dass manche zwar das Gefühl haben, mehr zu leisten, die Fehlerquote allerdings steigt -  "Smart Drugs machen nicht klüger!"   
 

"Es gibt wenig Diskurs über Neuro-Enhancement in Österreich", wie die Arbeits- und Sozialpsychologin Nicole Kronberger von der Uni Linz erklärte. In Studien habe man aber herausgefunden, dass geistige Leistungssteigerung zwar ein "unbekanntes Thema, aber ein bekannter Wunsch ist". Befragte berichteten über verschiedenste Praktiken und "Mittelchen", allerdings auch über große Skepsis bezüglich des Einsatzes von Medikamenten. Öfters hätten die Forscher die Aussage gehört, dass das hierzulande noch kein Thema sei, es aber in Zukunft aus Großbritannien oder den USA auch auf Österreich überschwappen könnte.

  • Datum 17.02.2016
  • Autor APAMED vom 17.02.2016 Rubrik: Forschung

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