Soziale Faktoren: Einfluss auf Gesundheit?

Wie stark beeinflussen die Lebenslage und der soziale Status den individuellen Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten?

Unabhängig von der Altersstruktur zeigten sich hinsichtlich des Rauchverhaltens bei beiden Geschlechtern deutliche Bildungseffekte. Männer mit Abschluss der Pflichtschule rauchten mehr als doppelt so häufig (38%) wie Männer mit Matura oder Hochschulabschluss (17%). Bei den Frauen waren diese Unterschiede noch deutlicher (38% zu 12%).  Das Vorliegen von Arbeitslosigkeit erhöhte bei beiden Geschlechtern die Häufigkeit des täglichen Rauchens (Arbeitslose: Frauen 46%, Männer: 58%; Erwerbstätige: Frauen 29%, Männer 30%).

Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Auftreten von starkem Übergewicht: Personen mit geringerer Schulbildung hatten häufiger starkes Übergewicht als jene mit höherer Schulbildung (Frauen: 19% zu 7%, Männer: 24% zu 11%). Auch die Arbeitslosigkeit beeinflusste das Auftreten von Adipositas deutlich, bei Frauen ausgeprägter als bei Männern. Lediglich 10% der erwerbstätigen Frauen, jedoch 23% der arbeitslosen Frauen hatten starkes Übergewicht (Männer: 14% zu 21%).
 

Subjektiver Gesundheitszustand und gesunde Lebenserwartung

Generell ist die Einschätzung der eigenen Gesundheit stark von Alter und Geschlecht abhängig: Ältere Personen schätzen ihren Gesundheitszustand häufiger negativ ein als Jüngere, Frauen schlechter als Männer. Aber auch andere soziale Faktoren beeinflussen die eigene Gesundheitswahrnehmung stark, allen voran niedrige Schulbildung und Arbeitslosigkeit. Schließt man den Einfluss des Alters aus, beurteilten formal höher gebildete Personen ihre Gesundheit zu 85% (Frauen) und 87% (Männer) mit sehr gut oder gut. Von den Personen mit maximal einem Pflichtschulabschluss fühlten sich nur 67% der Frauen und 69% der Männer gesundheitlich sehr gut oder gut. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede in der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands zwischen erwerbstätigen und arbeitslosen Personen. Nur 60% der Frauen bzw. 63% der Männer, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren, schätzten ihren Gesundheitszustand positiv ein, im Gegensatz zu 88% der Frauen und 89% der Männer in Erwerbstätigkeit.

Die in den Daten erkennbaren Unterschiede in der Einschätzung der eigenen Gesundheit setzen sich auch in der Lebenserwartung und insbesondere der gesunden Lebenserwartung fort. Frauen und Männer mit höherer Schulbildung leben nicht nur länger als jene mit Pflichtschulabschluss, sondern sie können auch mehr Lebensjahre in guter Gesundheit verbringen. Die Bildungsunterschiede in der Lebenserwartung sind bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Frauen mit Hochschulabschluss leben um 2,7 Jahre länger als Pflichtschulabsolventinnen, bei den Männern beträgt diese Differenz 5,7 Jahre. Noch größer sind die bildungsspezifischen Unterschiede bei der gesunden Lebenserwartung: Hochgebildete Frauen und Männer verbringen um 13,4 Jahre mehr in guter Gesundheit als Pflichtschulabsolventinnen und Pflichtschulabsolventen.

Detaillierte Ergebnisse finden Sie in der Publikation "Soziodemographische und sozioökonomische Determinanten von Gesundheit - Auswertungen der Daten des Austrian Health Interview Survey (ATHIS 2014) zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" auf unserer Webseite.
 

  • Datum 21.09.2016
  • Autor Statistik Austria: Jeannette KLIMONT

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