Übergewichtskrise 2030

Europa wird nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 15 Jahren mit einer regelrechten Fettsucht-Epidemie konfrontiert sein. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der stark übergewichtigen oder gar fettleibigen Menschen in fast allen europäischen Ländern zum Teil drastisch ansteigen.

Europa stehe eine "Übergewichtskrise von enormen Ausmaß" bevor, erklärte die WHO. Besonders alarmierend ist die Entwicklung demnach in Irland und Großbritannien. Den Berechnungen zufolge werden 2030 nur noch wenige Iren ein normales Gewicht haben. 89 Prozent der Männer dürften übergewichtig, 48 Prozent von ihnen sogar fettleibig sein. Im Jahre 2010 brachten laut WHO 74 Prozent der irischen Männer zu viele Pfunde auf die Waage, 26 Prozent waren fettleibig. Bei den irischen Frauen wird der Anteil der Übergewichtigen von 57 Prozent im Jahr 2010 auf 85 Prozent im Jahr 2030 ansteigen. 

Düster sind die Prognosen auch für Großbritannien, wo in 15 Jahren ein Drittel der Frauen und 36 Prozent der Männer fettleibig sein dürften. Im Jahr 2010 betrug der Anteil der Fettleibigen bei Frauen und Männern 26 Prozent. Mit einem starken Anstieg des Anteils übergewichtiger Menschen rechnen die Experten der WHO zudem für Griechenland, Schweden, Spanien und die tschechische Republik.    

Insgesamt dürfte es dem Bericht zufolge in 15 Jahren in praktisch allen europäischen Ländern mehr dicke oder gar adipöse - also fettleibige - Menschen geben als heute, auch in Deutschland. Eine Ausnahme bilden die Niederlande: Dort rechnet die WHO mit einem Rückgang der fettleibigen Männer von zehn Prozent im Jahr 2010 auf acht Prozent im Jahre 2030.    

Als übergewichtig gilt ein Mensch, dessen Body-Mass-Index - also das Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht - die 25 kg/m2 übersteigt. Liegt dieser Index bei über 30 kg/m2, ist die Rede von Fettleibigkeit. Der Index berechnet sich aus dem Gewicht, geteilt durch die Größe im Quadrat. Für die Studie hat die WHO Daten von 53 Staaten ausgewertet und hochgerechnet. Diese Art der Hochrechnung müsse allerdings "mit großer Vorsicht" interpretiert werden, räumen die Autoren ein. Die britische Mitautorin Laura Webber spricht dennoch von einer "beunruhigenden Perspektive" für Europa. Es seien dringend politische Maßnahmen notwendig, um diese Tendenz umzukehren.    

Ernährungswissenschaftler führen Übergewicht und Fettleibigkeit in den Industriestaaten vor allem auf zu viel, zu süßes und zu fettes Essen, verbunden mit zu wenig Bewegung, zurück. Übergewicht gilt als Risikofaktor unter anderem für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und bestimmte Arten von Krebs.    

Im Jahre 2014 waren laut WHO weltweit 1,9 Milliarden Erwachsene zu dick, von ihnen waren mehr als 600 Millionen fettleibig. Seit 1980 habe sich die Zahl der Fettleibigen in der Welt damit verdoppelt, stellt die Organisation fest.