Turbulenter Start in die Pollensaison 2016

Sprunghaft präsentiert sich heuer die Belastungslage für AllergikerInnen, denn der Pollenflug schwankt durch die unbeständigen Temperaturen. Einen Ausblick auf die heurige Pollensaison und einen Überblick wie eine Allergie erkannt und therapiert werden kann, lesen Sie hier...

Dieser Winter war laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik der zweitwärmste in der knapp 250-jährigen Messgeschichte. „Die wechselnden Kalt- und Warmfronten wirkten sich auch auf die Pollensaison aus und sorgten für ein äußerst facettenreiches Frühjahr“, informiert Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien.

Aufgrund des milden Winters wäre der ohnehin schon relativ frühe Blühbeginn von Erle und Hasel zwar noch eher möglich gewesen, durch die Kälteeinbrüche wurde der Saisonstart aber immer wieder gebremst. „Dazu verlängert die bisher noch unbeachtete Purpurerle die Pollensaison. Sie blüht durch ihre sibirischen Gene bis zu zwei Monate vor ihren heimischen Verwandten und bereitet AllergikerInnen daher bereits ab Mitte Dezember Probleme. Durch ihre Verwandtschaft mit Hasel und Birke können auch bei Menschen mit diesen Allergien schon so früh Beschwerden auftreten. Dort wo die Purpurerle verbreitet ist, verkürzt sich die pollenfreie Zeit somit auf nur noch zwei Monate im Jahr.“

Die nächste Belastungswelle kommt nun mit der Esche, die vereinzelt an günstigen Standorten bereits zu blühen beginnt. „Es ist aber kein explosionsartiger Saisonbeginn zu erwarten, dafür ist das Wetter noch zu unbeständig“, so Bastl. Auch die Birke wird dieses Jahr etwas früher zu blühen beginnen. Abhängig vom Wetter der nächsten Woche müssen AllergikerInnen ab Mitte / Ende März mit ersten Belastungen rechnen. Die Pollenmenge wird heuer deutlich über dem üblichen Schnitt liegen. Wie AllergikerInnen darauf reagieren, hängt allerdings davon ab, wie die Saison beginnt und verläuft. „Wird es kontinuierlich wärmer, startet die Saison zwar früh, dafür aber gemäßigt“, erklärt Bastl. „Erleben wir weiterhin starke Temperaturschwankungen, beginnt der Pollenflug sehr plötzlich oder steigt die Pollenmenge während der Flugzeit immer wieder sprunghaft an, ist zwar der Beginn hinausgezögert, die Belastungen werden jedoch bedeutend stärker erlebt als bei einem langsam ansteigenden Pollenflug.“
 

… punktgenaue Therapie

Die Behandlung einer Atemwegsallergie umfasst im Wesentlichen drei Säulen: Allergie-Auslösern aus dem Weg gehen, Symptome mit antiallergischen Medikamenten lindern und die Krankheitsursache sozusagen mit den eigenen Waffen schlagen – im Fall einer Pollenallergie mit Pollenallergenen. Je früher dies alles passiert, desto besser ist die Allergie behandelbar.

Die Basis der Therapie bildet die Allergenvermeidung. „Durch umfassende und konsequente Maßnahmen wie z.B. Pollenfilter können Betroffene die Belastung deutlich spürbar und nachhaltig eindämmen“, so Reinhart Jarisch, stv. Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums (FAZ). Der Österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien hilft dabei, den Pollen möglichst gut zu entkommen. In der symptomatischen Therapie stehen die bewährten Wirkstoffe Antihistaminika und Kortison zur Verfügung. Jarisch: „Da Pollen vielfach in der Nase hängen bleiben, sind die Beschwerden häufig an diesem Organ spürbar. Allergiker greifen deshalb neben Antihistaminika in Tablettenform vorwiegend zu Nasensprays.“ Heute sind die beiden Wirkstoffe auch in einem Kombinationspräparat erhältlich.
 
Die dritte therapeutische Säule ist die Spezifische Immuntherapie (SIT). Dabei wird das krankmachende Allergen über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten zugeführt. „Die Dosis wird langsam gesteigert, wodurch ein Gewöhnungseffekt entsteht. Das Immunsystem lernt, die Allergie-Auslöser wieder zu tolerieren“, erklärt Jarisch. Bei Erwachsenen konnte klar nachgewiesen werden, dass eine SIT Asthma verhindern kann. Eine neue Studie mit über 800 Kindern belegt nun erstmals eine präventive Wirkung auch bei kindlichem Asthma.

 

  • Datum 10.03.2016
  • Autor Mag. Johannes Angerer Medizinische Universität Wien | Elisabeth Leeb IGAV – Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung

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