Spitzwegerich

Die Universität Würzburg hat den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) zur Heilpflanze des Jahres 2014 ernannt. Eine Pflanze, die bereits seit Jahrhunderten in der Kräuterkunde Europas eine bedeutende Rolle spielt und vielseitig eingesetzt wird.

Heilpflanze 2014

Spitzwegerich wächst vor allem auf trockenen kalkarmen Wiesen und ist eine der am häufigsten vorkommenden Heilpflanzen Mitteleuropas. Dementsprechend wird diese nachweislich seit dem Altertum in der Volksheilkunde verwendet. Dioskurides, ein berühmter griechischer Arzt im 1. Jahrhundert nach Christus, rühmte Spitzwegerich bei Blutungen und auch Hildegard von Bingen erwähnte Spitzwegerich in ihren Aufzeichnungen aus dem 12. Jahrhundert. 

Wie der volkstümliche Name „Lungenblattl“ bereits suggeriert, ist Spitzwegerich in erster Linie bei Atemwegserkrankungen – und insbesondere bei Reizhusten – geeignet. Bei dieser wissenschaftlich erwiesenen Anwendung üben die bis zu 6% enthaltenen Schleimstoffe gemeinsam mit dem Zuckeralkohol Sorbit einen schützenden Effekt auf die gereizten Schleimhäute aus. Aucubin und Catalpol – so genannte Iridoidglykoside – wirken antibakteriell und Acteosid, ein Phenylethanoid, entfaltet entzündungshemmende Effekte. Eine positive Wirkung konnte auch bei entzündlichen Veränderungen des Mund- und Rachenraumes belegt werden.

Eine weitere in der Volksmedizin Europas weit verbreitete Anwendung ist jene bei Wunden und Geschwüren. Hierzu werden neben den Blättern des Spitzwegerichs auch jene des Breitwegerichs verwendet. Die Blätter werden zerdrückt oder als Presssaft auf die zu behandelnden Hautstellen aufgetragen. Aufgrund fehlender Antibiotika wurden noch im zweiten Weltkrieg auf diese Weise Wunden mit Spitzwegerich behandelt.

Da bei der Teeherstellung die für die antibakterielle Wirkung sehr wichtigen Abbauprodukte des Aucubin nicht gebildet werden, besitzt ein Presssaft oder ein Fluidextrakt in den genannten Anwendungsgebieten eine ausgeprägtere Wirkung. Falls man trotzdem getrocknete Blätter zur Teebereitung verwenden möchte, kann man anhand der Blattfärbung auf die Qualität schließen. Unsachgemäße Trocknung erkennt man an dunklen Verfärbungen an den Blättern, diese entstehen nämlich bei zu langer Trocknungszeit und zu feuchter Lagerung.
Zur Teezubereitung liegt die Tagesdosierung der getrockneten Blätter für Erwachsene bei 6 bis 9 g. Da zu Spitzwegerich weder Nebenwirkungen noch Gegenanzeigen bekannt sind, eignet sich der Tee auch im Kindesalter. Hier liegt die Tagesdosierung je nach Alter zwischen 1- und 4 g getrockneter Blätter.
 

  • Datum 08.05.2014
  • Autor Mag.pharm. Arnold Achmüller