Häufig, unterschätzt, potenziell tödlich: Lungenembolien

In den vergangenen Jahren hat es deutliche Fortschritte in der Behandlung und in der Prävention einer akuten Erkrankung gegeben, die jedes Jahr in der EU rund eine halbe Million Todesopfer fordert: die Lungenembolie. Schnelle Diagnose und Therapie sind entscheidend. Lungenembolien bleiben jedoch in vielen Fällen unerkannt oder werden erst zu spät diagnostiziert.

„Die akute Lungenembolie ist die häufigste unerkannte Krankheit, die binnen kurzer Zeit fatal enden kann. Die Gefährdung nimmt mit dem Alter zu. Quantitativ sieht man bei älteren Verstorbenen, die seziert werden, relativ oft auch eine Lungenembolie, die zu Lebzeiten nicht festgestellt wurde“, sagte Univ.-Prof. Dr. Horst Olschewski.

Die Ursache ist die Bildung eines Thrombus, also ein Blutgerinnsels, – zumeist in einer Beinvene. Die größte Gefahr besteht darin, dass das Gerinnsel oder ein Teil davon mit dem Blutstrom über die rechte Herzkammer in die Lungenarterie kommt und dort das Lungengefäß verschließt. Das dahinter liegende Lungenareal fällt aus. Außerdem kann durch den Gefäßverschluss der Widerstand in der Lunge steigen, was schließlich zum sogenannten Rechtsherzversagen, also einem Ausfall der Funktion der rechten Herzhälfte, führt. Die Lungenembolie ist damit die gefährlichste Erscheinungsform der venösen Thromboembolie (VTE). Rund eine halbe Million Menschen stirbt pro Jahr in der EU an den Folgen einer solchen venösen Thromboembolie, so die Experten*. Eine Berechnung, die in die aktuelle europäische Leitlinie zur Diagnose und Therapie der akuten Lungenembolie aufgenommen worden ist, besagt: Allein in den sechs EU-Staaten, für welche die Berechnung vorgenommen worden ist, war von gut 300.000 VTE-Todesopfern pro Jahr auszugehen. 34 Prozent davon entfielen auf Todesfälle durch plötzlich aufgetretene Lungenembolien, 59 Prozent der Todesfälle stellten Lungenembolien dar, die nicht diagnostiziert wurden.

Risiko ungleich verteilt

Die Risiken sind ungleich verteilt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Menschen mit einer genetischen Prädisposition ebenfalls. Bestimmte Grunderkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, stellen ebenfalls ein Risiko für das Entstehen einer venösen Thromboembolie dar. Davon zu unterscheiden sind thromboembolische Ereignisse durch eine Aktivierung der Blutgerinnung nach einer Verletzungen oder Operationen. Ein Problem liegt darin, dass die Symptome einer Lungenembolie oft unspezifisch sind: Schmerzen und eine Schwellung am betroffenen Bein, wo die Thrombose zunächst auftritt, dann akut einsetzende Atemnot, Brustschmerz, schnelle Atmung und selten auch Bluthusten. Ein geschwollenes Bein gilt oft nicht als Alarmsignal, Atemnot wird zunächst oft ignoriert. Mit dem bildgebenden Verfahren der per Computertomografie (CT) durchgeführten Angiografie (=Darstellung der Blutgefäße) der Lungenschlagadern kann die Diagnose schnell gestellt werden.
Vor dieser Untersuchung sollte aber die sogenannte „Vortestwahrscheinlichkeit“ bestimmt werden.

  • Datum 19.10.2015
  • Autor Urban & Schenk medical media consulting / ÖGP

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