Hohes Risiko im Winter für Verbrennungsunfälle bei Kindern

Die kalten Wintermonate sind die Hochrisikozeit für Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle von Kindern. Allein im Jänner müssen in Österreich pro Tag rund zehn Kleinkinder unter vier Jahren wegen derartiger Verletzungen ins Krankenhaus.

Anlässlich des "Tag des brandverletzten Kindes" am 7. Dezember weisen das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) gemeinsam mit dem Grazer LKH-Universitätsklinikum auf die Gefahren von thermischen Verletzungen bei Kindern hin. Diese gehören "zu den häufigsten Unfallarten bei Kindern in den eigenen vier Wänden. Besonders stark unterschätzt wird die Gefahr von heißen Flüssigkeiten, dabei sind etwa 60 Prozent der thermischen Verletzungen Verbrühungen", sagte Othmar Thann, Direktor des KFV.

Kinderhaut ist deutlich dünner als die Haut von Erwachsenen, weshalb Verbrühungen und Verbrennungen oft schwerwiegende Folgen haben. Bei Kontakt mit 50 Grad heißem Wasser können bereits Brandblasen entstehen. Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad nur eine halbe Sekunde auf die Haut eines Kindes, kann sie sogar Verbrennungen dritten Grades verursachen. "Der Inhalt einer einzelnen Tasse Tee reicht aus, um eine Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verursachen", schilderte Lars-Peter Kamolz, Medizinische Universität Graz. Verbrennungen im Ausmaß von zehn Prozent können bei Kleinkindern laut dem Brandverletzungsexperten bereits tödlich enden.

70 Prozent der thermischen Unfälle von Kleinkindern passieren in der Küche. Gerade hier könnten die meisten durch den Einsatz moderner Küchengeräte und mit Inbetriebnahme-Sperren und Verriegelungsfunktionen vermieden werden. Knapp 20 Prozent aller thermischen Verletzungen werden durch ein heißes Getränk verursacht. Daher sollten Eltern unbedingt darauf achten, keine heiße Flüssigkeiten zu tragen oder zu trinken, wenn zugleich das Kind im Arm gehalten wird. Beim Aufwärmen des Fläschchens in der Mikrowelle muss die Temperatur immer zuerst am eigenen Handrücken kontrolliert werden, bevor das Kind gefüttert wird, auch beim Baden muss zuerst die Wassertemperatur überprüft werden.

Kommt es dennoch zu einem Unfall, ist rasche Hilfe erforderlich. "Über die zerstörte Haut geht viel Flüssigkeit verloren, weshalb bei Kleinkindern schnell Schockgefahr besteht", warnte der Brandverletzungsexperte. Eine ärztliche Versorgung ist grundsätzlich immer dann notwendig, wenn die Verbrennung oder Verbrühung größer als die Handfläche des Kindes ist. "Viele Aufsichtspersonen sind sich nicht bewusst, dass ein Verbrennungsfall für Kinder schnell lebensbedrohlich sein kann", sagte Kamolz.

  • Datum 06.12.2016
  • Autor APAMED vom 06.12.2016 Rubrik: Medical Week

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