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Pilze im Keim ersticken

Es juckt, es brennt, und weißlich-krümeliger Ausfluss kommt noch mit dazu: Drei von vier Österreicherinnen kennen Vaginalpilze nur allzu gut. Keine falsche Scham – frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke lindern entsprechende Beschwerden rasch.

Pilze und Bakterien gehören zu den üblichen Bewohnern unserer Schleimhäute. Bei gesunden Menschen stellt sich ein Gleichgewicht vieler verschiedener Arten ein, so dass krankheitserregende Keime nicht die Oberhand gewinnen. Wissenschafter haben Laktobazillen, also spezielle Milchsäurebakterien, als entscheidenden Schutzfaktor identifiziert.
 

Gesund und sauer

Das geht so: Hormone des Eierstocks führen zu einer gesunden Scheidenflora mit Döderlein-Bakterien. Diese Laktobazillen stellen aus langkettigen Zuckern Milchsäure her und sorgen für einen physiologischen, leicht sauren pH-Wert. Bei gesunden Frauen nach der Pubertät liegt der pH-Wert zwischen 4,0 und 4,5. Zum Vergleich: Wasser hat einen pH-Wert von 7,0, während Seifen mehr oder minder alkalisch (basisch) sind und pH-Werte zwischen 8 und 10 aufweisen. Pilze schätzen das saure Milieu im Körper gar nicht. Durch ein geschwächtes Immunsystem oder durch hormonelle Schwankungen, wie sie während der Periode oder der Schwangerschaft auftreten, gerät dieses fragile Gleichgewicht schnell durcheinander. Schließlich machen sich Candida-Pilze breit, und eine Vaginalmykose entsteht. In schwereren Fällen beobachten Ärzte Mischinfektionen, an denen auch Bakterien beteiligt sind. Neben starkem Juckreiz und Brennen beim Wasserlassen sind weißlich-krümelige Beläge typisch für diese Krankheit.


Hilfe naht

Apotheker empfehlen betroffenen Frauen an erster Stelle Arzneimittel mit Clotrimazol zur lokalen Anwendung. Dieses Breitbandantimykotikum wirkt gegen unterschiedliche Pilze. Handelsübliche Präparate enthalten auch eine geringe Menge Milchsäure, um Pilze gegenüber Clotrimazol  empfindlicher zu machen. Ihr Apotheker wird Ihnen Vaginaltabletten oder Vaginalzäpfchen anbieten. Die Präparate lassen sich gut in Rückenlage mit leicht angewinkelten Beinen einführen – idealerweise abends, um eine möglichst lange Wirkdauer zu garantieren. Vorsicht: Aufgrund ihrer Zusammensetzung greifen diese Medikamente möglicherweise Kondome oder Diaphragmen auf Latexbasis an. Vermeiden Sie während der Therapie Geschlechtsverkehr oder wählen Sie andere Verhütungsmethoden.

Ein Fall für Ihren Arzt

Allerdings gibt es auch Grenzen der Selbstmedikation: Patientinnen mit schwerwiegenden Vorerkrankungen wie Diabetes, HIV/AIDS, Neurodermitis oder medikamentös unterdrücktem  Immunsystem sollten unbedingt ärztlichen Rat einholen. Heilt bei an sich gesunden  Frauen eine Candida-Infektion nicht aus oder flammt mehrere Male im Jahr erneut auf, ist ein Besuch in der Praxis ebenfalls anzuraten. Zur Sanierung hält Ihr Apotheker Präparate mit Milchsäurebakterien bereit. Darüber hinaus gelten Vaginalmykosen als Risikofaktor einer Frühgeburt. Werdende Mütter sollten im ersten Trimenon regelmäßig den pH-Wert ihres Scheidenmilieus bestimmen. Spezielle Teststäbchen  gibt es in der Apotheke. Bei zu hohen Werten ist gynäkologischer Rat sinnvoll. Ab der 34. Schwangerschaftswoche lohnt es sich, labordiagnostisch nach Candida-Pilzen zu fahnden. Ansonsten kann es passieren, dass sich Kinder bei einer vaginalen Geburt infizieren und an Mundsoor beziehungsweise Windeldermatitis erkranken.


Tipps zur Vorbeugung

  • Vermeiden Sie Reizungen der Schleimhaut durch zu häufiges Waschen und durch aggressive Seifen. Klares Wasser mit einer milden, leicht sauren Waschlotion reicht aus.
  • Verzichten Sie auf Intimdeos oder Intimspülungen.
  • Reinigen Sie die Genital- und die Analregion nach jedem Toilettenbesuch von vorne nach hinten. Ansonsten können Schmierinfektionen auftreten.
  • Verzichten Sie auf Intimpiercings.
  • Vermeiden Sie Stress, Tabak und übermäßigen Alkoholkonsum, um Ihre Abwehrkräfte nicht zu schwächen.
  • Verwenden Sie zur Verhütung keine Schaumzäpfchen und keine spermiziden Cremes. Entsprechende Präparate greifen die Scheidenflora an.
  • Tragen Sie im Intimbereich luftdurchlässige Stoffe, aber keine synthetischen Fasern, damit die Feuchtigkeit nach außen abgegeben wird.
  • Verwenden Sie in der Sauna immer ein Handtuch als Sitzgelegenheit.
  • Schwimmen Sie nicht zu lange in chlorhaltigem Wasser.

 

  • Datum 02.02.2016
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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