Tipp von der Apothekerin: Was tun bei Sodbrennen?

Sodbrennen gilt als Hauptsymptom der Refluxkrankheit und ist mit Ca. 2 Millionen betroffenen Österreichern ein häufiges gesundheitliches Problem. Umwelteinflüsse, Infektionen oder genetische Faktoren stören dabei die empfindliche Balance zwischen aggressiven und schützenden Faktoren der Magenschleimhaut.

Reflux bedeutet, dass die Säure am falschen Platz ist: Saurer Magensaft fließt in die Speiseröhre, und es kommt mit der Zeit zu Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut. Die Beschwerden können eine massive Einschränkung der Lebensqualität mit sich bringen und haben gar nicht so selten psychische Ursachen. Die gute Nachricht: Sodbrennen kann der Betroffene manchmal gut selbst in den Griff bekommen. Eine Änderung des Lebensstils wie z.B. eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und oft auch die Verminderung von Ängsten, Ärger oder Stress kann bereits sehr hilfreich sein.

Schluss mit lustig…

Die Behandlungsoptionen von Sodbrennen sind vielfältig, wobei einer Selbstmedikation bei leichten  Beschwerden, die nur ab und zu oder erst seit kurzem auftreten, prinzipiell nichts im Wege steht. Nach  ein bis 7 Tagen sollten die Be-schwerden abklingen – treten diese jedoch häufiger oder über einen längeren Zeitraum auf, so können sich hinter so genannten dyspeptischen Beschwerden wie saurem  Aufstoßen von Magensaft, Appetitlosigkeit, Verdauungsproblemen oder Schmerzen auch schwerwiegendere Ursachen verbergen, beginnend von Reizmagen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gastritis, Zwerchfellbruch und verschiedenen Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren/ Sicca-Syndrom  über Magengeschwür bis hin zum Karzinom, die ärztlich abgeklärt und behandelt werden  müssen.

Auch Medikamente können Sodbrennen verursachen wie z.B. solche, die die Blutgefäße erweitern,  bestimmte Herz-Kreislaufmedikamente (Ca-Antagonisten), Asthmamittel und Antibiotika,  Psychopharmaka sowie einige Schmerzund Rheumamittel. Werden bestimmte Wirkstoffe gegen  Osteoporose nicht richtig eingenommen, können sie ebenfalls die Speiseröhre reizen. Dabei gilt: Nicht  ohne Rücksprache eigenmächtig absetzen! Ebenso sofort ärztlich abzuklären sind Begleiterscheinungen wie  Blutungen, Fieber, Abgeschlagenheit oder gar Gewichtsverlust.

Natürliche (Sofort-)hilfen gegen Sodbrennen

  • Verdauungsspaziergang nach Völlerei
  • Einfach ein Glas Wasser trinken: hilft durch „Verdünnung“ der Säure, vielen hilft auch ein Glas Milch
  • Kartoffelpresssaft: die Stärke im Saft roher Kartoffeln bindet die Magensäure, sollte mit lauwarmem Wasser 1:2 verdünnt und in kleine Schlucken getrunken werden, eine ähnliche Wirkung zeigen auch Weißkohlsaft und Mandelmilch.
  • Kamillentee: nicht zu heiß und langsam trinken, Kamille besänftigt die gereizte Magenschleimhaut
  • Basenpulver: sorgt für eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung und einen ausgeglichenen Säure-Basenhaushalt
  • Haferflocken: eine Portion rohe Haferflocken kauen, bis im Mund ein fast flüssiger Brei entsteht, diesen dann hinunter schlucken oder eine Haferflockensuppe zubereiten.
  • Mandeln oder Haselnüsse kauen kann überschüssige Säure binden

Antazida - Säurebinder

Säurebindende Medikamente (Antacida) wirken lokal und gelten gemeinhin als erster Schritt der  Therapie. Sie geben der Schleimhaut Gelegenheit, sich zu erholen, indem sie den pH-Wert durch direkte Neutralisierung der Magensäure im Magen erhöhen. Ihr Vorteil liegt im raschen Wirkungseintritt innerhalb von Minuten und ihrer guten Verträglichkeit. Da die Wirkung jedoch nur kurz anhält, eignen sie  sich vorwiegend für die Behandlung von sporadisch auftretenden oder zeitlich begrenzten Beschwerden,  wie sie z.B. während einer Schwangerschaft auftreten. Zusätzlich binden sie auch aggressive Gallensäuren, die bis in die Speiseröhre zurückfließen können. Moderne Antazida haben  zusätzlich die Eigenschaft, körpereigene schleimhautschützende Vorgänge anzukurbeln   (Schichtgittersalze). Alginate hingegen wirken rein physikalisch, bilden eine schützende Gelschicht und  Barriere. Sie wirken besonders gut gegen saures Aufstoßen und werden unverdaut wieder ausgeschieden. Obsolet hingegen ist das früher gern verwendete Speisesoda, da es bei regelmäßiger Einnahme eine Steigerung der Säureproduktion bewirken und so die Beschwerden verschlimmern  kann. Antacida gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Die Dosierung erfolgt nach Bedarf  beim Auftreten von Beschwerden, am besten 1 bis 3 Stunden nach den Mahlzeiten – bei nächtlichem Sodbrennen empfiehlt sich die zusätzliche Einnahme vor dem Schlafengehen. Da Antazida mit anderen  Arzneimitteln gerne Wechselwirkungen eingehen und diese beeinflussen können, sollten sie  grundsätzlich mit 2 Stunden Abstand zu anderen Medikamenten eingenommen werden.

Protonenpumpenhemmer – PPI

Diese landläufig als „Magenschutz“ bezeichnete Arzneimittelgruppe gehört zu den am meisten  verschriebenen Medikamenten überhaupt. Als derzeit stärkste und effektivste Wirkstoffe zur Behandlung von säurebedingten Beschwerden gelten sie als Mittel der ersten Wahl bei häufiger und stärker  auftretenden Beschwerden und kommen auch dann zum Einsatz, wenn Antazida mehrmals täglich angewendet werden müssen bzw. sie keine Erleichterung mehr verschaffen. PPIs sind grundsätzlich  verschreibungspflichtig, jedoch ist seit 2009 einer der Wirkstoffe in einer maximalen Tagesdosierung von 20 mg und einer maximalen Anwendungsdauer von 14 Tagen auch verschreibungsfrei erhältlich.  Diese Arzneimittel hemmen die Magensäureproduktion direkt am Ort ihrer Entstehung, in der  säureproduzierenden Magenzelle. Bei der Bildung von Magensäure spielt die so genannte  Protonenpumpe eine große Rolle: Ihre Aufgabe ist es, Magensäure, die zur Verdauung benötigt wird, direkt in den Magen zu pumpen. Und hier setzt die Therapie an: PPIs hemmen diese Protonenpumpe in  ihrer Arbeit und senken damit Säureproduktion und Ausschüttung.

Ihre Einnahme sollte 30 bis 60 min. vor einer Mahlzeit geschehen, damit sich der Wirkstoff schon rechtzeitig im Magen entfalten kann, bevor  die erhöhte Säureproduktion durch die zugeführte Nahrung beginnt. Da sich ihre vollständige Wirkung  erst aufbauen muss, nimmt man sie am besten einige Tage lang und immer zur gleichen Tageszeit ein.  Vorsicht ist jedoch geboten bei einer Daueranwendung! Fehlt dem Magen auf Dauer durch die PPIs die notwendige Säure zur Verdauung, so kann die Aufspaltung und Verwertung von lebensnotwendigen Nährstoffen nicht mehr ausreichend stattfinden. Wer langfristig den „Magenschutz“ einnehmen muss,  braucht vor allem vermehrt Vitamin B12, Vitamin D sowie Calcium und Magnesium. Hier macht eine  gezielte Zufuhr in Form von ausgewählten Nahrungsergänzungen aus der Apotheke Sinn, um möglichen  Mangelerscheinungen wie Muskelschwäche, Kopfschmerzen, erhöhte Frakturgefahr, Osteoporose und eine geschwächte Immunabwehr sowie einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und  Thrombose vorzubeugen.

  • Datum 20.01.2016
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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