Tipp von der Apothekerin: Ohrenpflege – aber richtig!

Laut Statistik hören in Österreich ca. 19 % der Bevölkerung ab 14 Jahren schwer. Oft ist auch die unsachgemäße Reinigung oder ein Zuviel an produziertem Ohrenschmalz schuld daran, dass der Gehörgang komplett verschlossen wird.

Während schwere Verlegungen mittels einer professionellen Ohrspülung beim HNO-Arzt zu beheben sind, können bei leichteren Fällen von verstopften oder verschmutzten Ohren Tropfen, Ohrspül-Kits oder Sprays aus der Apotheke inklusive Tipps zur richtigen Ohrenpflege helfen, den Gehörgang wieder frei zu machen.

Saubere Ohren

Prinzipiell reinigen sich die Gehörgänge selbst. Alles was raus muss – abgestorbene Hautzellen, Staub und Verunreinigungen – wandert den Gehörgang entlang und vermischt sich im äußeren Teil mit dem Cerumen, dem Ohrenschmalz. Durch Kaubewegungen gelangt die Masse mit der Zeit in die  Ohrmuschel und damit nach außen. Apropos Ohrenschmalz: Auch hier gibt es Unterschiede. Der Großteil der Europäer besitzt eher dunkles, feuchtes Schmalz im Gegensatz zur asiatischen Bevölkerung, deren Cerumen eher hell und trocken ist. Auch die produzierte Menge ist individuell sehr verschieden und offensichtlich genetisch bedingt. Dabei ist das Ohrenschmalz viel besser als sein Ruf und absolut notwendig Neben Schmierung und Erhaltung der Geschmeidigkeit des Ohrganges sowie Schutz vor eindringendem Wasser und Austrocknung zählen auch die Abwehr von Krankheitserregern und Insekten zu seinen Aufgaben sowie keimtötende und antibakteriell wirkende Bestandteile zu seinen Inhaltsstoffen.

Zuviel des Guten

Manchmal befindet sich jedoch zu viel Cerumen im Ohr und verursacht Probleme, entweder durch eine Überproduktion oder durch Sekretstau bei zu engen Gehörgängen. Auch wer regelmäßig Ohrstöpsel  verwendet oder ein Hörgerät tragen muss, bildet öfter mal einen Ohrenschmalzpfropfen aus, der gerne  mit einem unangenehmem Druckgefühl, leichten Ohrenschmerzen und einer getrübten Wahrnehmung  einvon hergeht. Ebenso können eine übertriebene Ohrhygiene mit Wattestäbchen, die im Ohr absolut
nichts verloren haben,
oder Manipulationen mit anderen ungeeigneten Gerätschaften wie Stricknadeln oder Pinzetten das Ohrschmalz derart verdichten, dass sich der Pfropf nicht mehr bewegt. Fügt man sich dabei auch noch kleine Verletzungen zu, so folgen bald äußere Gehörgangsentzündungen (Otits externa). Diese mit Abstand häufigste Erkrankung des Ohres tritt mit unangenehmen und äußerst schmerzhaften Schwellungen, Rötungen und wässrig-eitrigem Sekret auf und ist auch für Laien leicht erkennbar: Zieht man am Ohrläppchen, so verstärkt sich der Schmerz ebenso wie durch Druck auf die Region vor dem Eingang des Gehörkanals, dem Tragus.

Trocken hinter den Ohren…

Für die tägliche Reinigung reicht es aus, sichtbares Ohrschmalz und Verunreinigungen in der Ohrmuschel bzw. äußerem Gehörgang mit einem weichen  Kosmetiktuch oder Waschlappen, handwarm angefeuchtet, zu entfernen. Nicht nur bei Kindern sollte man nach dem Baden darauf achten, sie hinter den Ohren gut abzutrocknen, da sich dort ansonsten gerne Entzündungen einnisten. Ist das Cerumen bzw. die Ohrmuschel generell zu trocken, helfen ein paar Tropfen Ohrenöl, die sanft einmassiert werden. Wer unter einer übermäßigen Ohrenschmalzproduktion leidet, sollte sich eine regelmäßige – quartalsweise – professionelle Reinigung beim HNO-Arzt gönnen.

Darüber hinaus leisten Ohrentropfen und -sprays aus der Apotheke gute Dienste. Sie weichen mittels Meerwasser das Cerumen auf, sodass es leichter abfließen kann, und helfen die Gehörgänge von Hörgeräteträgern sauber zu halten. Derartige Sprays sind leicht in der Anwendung, gibt es in passenden Ausführungen für Erwachsene und Kinder und reinigen schonend und effektiv. Alternativ dazu stehen noch Ohrenreiniger mit Metallschlinge bzw. eine neuartige Ohrdusche zur Verfügung, ähnlich der Spülung durch den Arzt. Dabei wird mit dem Saugball Wasser angesaugt, bei geneigtem Kopf am äußeren Gehörgang angelegt und gespült. Anschließend wird mit der leeren Ohrdusche der Gehörgang trockengeblasen. Um nach dem Baden oder Duschen die Restfeuchtigkeit im Ohr zu verhindern, empfiehlt sich des Weiteren der Einsatz von Tropfen oder Sprays mit u.a. Essigsäure, die helfen, die Ohren „trockenzulegen“.

  • Datum 03.11.2015
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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