Tipps von der Apothekerin: Zahnpflege, die dritte…

Sie gehören zwar zu uns und doch wieder nicht, sie sitzen mitten im Mund und sind täglich am Werk – wenn die eigenen Zähne „Lebewohl“ sagen, so kommen sie zum Zug. Die Rede ist von Zahnprothesen, auch künstliches Gebiss oder liebevoll die „Dritten“ genannt.

Obwohl sie entweder voll oder nur teilweise aus Kunststoff bestehen und sich darauf keine Karies bilden kann, ist man noch lange nicht „aus dem Schneider“, was das Zähneputzen betrifft. Pflege braucht der Zahnersatz genauso wie unsere eigenen Zähne, und das täglich. Denn so wie schöne, gepflegte, eigene Zähne trägt auch eine ästhetisch aussehende und vor allem saubere Zahnprothese  enorm zur Lebensqualität bei.

Strahlende Beißerchen…

Wie die Oberfläche eines Zahnersatzes letztendlich nach einiger Tragezeit aussieht, ist neben der  Verarbeitung im zahntechnischen Labor enorm von der Regelmäßigkeit der Pflege und den verwendeten  Hilfsmitteln abhängig. Wird der Zahnersatz nur ungenügend gereinigt, so heftet sich mit  der Zeit ein bakterieller Belag an der Oberfläche an. Diese Prothesenplaque kann wiederum Karies und  Zahnfleisch- bzw. Zahnbettentzündungen an den benachbarten eigenen Zähnen verursachen. Wird  Prothesenplaque nicht täglich entfernt, so verfestigt sich dieser Belag mit der Zeit durch Einlagerung von  mineralischen Substanzen – es kommt zur Zahnsteinbildung.

Ebenso können Verfärbungen durch  Kaffee, Tee oder Nikotin genauso wie bei eigenen Zähnen die Prothese verunstalten. Die richtige Pflege entscheidet auch über die Lebensdauer einer Prothese: Häufiges Austrocknen, falsche Pflegemittel und  zu heißes oder kaltes Wasser beim Abspülen führen mit der Zeit zu feinen Haarrissen und rauen Stellen in der Oberfläche.

Die richtige Pflege

So wie das „normale“ Zähneputzen morgens und abends durchgeführt wird, so sollte auch die Prothese  zweimal täglich gründlich gereinigt werden. Nach den Mahlzeiten genügt ein gründliches Abspülen unter fließendem Wasser, wobei auch der Mund vor dem Einsetzen ausgespült werden sollte.  Die mechanische Reinigung erfolgt am besten mit einer geeigneten Zahnbürste und einer speziellen Prothesenzahnpasta.

Ausgesprochene Prothesenzahnbürsten zeichnen sich durch unterschiedlich lange Borsten aus, mit denen sowohl die geschwungene Form der Prothese als auch die  Verankerungselemente wie Geschiebe optimal gereinigt werden können. Um die Oberfläche der  Prothese nicht aufzurauen oder zu zerkratzen, muss man beim Kauf auf abgerundete Borsten achten.  Wer sich mit schmaleren Bürsten leichter tut, der greift zu Einbüschelbürsten. Prothesenzahnpasten werden eigens für die empfindliche Kunststoffoberfläche von Zahnersatz hergestellt und enthalten im  Gegensatz zu herkömmlichen Zahnpasten weniger „Schmirgelstoffe“. Wer seine Zahnpasta – auch  solche für sensible Zähne oder Zahnhälse – für die eigenen Zähne auch für die Prothese benutzt,  riskiert feine Risse und raue Stellen. Darin können sich Bakterien und andere Substanzen leicht  festsetzen und verursachen starken Mundgeruch und Entzündungen des Zahnfleisches.

Eine milde und dennoch gründlich reinigende Alternative zur Pasta ohne abradierende Substanzen  (schmirgelnde Putzkörper) stellen eigens für Prothesen hergestellte Reinigungsschäume dar, welche  am besten 1 bis 2 Minuten in die Prothese eingearbeitet werden. Reinigungstabletten oder Pulver sind aufgrund ihrer desinfizierenden und reinigenden Wirkung eine optimale Ergänzung zur mechanischen Reinigung der Prothese und werden stets in Kombination nach der mechanischen Reinigung mit Bürste und Pasta/Schaum angewendet. Dafür wird die Prothese in die hergestellte lauwarme Lösung je nach Gebrauchsinformation für max. 15 Minuten eingelegt, danach gründlich mit lauwarmem Wasser abgespült, um das Desinfektionsmittel vollständig zu entfernen, und ist sofort wieder einsatzbereit.

Ultraschallbäder sind im zahnärztlichen  Labor das Mittel der Wahl zur Prothesenreinigung sind jedoch auch für den Hausgebrauch durchaus zu empfehlen, besonders dann, wenn die manuelle Reinigung mit der Bürste aufgrund von Behinderung oder aus Altersgründen nicht mehr durchgeführt werden kann. Hier werden ebenfalls Reinigungstabs oder -pulver zugesetzt.

Auf das Zahnfleisch nicht vergessen!

Prothesen üben Druck aus und können das Zahnfleisch reizen oder gar Entzündungen auslösen.  Regelmäßiges Massieren (einmal am Tag) mit einer weichen Zahnbürste, Zahnfleischgele mit  natürlichen, stärkenden Inhaltsstoffen wie Salbei, Rathaniawurzel oder Hyaluronsäure machen das  Zahnfleisch widerstandfähiger, sorgen für eine gute Durchblutung und lassen kleine Fissuren rasch  wieder abheilen. Eine gute Ernährung und Versorgung mit lebenswichtigen Mikronährstoffen wie z.B. Vitamin C oder Coenzym A sowie regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt vervollständigen die optimale Prothesenpflege und lassen Sie stets „kraftvoll zubeißen“!

  • Datum 19.01.2017
  • Autor Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager

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