Venenerkrankungen vorbeugen und behandeln

Leiden auch Sie an müden, schweren Beinen? Verspüren Sie gelegentlich Schmerzen, Juckreiz oder ein Spannungsgefühl? Tauchen plötzlich Besenreiser auf? Dann deutet viel auf eine chronische Venenschwäche hin. Jetzt schnell gegensteuern, bevor sich die Erkrankung verschlimmert!

Venenerkrankungen zählen zu den großen Volkskrankheiten. Das hat die neue Bonner Venenstudie gezeigt, deren Resultate sich alle auf Österreich übertragen lassen. Nahezu ein Viertel aller Menschen zwischen 18 und 79 Jahren hat Krampfadern. Bei rund 17 Prozent fanden Ärzte sogar fortgeschrittene Stadien einer chronisch-venösen Insuffizienz. Was steckt medizinisch dahinter?

Schwerstarbeit auf Schritt und Tritt

Unsere Venen erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie transportieren das Blut aus unseren Extremitäten  zurück zum Herzen. Dabei gibt es zwei zentrale Mechanismen. Unsere Muskelpumpe, auch Venenpumpe genannt, unterstützt den Blutkreislauf. Durch regelmäßiges Anspannen und Entspannen  von Muskeln werden die Venen regelmäßig zusammengedrückt und entlastet. Am venösen Rückstrom  sind die Wadenmuskulatur zu 70 Prozent und die Oberschenkelmuskulatur zu 25 Prozent beteiligt. Die Arterienpumpe drückt Blut über Pulswellen ebenfalls wieder in Richtung Herz. Ventile, bekannt als Venenklappen, verhindern den Rückstrom.

Training für die Pumpen

Eine Venenschwäche kommt nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich schleichend. Schwere  Beine, aber auch Juckreiz, Schwellungen oder Wadenkrämpfe können darauf hindeuten. Übergewicht, Schwangerschaften, Tätigkeiten im Stehen oder Sitzen in Verbindung mit wenig Bewegung  erhöhen das Risiko. Eine gewisse erbliche Veranlagung scheint ebenfalls gegeben zu sein.  Jetzt ist es an der Zeit, gezielt gegenzusteuern.

Mindestens 30 Minuten pro Tag Gehen, Treppensteigen,  Wandern, Laufen, Nordic Walking oder Schwimmen trainieren die Wadenmuskelpumpe. Zehn bis 15 Minuten Venengymnastik pro Tag wirken – regelmäßig ausgeführt– ebenfalls Wunder. Verringern Sie, falls erforderlich, das Körpergewicht. Ihre Apotheke informiert Sie gern über sinnvolle Maßnahmen. Wechselduschen sind ebenfalls empfehlenswert. Nach dem Duschen einfach von den Füßen an in Richtung Oberschenkel mehrere Minuten lang kalt  abwechselnd mit warm abbrausen. Vermeiden Sie enge Kleidung, vor allem Kniestrümpfe mit  einschnürenden Gummibändern. Schuhe mit hohem Absatz bleiben ebenfalls im Schrank. Um den Venen nachts etwas Erholung zu gönnen, hält der Fachhandel spezielle Kissen bereit. Sollten Ihre  Beschwerden weiterhin bestehen, ist medizinische Hilfe gefragt.
 

Stadien der chronischvenösen Insuffizienz

  • Stadium I: vorübergehende Wassereinlagerungen, Besenreiser
  • Stadium II: dauerhafte Ödeme und Hautveränderungen
  • Stadium III: offene Geschwüre, vor allem am Fußknöche

 

Gut gepresst

Spezielle Fachärzte, das sind Angiologen, Phlebologen oder Dermatologen, untersuchen Ihre Gefäße.  Doch keine Sorge: Chirurgische Eingriffe sind nur selten erforderlich. In vielen Fällen werden Mediziner  geeignete Kompressionsstrümpfe empfehlen. Hersteller haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und  modische Formate entwickelt. Diese funktionalen Kleidungsstücke drücken von außen auf Ihr Bein, um  das Venensystem zu entlasten. Je nach Schweregrad der Erkrankung gibt es die Kompressionsklassen  I (leicht) bis IV (stark). Viele Patienten verwenden ihre Strümpfe nicht, weil sie das Anziehen mühsam und das Tragen als unangenehm empfinden. Eine Kompressionsbehandlung
bringt nur Erfolg, wenn Sie Ihre Strümpfe regelmäßig einsetzen. Mit unseren Tipps gelingt das zumindest etwas leichter.

Gewusst wie – vom richtigen Umgang mit Kompressionsstrümpfen

  • Ziehen Sie Kompressionsstrümpfe gleich nach dem Aufstehen und Duschen an.
  • Die Haut sollte sauber und trocken sein; bitte keine Kosmetika auftragen.
  • Zum Anziehen den Strumpf auf links drehen (nur das Fußteil bleibt rechts) und von den Zehen bis zur Ferse ziehen.
  • Saubere Gummihandschuhe, wie sie zum Abspülen verwendet werden, sind eine wertvolle Hilfe beim An- und Ausziehen – der Kraftaufwand verringert sich.
  • Reinigen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe alle zwei bis drei Tage separat per Handwäsche. Sie benötigen also mindestens zwei Paar. Spezielle Reinigungsmittel gibt es in Apotheken – keine basischen Waschmittel verwenden!
  • Nach einem halben Jahr hat der Kompressionsstrumpf einen Teil seiner Kompressionskraft verloren und sollte selbst bei guter Pflege ausgetauscht werden.

 

Risiken auf Reisen

Besonders wichtig sind Kompressionsstrümpfe, falls eine Fernreise geplant ist. Haben Sie schwache Venen und sitzen Sie länger im Flugzeug, im Bus oder in der Bahn, können Thrombosen entstehen. Hier handelt es sich um gefährliche Blutgerinnsel, die rasch vom Arzt behandelt werden müssen. Sie verringern Ihr eigenes Risiko jedoch auf ein Minimum, wenn Sie regelmäßig aufstehen und sich bewegen. Wer mit dem eigenen Auto reist, sollte mehrere Pausen einlegen und Rastplätze nutzen, um den Venen Gutes zu tun. Da Thrombosen durch Flüssigkeitsmangel begünstigt werden, empfehlen Apotheker, mindestens zwei bis drei Liter pro Tag zu trinken: am besten Wasser oder ungesüßte Tees.
Denken Sie auch bei Fernreisen an ausreichend viel Flüssigkeit, kaufen Sie zur Not noch ein paar Wasserflaschen nach der Sicherheitskontrolle im Flughafen.


Hilfe aus der Natur

Um die Kompressionsbehandlung generell zu unterstützen, haben sich mehrere Arzneimittel mit  Pflanzenextrakten bewährt. Apotheker empfehlen Extrakte aus Rotem Weinlaub, Präparate mit  Rosskastaniensamen oder Trockenextrakt des Mäusedornwurzelstocks. Oxerutin, ein  Pflanzeninhaltsstoff aus dem Japanischen Schnurbaum, wird ebenfalls eingesetzt. Präparate aus der  Apotheke zeichnen sich durch ihren standardisierten Wirkstoffgehalt aus. Auch hier lohnt sich Geduld.  Nur die langfristige Einnahme – möglichst in frühen Erkrankungsstadien – führt zum Erfolg. Cremes,  Salben oder Sprays, die Heparin, Extrakte aus Rosskastaniensamen oder aus Rotem Weinlaub  enthalten, werden wegen ihres kühlenden Effekts als sehr angenehm empfunden.

Fragen Sie dazu Ihren Apotheker!

  • Datum 30.08.2016
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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