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Rasche Hilfe bei Sportverletzungen

Die Österreicher bewegen sich in ihrer Freizeit mehr denn je. Nicht immer aber bleiben ihre Trainingseinheiten ohne Folgen. Viele Sportler erleiden Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen. Apotheker wissen Rat – und stellen gerne individuelle Erste-Hilfe-Sets zusammen.

Egal, ob Sie sich in Ihrer Freizeit auf den Fahrradsattel schwingen, mit Inlineskates durch die Straßen brausen oder zum heimlichen Fußballstar werden: Jede Sportart ist mit mehr oder minder großen Verletzungsrisiken verbunden. Besonders häufig treten Verstauchungen am Sprunggelenk und am Knie auf. Dabei werden Gelenke und Bänder übermäßig beansprucht. Knicken Sportler mit ihrem Fuß um, kann das Außenband reißen. Bei Unfällen mit Beteiligung des Knies nimmt das Kreuzband Schaden. Im Unterschied zu Verstauchungen wird das betroffene Gelenk durch einen Bänderriss sichtbar instabil.

Prellungen kommen durch stumpfe Gewalteinwirkungen auf Muskeln, Knochen oder Gelenke zu Stande. Besonders häufig ist das bei Kampfsportarten oder Teamsportarten der Fall. Rammen Sportler ihr Knie
gegen die Außenseite des gegnerischen Oberschenkels, bildet sich eine bildlich als „Pferdekuss“ bezeichnete Läsion. Vor allem bei Gelenkprellungen ist die Beweglichkeit eingeschränkt.  Muskelzerrungen entstehen wiederum durch falsche, ruckartige Bewegungen. Inlineskater oder Skateboarder, die keine Protektoren tragen, erleiden zudem Schürfwunden. Wer direkt nach einem Sportunfall schnell reagiert, hat bessere Karten und kann die „Leidenszeit“ danach verkürzen.

Glück gehabt dank PECH

Die so genannte PECH-Regel gibt wertvolle Anweisungen für die ersten Minuten nach einem sportlichen Missgeschick: Pause, Eis, Kompression (engl. Compression) und Hochlagern der betroffenen  Gliedmaßen sind immens wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden. Bandagen und Kühlsprays für Ihre Sporttasche gibt es in der Apotheke. Ein Kompressionsverband verringert mechanisch den Austritt von
Gewebsflüssigkeit. Doch Vorsicht – zu eng angelegte Bandagen behindern die Blutzirkulation. Das Hochlegen betroffener Körperteile über Herzhöhe gilt als Maßnahme gegen Einblutungen. Wer die Zähne zusammenbeißt und weiter trainiert, riskiert Folgeschäden wie Abnutzungserscheinungen des Gelenks. Je nach Schweregrad der Verletzung sollten Sie umgehend medizinische Hilfe holen oder zum Arzt gefahren werden.

Schmerz, lass nach

Geraume Zeit nach einem sportlichen Malheur plagen sich viele Menschen immer noch mit Schmerzen. Das muss nicht sein – Ihre Apotheke hält mehrere Arzneimittel für Sie bereit, die Sie auch ohne ärztliche  Verordnung erhalten. Als Wirkstoffe haben sich vor allem Diclofenac-, Ibuprofen und Indometacin- Schmerzgele zur äußerlichen Anwendung auf den lädierten Gliedmaßen bewährt. Damit erzielen Sie hohe Konzentrationen des jeweiligen Wirkstoffs im Körper, ohne dass es im Magen oder Darm zu unerwünschten Effekten kommt. Ein Tipp: Tragen Sie bei Gelen oder Cremes mehrmals täglich einen etwa fünf Zentimeter langen Streifen auf und reiben Sie die Zubereitung dann flächig ein. Viele Präparate haben durch die Verdunstung von Lösungsmitteln einen angenehm kühlenden Effekt.

 

 

Blessuren aller Art

Stehen bei Ihnen Hautabschürfungen im Mittelpunkt, empfehlen Apotheker Schaumverbände mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Wichtig ist, dass die Wunde gereinigt und desinfiziert wurde und dass es keine Anzeichen für Infektionen gibt. Deshalb darf ein geeignetes Desinfektionsmittel in keiner Sportapotheke fehlen. Bei Blutergüssen und Schwellungen lohnt sich ein Versuch mit Heparin-Salbe oder -Gel. Heparin hemmt die Blutgerinnung und wird in begrenztem Maße auch über unsere Haut aufgenommen. Allerdings sollten die Präparate erst zum Einsatz kommen, nachdem akute Reaktionen des Gewebes abgeklungen sind. Frühestens drei Tage nach dem Sportunfall können Sie auch einen Versuch mit durchblutungsfördernden Präparaten wagen. Deren Wirkung schadet in der Akutphase, kann danach aber den körpereigenen Heilungsprozess beschleunigen.

Alternative Hilfe bei Sportverletzungen

Auch die Naturheilkunde hilft bei Sportverletzungen. In erster Linie sind hier Beinwell-Extrakte zu nennen. Wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass Schwellungen und Schmerzen ähnlich schnell zurückgehen wie bei äußerlich anzuwendenden Diclofenac-Präparaten. Beinwell schnitt auch besser als Placebo ab. Darüber hinaus eignen sich Extrakte aus Arnika. Hoch dosierte Enzympräparate wiederum beschleunigen die Heilungsprozesse. So genannte Proteasen bauen dabei durch den Unfall entstandene Zelltrümmer und unerwünschte molekulare Botenstoffe zu harmlosen Bausteinen ab. Ein magensaftresistenter Überzug sorgt dafür, dass Enzyme unseren Magen passieren, ohne selbst zerstört zu werden. Viele Sportler schätzen auch homöopathische Arzneimittel. Arnica D6 eignet sich bei Verletzungen mit Blutergüssen. Weitere Einsatzgebiete sind Überbeanspruchungen der Muskulatur („Muskelkater“) bis hin zum Muskelfaserriss. Sie sollten bis zu sechs Mal täglich fünf Globuli einnehmen.

Bei Zerrungen, Dehnungen oder Gelenksverletzungen ist Rhus toxicodendron D12 Mittel der Wahl.  Klassisch wird der Giftsumach bei allen Sportverletzungen eingesetzt, zwei Mal täglich fünf Globuli. Bei Stürzen und Prellungen lohnt der Griff zu Bryonia D6. Die Zaunrübe verringert entsprechende Beschwerden, wenn Sie bis zu sechs Mal täglich fünf Globuli im Mund zergehen lassen. Acidum sarcolacticum D12 macht nach intensiven Trainingseinheiten Sinn, um die Übersäuerung von Muskeln durch Stoffwechselprodukte zu vermeiden.

Homöopathische Komplexmittel gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Bei leichten Sprunggelenkverletzungen ließ sich der Effekt durchaus mit Diclofenac  vergleichen, so das Ergebnis einer Studie. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten – schon vor der nächsten Trainingseinheit!

  • Datum 27.07.2015
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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