Tipps zur Trinkwasseraufbereitung für Reisende

Kontaminierte Speisen und Getränke sind die häufigsten Infektionsquellen auf Reisen. Je nach Destination erkranken bis zu 70 % der Urlauber am Reisedurchfall. Die beste Schutzmaßnahme ist große Vorsicht bei der Wahl und Zubereitung von Speisen und Getränken. Man sollte immer von der Annahme ausgehen, dass nicht pasteurisierte Milch, offene Getränke sowie ungekochte Nahrungsmittel - mit Ausnahme von Gemüse und Obstarten, die geschält oder enthülst werden können - wahrscheinlich kontaminiert und somit gesundheitsgefährdend sind.

Für die meisten von uns ist eine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser seit jeher selbstverständlich. Wäre die Wassermenge auf der Erde gleichmäßig verteilt, so bestünde ein zehnfacher Überschuss. Im Wassergleichgewicht leben aber heute nur etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung. Aber auch in Ländern mit großen Süßwasservorkommen besteht zunehmend ein Mangel an sauberem Trinkwasser. Es wird geschätzt, dass 1,5 Milliarden Menschen der Landbevölkerung und 200 Millionen Stadtbewohner unter fehlender Versorgung mit sicherem Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen leiden. Soziale Unruhen, Kriegswirren und wirtschaftliche Schwäche sind häufig die Ursache für veraltete, unzuverlässige Wasserversorgung.

Auf Reisen in Gebiete mit zweifelhafter Wasserqualität ist es ratsam, mit einer eigenhändig durchgeführten Desinfektion des Trinkwassers Krankheiten vorzubeugen. Kohlensäurehältige Getränke oder Fruchtsäfte aus originalverschlossenen Behältern sind für gewöhnlich unbedenklich. Dabei ist es jedoch auch ratsam, direkt aus der Flasche, beispielsweise mit einem sauberen Trinkhalm, und nicht aus irgendwelchen womöglich verschmutzten Gläsern zu trinken.

Methoden der Wasseraufbereitung auf Reisen:
 

  •             Abkochen
  •             Filtrieren
  •             Chemische Desinfektion


ABKOCHEN:
 

Das Abkochen stellt die sicherste und einfachste Methode dar. Wenn das Wasser klar und ungetrübt ist, genügt, es mindestens eine Minute sieden zu lassen (in Höhen über 2000 m verlängert man auf ca. 3 Minuten). Der Nachteil ist der fade, schale Geschmack des abgekochten Wassers, da das gelöste Kohlendioxid und die Erdalkalicarbonate entfernt werden. Durch Zugabe einer Prise Kochsalz wird der Geschmack wieder etwas besser. Selbstverständlich darf das Wasser nicht mit Eiswürfeln gekühlt bzw. abgekühlt werden.

Das Abkochen von Wasser ist jedoch nicht überall möglich, besonders wenn es sich um größere Mengen handelt. Daher wird sich in der Praxis diese Methode der Wasserentkeimung auf die Zubereitung von Getränken - wie Kaffee oder Tee - beschränken.
 

FILTERGERÄTE:

Es sind Spezial-Kleinfiltergeräte (Porosität von 0,2 bis 0,4 Mikrometer) im Handel erhältlich (nicht zu verwechseln mit sogenannten Aktivkohlefiltern, die zur Trinkwasseraufarbeitung nicht geeignet sind). Partikel und Flocken, farbliche Verunreinigungen, Geruchs- und Geschmackstoffe, Bakterien und Mikroorganismen werden durch die Filtration entfernt. Allerdings muss sichergestellt werden, dass der Filter nicht überlastet wird, auch erfordert das Auswechseln und Reinigen - je nach Modell - einige Geschicklichkeit. Viren und bestimmte Bakterien wie Leptospiren können durch Filtergeräte allein nicht aus dem Wasser entfernt werden. Ein weiterer Nachteil ist der zumeist sehr hohe Anschaffungspreis, der sich erst dann rechnet wenn sehr große Mengen an Wasser filtriert werden müssen.

Für die Reise eignen sich Taschenmodelle mit Handpumpe oder Batteriebetrieb mit einer Leistung von ¼ bis ¾ L iter pro Minute (z.B. Katadyn® -Filter).
 

CHEMISCHE DESINFEKTION:
 

Prinzipiell werden Mikroorganismen im Wasser durch Zugabe von Halogenen wie Jod, Chlor, Brom und Fluor abgetötet, wobei natürlich die beiden letzten aufgrund der Toxizität ausscheiden.
 

Präparate auf Jodbasis:
 

    Jod vernichtet in einer Konzentration von 3 bis 5 ppm * die wichtigsten Krankheitserreger. Es gibt in einigen Ländern Tetraglycin-Hydroperiodid-Tabletten (Handelsbezeichnung Portable Aqua ®), in der Literatur findet sich jedoch auch immer wieder die Empfehlung, Wasser durch Zugabe von Jodtinktur zu desinfizieren. Diese Methode erfreut sich hauptsächlich im angelsächsischem Raum großer Beliebtheit, das Center of Disease Control and Prävention in Atlanta empfiehlt beispielsweise die Zugabe von 6 - 10 Tropfen 2%ige Jodtinktur pro ¼ Liter Wasser. (Anmerkung: Solutio Jodi spirituosa ÖAB: Gesamtgehalt an Jod 3,9 - 4,1%; Gehalt an freiem Jod 2,8 - 3,0%, siehe Umrechnung weiter unten.)
    Durchführung: Pro ¼ Liter Wasser werden 3 Tropfen Jodtinktur zugegeben, umgerührt und mindestens 30 Minuten stehen gelassen. Ist das Wasser sehr kalt, nimmt man bis zu 5 Tropfen und lässt die Lösung einige Stunden stehen. Anschließend kann man den Jodgeruch und Geschmack durch Zugabe von einer Messerspitze Ascorbinsäure neutralisieren.

    So einfach auch diese Methode klingt, hat sie doch den Nachteil, dass einerseits ein Fläschchen Jodlösung im Reisegepäck, wenn es zerbricht, naturgemäß ziemlichen Schaden anrichtet, und dass andererseits auf diese Weise gewonnenes Wasser nicht von Personen getrunken werden sollte, die an einer Jodüberempfindlichkeit oder an Schilddrüsenerkrankungen leiden oder aus anderen Gründen kein Jod einnehmen dürfen. Auch das CDC empfiehlt die Desinfektion mittels Jod nur zur kurzzeitigen Anwendung: Ein Überangebot von Jod (mehr als 500 µg am Tag) kann Funktionsstörungen der Schilddrüse auslösen oder bereits bestehende Erkrankungen verstärken.
 

Präparate auf Chlorbasis:

    Chlor gilt international als das sicherste Desinfektionsmittel für Trinkwasser und wird in den meisten Wasserwerken der Welt seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Die desinfizierende Wirkung von freiem Chlor (z.B. in Form von Natriumhypochlorit) beruht auf dessen stark oxidierender Wirkung. Dadurch werden praktisch alle Zellfunktionen der Mikroorganismen gestört.
    Das Wirkungsspektrum der chlorabspaltenden Desinfektionsmittel ist auf einen pH-Wert von etwa 7 beschränkt. Bei alkalischem pH sinkt die antibakterielle Aktivität ab, organische Verunreinigungen setzen ebenfalls die Wirkung des Chlors herab. Die Zuverlässigkeit der Desinfektion kann anhand des Geruches beurteilt werden. Nach der Desinfektion muss ein Restgehalt an Chlor zurückbleiben. Wenn der Chlorgeruch fehlt, war die Desinfektion unvollständig und die Behandlung muss wiederholt werden.
    (Der Chlorgeruch kann durch anschließende Behandlung mit Natriumthiosulfat neutralisiert werden, indem freies Chlor in Chlorid umgewandelt wird, entsprechende Präparate sind im Handel erhältlich.)

    Micropur Forte ® enthält Chlor und Silber: es desinfiziert klares Trinkwasser, die Einwirkzeit beträgt 15 - 30 Minuten. Silberionen schützen bis zu 6 Monate vor Wiederverkeimung.
 

Präparate auf Silberbasis (z.B. Mikropur Classic ®):


    Die desinfizierende Wirkung von Silber ist auf geringe Verschmutzungen mit Bakterien beschränkt, andere Krankheitserreger wie Protozoen und Viren werden mit Silber nicht beseitigt. Aber die bakteriostatischen Eigenschaften von Silber sind schon in kleinsten Mengen gegeben, wobei hier der Vorteil darin liegt, dass Silberpräparate eine sehr lange Nachwirkungszeit haben. Das heißt, sie machen das Wasser bis zu sechs Monate lang haltbar, der Trinkwasser-Vorrat wird vor Verkeimungen wirkungsvoll geschützt und die Behälter bleiben hygienisch einwandfrei. Fazit: Silberionen machen klares Trinkwasser haltbar, zur Wasserdesinfektion sind sie nicht geeignet. Dafür Präparate auf Chlorbasis (z.B. Micropur Forte ®, siehe oben) verwenden.

 

ZUSAMMENFASSUNG:
 

Um ganz sicher zu gehen, können für klares Leitungswasser, das vielleicht sogar Trinkwasserqualität hat, die chemischen Desinfektionsmittel (auf Chlor- oder Jodbasis) zur Trinkwasserentkeimung angewendet werden. Trübes Wasser muss filtriert werden.

Will man klares Wasser, das entweder abgekocht, oder filtriert und desinfiziert worden ist, aufbewahren, ist der Zusatz von Konservierungsmitteln auf Silberbasis zu empfehlen. Abkochen von klarem Wasser ist eine sichere und einfache Methode. In manchen Orten ist die Qualität des Wassers aber so schlecht, dass vorher filtriert werden muss. Nur wenn das Kochen des möglicherweise verunreinigten, klaren Wassers nicht möglich ist, muss auf eine andere Methode ausgewichen werden.
______________________________

*) Der Original-Artikel ist im CDC - Yellow Book zu finden. Die Dosierung der CDC-Empfehlung wurde auf die in Österreich gebräuchliche Jodtinktur (enthält etwas mehr Jod) wie folgt umgrechnet:

Solutio Jodi spirituosa (Jodtinktur, Österreichisches Arzneibuch ÖAB):

        Gesamtgehalt an Jod 3,9 - 4,1%
        Gehalt an freiem Jod 2,8 - 3,0%
        1 Tropfen = 0,016 g
        daher in 1 Tropfen 0,000448 - 0,000480 g freies Jod
        Mittelwert 0,000464 g x 3 Tropfen =
        0,001392 g in 250 g Wasser x4 =
        0,005568 g in 1000 g Wasser =
        5,57 mg in 1.000,000 mg Wasser = 5,57 ppm

  • Datum 28.07.2015
  • Autor ÖAK

Hilfreiche Produkte

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Die Sonne scheint überall - nicht nur am Strand!

Der vernünftige Umgang mit der Sonne kann verhindern, dass ein Melanom auftritt. „Wir möchten heuer mit unserer Initiative vor allem jene Menschen erreichen, die tagtäglich der Sonne ausgesetzt sind, weil sie im Freien arbeiten,“ so Dr. Sevelda. „Die Sonne scheint überall, nicht nur am Strand“.

hier weiterlesen


Intimhygiene im Sommer

Juckreiz und Brennen im Intimbereich deuten meist auf einen Scheidenpilz hin. Vor allem im Badeurlaub im Sommer ist die Gefahr groß. Denn der Hefepilz "liebt" warme Temperaturen und Feuchtigkeit.

hier weiterlesen


Sonnen ohne Reue

Sonnenschutz ist unerlässlich. Denn: Sonnenbrände erhöhen das Hautkrebsrisiko. Vitalstoffe wie etwa Beta-Carotin, Biotin, Vitamin C und E sowie Selen und Nachtkerzenöl schützen die Haut von Innen.

hier weiterlesen


Die Kehrseite der Sommersonne

Wenn die Sommersonne vom Himmel brennt, lebt die Haut besonders gefährlich. Das Hautkrebsrisiko werde von vielen unterschätzt, sagen Experten. Besonders hellhäutige Menschen, die sich leicht einen Sonnenbrand einfangen, seien gefährdet.

hier weiterlesen


5 Tipps bei Wetterfühligkeit

Heute heiß, morgen kalter Regen: Wenn das Wetter umschwingt, leiden Viele unter Kopfschmerzen, Migräne und Kreislaufschwierigkeiten. Aber was kann man dagegen tun?

hier weiterlesen


Hitzewelle: Es wird künftig noch heißer

Für das bevorstehende Wochenende sind für Wien erneut Temperaturen um und über 30 Grad prognostiziert – und in der kommenden Woche soll die Quecksilbersäule wieder über 35 Grad klettern. Damit setzt sich der Tropensommer fort. Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter betont: „Es wird künftig noch mehr Hitzewellen in Österreich geben.“

hier weiterlesen