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Gut ausgerüstet in den Urlaub

Reisepläne geschmiedet? Tickets gebucht? Koffer gepackt? Da war doch noch etwas... Richtig – eine individuell zusammengestellte Reiseapotheke gehört unbedingt in Ihr Gepäck. Die wichtigsten Medikamente und Hilfsmittel im Überblick.

Schon bei der Urlaubsplanung, spätestens aber beim Packen, sollten Sie an Ihre Reiseapotheke denken. Nicht in jedem Urlaubsland finden Sie Apotheken nach österreichischem Standard, die gegen jedes Wehwehchen Präparate griffbereit haben. Ihr Apotheker berät Sie gerne bei der individuellen Zusammenstellung. 

Kein schlechter Start

Die erste Herausforderung ist schon der Weg zum Urlaubsort. Viele Österreicher leiden an Reiseübelkeit. Dragees oder Kaugummis mit Dimenhydrinat helfen rasch, machen aber müde – Vorsicht bei der Autofahrt zum Flughafen. Eine Ausnahme ist das verschreibungspflichtige Scopolamin, das als Pflaster auf die Haut geklebt wird. Ingwer gilt als pflanzliches Mittel der Wahl, speziell bei leichteren Formen. Gut zu wissen: Metoclopramid wirkt gegen Übelkeit aufgrund von Infektionen oder Unverträglichkeiten, aber nicht gegen die Reisekrankheit.

Sommer, Sonne, Sonnenbrand

Führt Ihr Urlaub in südliche Gefilde, gehören Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor mit in das Gepäck. Wer viel draußen unterwegs ist beziehungsweise einen hellen Hauttyp hat, ist mit einem Lichtschutzfaktor von 50+ gut beraten. After-Sun-Produkte gehören ebenfalls ins Gepäck, sollte sich trotz aller Vorsicht ein Sonnenbrand zeigen. Bei starken Rötungen hilft eine Kortison-Lotion oder -Creme, die es ohne Rezept in Ihrer Apotheke gibt. Damit nicht genug: Licht, Wind und Wasser können zu einer Bindehautentzündung führen. Neben der obligatorischen Sonnenbrille helfen abschwellende Augentropfen und künstliche Tränen. Die UV-Strahlung führt gelegentlich zu unangenehmem Lippenherpes. Salben mit Wirkstoffen gegen das lästige Virus machen dem Spuk schnell ein Ende. 

Schmerz, lass nach

Wer an Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Regelschmerzen leidet, sollte Analgetika nicht vergessen. Ibuprofen beziehungsweise Acetylsalicylsäure (ASS) stehen an erster Stelle, gefolgt von Paracetamol. Speziell bei Migräne verschreiben Neurologen so genannte Triptane. Überprüfen Sie bei Zeiten, ob Ihr Vorrat noch für die „schönste Zeit des Jahres“ reicht. 

Erkältet am Urlaubsort

Erkältungen gehen auch mit Kopfschmerzen einher – kein seltener Fall bei Klimaanlagen in Hotels oder bei nassen Badeklamotten. Außer Schmerzmitteln setzen Apotheker auf abschwellende Nasensprays, Lutschtabletten gegen Halsschmerzen und auf ein Fieberthermometer. 

PECH gehabt

Sportler kennen Schmerzen ebenfalls zur Genüge. Wer einen aktiven Urlaub plant, profitiert bei Missgeschicken von Bandagen, Kühlpads und von lokal aufzutragenden Gelen mit Analgetika. Bei Unfällen sollte die PECH-Regel (Pause, Eis, Compression/Kompression, Hochlegen) befolgt werden. Pflaster, speziell Blasenpflaster, aber auch Desinfektionsmittel, eine Schere und eine Pinzette helfen bei Blessuren. In entlegenen Gegenden ist es sinnvoll, sterile Spritzen, Kanülen sowie ein Infusionsbesteck im Gepäck zu haben. Bei mangelnder Wasserhygiene packen Outdoor-Experten gern Tabletten zur Wasseraufbereitung ein. Wer zum Tauchurlaub aufbricht, ist mit Ohrentropfen gut vorbereitet. 

 

Allerlei Getier

Gefahren lauern sogar jenseits des Sports. Bereits in Griechenland oder in Italien werden stechende Plagegeister zur Qual, von tropischen Ländern ganz zu schweigen. Ihr Apotheker greift zu Repellents mit Pyrethrum-Verbindungen. Das ursprüngliche Molekül kommt in Chrysanthemen vor. Darüber hinaus haben sich Produkte mit Diethyltoluamid (DEET) oder Icaridin bewährt. Zusammen mit langen Hemden und Hosen sowie mit festem Schuhwerk sind Sie für Wanderungen durch die Natur gut vorbereitet. Sollten dennoch Mücken zum Zuge kommen, helfen kühlende Gele mit Antihistaminika. Wichtig: Informieren Sie sich rechtzeitig, ob vor Ort Medikamente zur Malariaprophylaxe erforderlich sind. 

Montezuma rächt sich bitterlich

Nahrungsmittel oder Wasser gelten aufgrund schädliche Mikroorganismen auch als Gefahr. Der alte Spruch aus britischer Kolonialzeit „boil it, peel it, cook it, wash it or forget it („wasch´ es, schäl´ es, koch´ es oder vergiss es“) hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Sollten Sie dennoch mit Durchfall zu kämpfen haben, lautet die Devise, Flüssigkeit und Mineralstoffe rasch zu ersetzen. Ihre Apotheke empfielt Portionsbeutel mit Zucker und Elektrolyten, die nur noch in abgekochtem, zimmerwarmem Wasser aufgelöst werden. Mittel, die den Durchfall stoppen, etwa Loperamid, verhindern auch, dass Erreger den Körper rasch verlassen. Tritt kein Fieber auf und ist der Durchfall nicht blutig, sind sie dennoch eine sinnvolle Alternative. Reisende berichten außerdem vom genauen Gegenteil: Führt die ungewohnte Nahrung zur Verstopfung, sind sie mit einem leichten Abführmittel auf der sicheren Seite. 

Spaß ohne Reue

Apropos Durchfall: Die Befindlichkeitsstörung ist bei Fernreisen nicht selten, hat aber fatale Folgen. Möglicherweise wirken orale Kontrazeptiva nicht mehr richtig. Apotheker raten deshalb, prophylaktisch Kondome mit einzupacken. Manche Frauen haben auch eine „Pille danach“ griffbereit. Berücksichtigen Sie außerdem große Zeitverschiebungen. Andere Möglichkeiten der Empfängnisverhütung wie Spiralen oder hormonabgebende Ringe sind davon nicht betroffen.  

Mit Reiseimpfungen auf der sicheren Seite 

Schützen Sie sich gegen vermeidbare Infektionen. Das Basisprogramm enthält „Dauerbrenner“ wie Diphtherie/Tetanus/Polio, Hepatitis A und B sowie Typhus. Gelbfieber kommt je nach Gebiet mit hinzu. Welche Impfungen nötig sind, hängt nicht nur vom Urlaubsland ab. Auch Reisezeit, Reiseroute und Reisestil sind wichtig. Ihr Apotheker berät Sie gerne.

  • Datum 20.07.2016
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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