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Vergiftungen bei Kindern

Unfälle stellen in den ersten Lebensjahren das größte Gesundheitsrisiko für Kinder dar, wobei Vergiftungen einen besonderen Platz einnehmen.

Erste Hilfe bei Vergiftungen

Vergiftungen bei Kindern passieren vor allem mit Haushaltsprodukten wie Reinigungsmitteln oder Kosmetika, gefolgt von Medikamenten und Pflanzen. Da Kinder sich unwissentlich vergiften achten Sie auf Symptome wie Erbrechen oder plötzlich auftretende Müdigkeit. Diese können auf eine Vergiftung hinweisen.

 

Maßnahmen bei Vergiftungen

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die Sie selbst bei Vergiftungen anwenden können. Allerdings ist es wichtig, dass Sie vorher abklären, ob diese auch geeignet sind für die jeweils vorliegende Vergiftung. Deshalb sollten Sie als erstes die Vergiftungsinformationszentrale unter der Telefonnummer
+43 1 4064343
anrufen. Fachleute geben Ihnen Anweisungen, wie Sie weiter vorgehen sollten.

Vermeiden Sie vorschnelles Handeln:

• Lösen Sie kein Erbrechen aus!

• Geben Sie weder Milch noch Salzlösungen zu trinken. Dies könnte den Zustand des Kindes sogar verschlechtern!

Je nach Art der Vergiftung wird die Gabe von Kohletabletten oder Entschäumungsmitteln die Erstmaßnahme sein. Diese sollten also in jedem Kinderhaushalt vorrätig sein. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach diesen Mitteln für Ihre Hausapotheke.

 

Prävention

Die wichtigste Maßnahme lautet, Vergiftungen zu vermeiden! Machen Sie Ihr Zuhause giftsicher!

• Reinigungsmittel für Kinder unerreichbar aufbewahren

• Gefährliche Stoffe oder Reinigungsmittel NIEMALS in Lebensmittelbehälter oder Trinkflaschen umfüllen

• Schubladen und Kästen mit Reinigungsmitteln mit Kindersicherungen verschließen

• Medikamente in versperrten Kästen aufbewahren

• Medikamente für Kinder und Erwachsene getrennt aufbewahren, um Verwechslungen zu vermeiden

• Medikamente, Feuerzeuge und Zigaretten niemals offen herumliegen lassen

• Kosmetika wie zum Beispiel Nagellackentferner immer kindersicher verwahren

• Ein Kinderhaushalt sollte frei von giftigen Pflanzen sein

• Dünger und Pflanzenschutzmittel für Kinder unerreichbar aufbewahren

 

Zigaretten

Eine Zigarette mit ca. 1g Tabak enthält ca. 15-25 mg Nikotin. Das entspricht der tödlichen Menge an Nikotin für ein Kleinkind. Vergiftungssymptome, die auftreten können, sind Blässe, Unruhe, Schwitzen, vermehrter Speichelfluss und möglicherweise Erbrechen. Schwere Symptome wie Bewusstlosigkeit, Kreislaufstörungen, Krampanfälle und Atemnot treten vor allem bei Kindern unter einem Jahr auf. Schnupftabak ist ebenso wie normaler Tabak für Kinder sehr gefährlich. Noch gefährlicher als Zigaretten ist aber „Zigarettenwasser“, also der Nikotinsud, der entsteht, wenn ein Aschenbecher mit Wasser vollläuft und das Nikotin herauslöst. Wenn dieses von Kindern getrunken wird, kann es zu sehr schweren Vergiftungserscheinungen kommen. Ebenso gefährlich sind Verwechslungen von Nikotinpflastern mit normalen Heftpflastern, oder von Nikotinkaugummis mit normalen Kaugummis.

Maßnahmen: Innerhalb von einer Stunde hilft die Gabe von Kohletabletten, weil diese das Nikotin binden können. Am besten werden die Kohletabletten in Wasser aufgelöst und dem Kind zum Trinken gegeben. Rufen Sie die Vergiftungsinformationszentrale an!

 

Spülmittel

Das gefährliche bei Spülmitteln ist die Schaumbildung. Diese sollte auf jeden Fall verhindert werden. Daher gilt:

• Nichts trinken

• Kein Erbrechen auslösen, damit kein Schaum in die Lunge gelangt.

• Durch die Gabe von Simeticon (Sab simplex®, Antiflat®, Lefaxin®) wird der Schaum zerstört.

 

Ätzende Stoffe

Bei ätzenden Stoffen wie zum Beispiel Backofenreiniger oder Abflussreinigern darf auf keinen Fall Erbrechen ausgelöst werden, denn dadurch würde die Speiseröhre nur zusätzlich gereizt werden. Wasser nachtrinken und verdünnen ist hier angezeigt.

 

Lampenöl

Als besonders gefährlich gelten Vergiftungen mit Lampenöl (Paraffinöl). Diese wurden bereits im Jahr 2000 von der EU verboten, befinden sich aber immer noch in einigen Haushalten. Hier darf auf keinen Fall Erbrechen ausgelöst werden. Dadurch gelangt nämlich das Öl in die Lunge, wo es sogar zu tödlichen Lungenschädigungen kommen kann. Ähnlich gefährlich sind Petroleum, Benzin, Terpentin und Nagellackentferner. Auch hier gilt: Auf keinen Fall Erbrechen auslösen!

 

Giftpflanzen

Pflanzen üben auf Kinder einen großen Reiz aus. Nicht immer sind alle Pflanzenteile giftig, und es hängt manchmal auch davon ab, ob die Teile als Ganzes geschluckt oder zerkaut werden.

In jedem Fall gilt:

• Rufen Sie die Vergiftungsinformationszentrale an!

• Heben Sie die Pflanze wenn möglich auf (Zweig, Blätter, Früchte), um sie notfalls identifizieren zu können.

• Kohletabletten können innerhalb einer Stunde verabreicht werden, am besten in Wasser aufgelöst.

Sehr giftige Pflanzen: Eisenhut, Bilsenkraut, Engelstrompete, Herbstzeitlose, Seidelbastarten, Rizinus, Gefleckter Schierling, Stechapfel und Tollkirsche.

Giftige Pflanzen: Aronstab, Efeu, Eibe, Fingerhut, Goldregen, Maiglöckchen, Krokus, Lebensbaum, Nachtschatten, Schwarze Nieswurz, Oleander, Pfaffenhütchen, Rhododendron, Lupine, Wolfsmilcharten.

  • Datum 10.04.2014
  • Autor Mag. pharm. Barbara Verdino