Tipp von der Apothekerin: Was der Leber gut tut

Sie arbeitet rund um die Uhr und hat es wahrlich nicht leicht – als zentrales Entgiftungsorgan ist sie maßgeblich an fast allen lebenswichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt, ist ein gefragter Herstellungs- und Speicherort von Hormonen, Enzymen und Substraten und managt hauptsächlich Abbau und Ausscheidung von Nähr- und Arzneistoffen. Erkrankungen der Leber verleiten oft zu vorschnellen Aussagen vom „liederlichen Lebenswandel“ bis hin zu „regelmäßig zu tief ins Glas geschaut“.

Doch weit gefehlt – Die so genannte nichtalkoholische Fettlebererkrankung ist die am weitesten verbreitete Lebererkrankung in den westlichen Industrienationen und mausert sich langsam zur  Volkskrankheit. Am meisten findet man sie in der Altersgruppe 60plus – mit steigender Tendenz. Jedoch  auch Jugendliche und Kinder leiden immer häufiger an dieser chronischen Lebererkrankung. Die  nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) hat viele Ursachen – von genetisch, hormonell und  umweltbedingt bis hin zu Infektionen, Diabetes, einer gestörten Zusammensetzung der Darmflora oder  autoimmunen Störungen, verläuft in Stadien und zeigt lange Zeit keine oder nur geringe Beschwerden oder Anzeichen einer fortschreitenden Lebererkrankung.

Verläuft sie ohne Komplikationen so bildet sie  sich wieder zurück, kommt es jedoch zu einer Entzündung der Leberzellen, so wandeln diese sich in Bindegewebe um und stehen damit für die „Leberarbeit“ nicht mehr zur Verfügung – es kommt zur  Fibrose, welche im Endstadium bis zur Leberzirrhose oder einem Leberzellkarzinom führen kann. Darüber hinaus fördert die NAFLD die Entstehung herzkreislaufwirksamer Risikofaktoren wie Störungen  Fettstoffwechsel, Entzündungen, oxidativem Stress, Gerinnungsstörungen mit Neigung zu Thrombose  und Bluthochdruck. Auch ein gestörter Nüchternzucker und die Ausbildung eines Typ 2-Diabetes ist eng  an die Entstehung einer Fettleber gebunden.

Einer der wesentlichsten Gründe für die Zunahme dieser chronischen Lebererkrankung ist die  permanente positive Energiebilanz – wir führen immer mehr Kalorien zu und bewegen uns immer  weniger. Dabei übersteigt die Zufuhr von Kohlehydraten die Nahrungsfettzufuhr bei weitem. Besonders ein Zuviel an Fructose als Bestandteil von Saccharose, also Industriezucker, in seiner reinen Form, und  vor allem in Softdrinks, fördert die Ausbildung der Fettleber enorm. Gepaart mit körperlicher Inaktivität  steigt das NAFLD-Risiko weiter an. Auch die Fettqualität ist nicht unerheblich, wobei einfach ungesättigte Fettsäuren den größten Nutzen zeigen.

 

Dagegensteuern

Ein Normal- oder Idealgewicht ist zwar keine Garantie, nicht an einer Fettleber zu erkranken – bis zu 15  % der normalgewichtigen Menschen sind ebenfalls betroffen – dennoch sollte eine  kohlenhydratreduzierte und eher eiweißund fettbetonte Kost bevorzugt werden. Da bei Übergewicht die  Wahrscheinlichkeit, eine Fettleber auszubilden, stark erhöht ist, stehen Gewichtsreduktion und  Änderung des Lebensstils mit mehr Bewegung im Vordergrund. Antioxidantien wie Vitamin C, Zink und  Glycyrrhizinsäure sowie Leberschutzstoffe wie Silymarin fungieren als Radikalfänger und schützen und  regenerieren somit die Leberzellen. Die entzündungshemmende Wirkung der Mariendistelsamen unterstützt die Leber zusätzlich bei der Entgiftung. Leberfasten mit speziell entwickelten Eiweißpräparaten (erhältlich in der Apotheke) lässt nicht nur Kilos purzeln, sondern fördert zusätzlich die Entfettung der Leber und bringt auch wieder Energie und ein leichteres Körpergefühl zurück.

Leberwickel  sollten nur bei nichtentzündlichen Beschwerden angewendet werden: Auflagen mit warmen Heublumen oder Schafgarbe auf die Lebergegend legen, mit trockenem Tuch abdecken und für  mindestens eine halbe Stunde ruhen. Erfreuliches für Kaffeetrinker: 2 bis 3 Tassen pro Tag zeigen  neuesten Studien zufolge bei chronischen Lebererkrankungen ebenfalls positive Effekte. Auch die  Einnahme von Arzneimitteln erfordert bei Patienten mit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung  eine umfassende Beratung: Obwohl für potenziell lebertoxische Arzneimittel harte Daten aus Studien  derzeit noch fehlen, kann ein veränderter Um- und Abbau von Medikamenten in der erkrankten Leber nicht ausgeschlossen werden.

  • Datum 13.04.2016
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

Email schreiben

Tipps von der Apothekerin - Radioapotheker Homöopathie, Fachberater für Darmgesundheit, Zertifizierte Nährstoffexpertin, Schüssler Salze, Erste Hilfe Lehrbeauftragte, Aromatherapie, Diabetescoach

Veröffentlichte Artikel

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Tipp vom Apotheker: 80 Millionen Bakterien wechseln die Seiten

Hygienebewusste Menschen stimmt der Befund niederländischer Forscher wohl nachdenklich. Denn nicht nur Zuneigung wird augetauscht...

hier weiterlesen


Tipp vom Apotheker: HPV-Impfung

Die HPV-Impfung schützt Mädchen im späteren Leben vor der Infektion mit bestimmten Humane-Papilloma-Viren-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

hier weiterlesen


Tipp vom Apotheker: Ohrenschmerzen bei Kindern

Als Auslöser heftiger Ohrenschmerzen kommen Infekte, Nervenentzündungen oder Verletzungen im Ohrbereich in Betracht. Der Ort der Entzündung liegt bei Säuglingen und Kleinkindern im Mittelohr, bei Jugendlichen im äußeren Ohr und bei den Erwachsenen vielfach im Bereich eines gereizten Kiefergelenks.

hier weiterlesen


Tipp vom Apotheker: Allergieprävention beim Kleinkind

Im Widerspruch zur früheren Ansicht, dass Hygiene vor Allergien schützt, ist man heute der gegenteiligen Ansicht.

hier weiterlesen


Tipp von der Apothekerin: auch Männerhaut braucht Pflege

Nicht nur beim Einparken geht es um den kleinen Unterschied, auch die Beschaffenheit der Haut von Mann und Frau unterscheidet sich klar voneinander. Auch das „dickere Fell“ eines Mannes braucht eine spezielle Pflege und darauf abgestimmte Produkte, die einfach in der Anwendung jedoch wirksam in der Pflege sind.

hier weiterlesen


Tipp vom Apotheker: Tabletteneinnahme

Die richtige Einnahme von Tabletten ist gar nicht so einfach. Ihr Apotheker hat aber Tipps parat...

hier weiterlesen