Tipp von der Apothekerin: Kopfschmerz richtig behandeln

Experten sprechen von über 300 verschiedenen Kopfschmerzarten, und Viele können davon ein Lied singen: Kaum eine andere Erkrankung wird so stark selbst therapiert wie der Kopfschmerz.

Kopfschmerzen unterscheidet man in primäre und sekundäre Formen. Zu den primären Formen zählen eigenständige Erkrankungen wie Migräne und Spannungskopfschmerz; sekundäre Kopfschmerzerkrankungen sind Symptome einer anderen Grunderkrankung wie z.B. Hirnblutung, Tumor oder Nasennebenhöhlenentzündung.

Primären Kopfschmerz richtig behandeln

Fast 70% der Bevölkerung leiden an primären Kopfschmerzen. Zur deren gelegentlichen  Selbstmedikation steht eine Reihe gut wirksamer Substanzen zur Auswahl. In den Empfehlungslisten der Kopfschmerzgesellschaften in Österreich, Deutschland und der Schweiz zur Selbstmedikation akuter Migräne- und Spannungskopfschmerzattacken stehen Acetylsalicylsäure, Paracetamol und deren Kombinationen ganz oben, dicht gefolgt von Ibuprofen. Sie erfüllen alle Kriterien wie wissenschaftlich erwiesene Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit und geringem Nebenwirkungsrisiko zur vollsten Zufriedenheit. Wichtig dabei ist die zeitgerechte Einnahme – so früh wie möglich und die ausreichend hohe (Anfangs-)dosierung!

Kombinationspräparate

Kombinationspräparate haben grundsätzlich den Vorteil, dass man mit nur einer Tablette gleichzeitig mehrere Wirkstoffe zuführen kann. Mehrere Wirkstoffe bedeuten jedoch auch ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, daher empfehlen Kopfschmerzexperten grundsätzlich, Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff zu bevorzugen. Keine einheitliche Meinung gibt es zu Coffein als Zusatz in Schmerztabletten: Einerseits soll Coffein durch seine anregende Wirkung zum häufigeren Gebrauch verleiten, andererseits sorgt es gerade in der Kombination ASS mit Paracetamol für eine schneller eintretende und stärkere Wirkung. Ihr Apotheker kann Sie dazu individuell beraten. Auf jeden Fall sollten weder Einzelsubstanzen noch Kombinationen zu oft eingenommen werden.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Alle Patienten, die unter regelmäßigen Spannungskopfschmerz- oder Migräneattacken leiden, laufen Gefahr, bei zu häufigem Gebrauch einen schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz zu entwickeln. Auch die Schmerzqualität verändert sich: Die Attacken treten immer häufiger und länger auf, verursachen eher drückende als pochende Schmerzen, meist beidseitig und sorgen für ein beständiges Benommenheitsgefühl.

Wann zum Arzt?

Während gelegentlich auftretende Kopfschmerzen meist harmlos sind und gut mittels frei verkäuflichen Medikamenten therapiert werden können, ist bei regelmäßigen Beschwerden, einem Nichtansprechen auf Schmerzmittel oder immer öfter wiederkehrenden Attacken ein Arztbesuch angebracht. Die  Differenzierung der Schmerzart und Festlegung der richtigen Behandlung ist dabei  therapieentscheidend. Treten praktisch täglich Schmerzen – zusammen mit Fieber –, Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen auf, so können dies Warnhinweise auf einen symptomatischen  Kopfschmerz sein, der ärztlich abgeklärt werden muss.
 

Alternativen

Gerade beim Kopfschmerz sollte der Griff zur Tablette nicht die erste Wahl sein. Vielen Betroffenen  bringen Entspannungsmethoden oder auch Akupunktur Erleichterung. Kühlendes Pfefferminzöl oder eine Mischung aus Bergamotte, Basilikum und Neroli in Jojobaöl bei Bedarf auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen tut ebenso gut wie eine Tasse Tee aus Pfefferminze und Mädesüß. Während es beim Spannungskopfschmerz „raus in die frische Luft“ heißt und körperliche Aktivität oft zu einer Verbesserung führt, sollten Migränepatienten während des Anfalls eher im abgedunkelten Raum ruhen. Regelmäßiger Schlaf und Bewegung, ausreichendes Trinken sowie eine gute Versorgung mit Magnesium und dem Vitamin B-Komplex können bereits vorbeugend helfen, die Schmerzattacken zu reduzieren.

  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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