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Verstopfung und Durchfall

Fremde Länder, fremdes Essen, und plötzlich spielt die Verdauung verrückt: Im Urlaub reagieren viele Menschen auf entsprechende Umstellungen mit Durchfall oder Verstopfung. Wer seine Reiseapotheke clever gepackt hat, wird das unangenehme Problem schnell in den Griff bekommen.

Schwierige Geschäfte am stillen Örtchen

„Cook it, boil it, peel it or forget it“ („Koch´ es, brat´ es, schäl´ es oder vergiss es“): Diese alte Regel ist für Touristen aktueller den je. Kommt es durch Infektionen oder Unverträglichkeiten zu mehr als drei Stuhlgängen pro Tag, sollten Patienten primär auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät zu einer Fertigmischung aus Traubenzucker, Kochsalz und weiteren Salzen. Das in Apotheken erhältliche Granulat sollte in keiner Reiseapotheke fehlen. Es muss nur noch mit sauberem Wasser aufgelöst werden.

Schnelle Hilfe garantiert

Bei unkomplizierten Durchfällen ohne Blut, Fieber und Schmerzen greifen viele Menschen zu Loperamid, dem stärksten nicht rezeptpflichtigen Wirkstoff. Loperamid verringert die Darmaktivität. Das Medikament ist für Jugendliche und Erwachsene zugelassen. Darüber hinaus gibt es sogenannte Adsorbentien wie Kohletabletten, Kaolinerde, Pektin und Tannin-Eiweiß, um durchfallauslösende Stoffe zu binden. Diese Stoffe wirken weitaus schwächer als Loperamid. Vorsicht – sie binden auch Arzneistoffe wie die „Pille“. Von Hausmitteln – übermäßige Mengen an Cola und Schwarztee beziehungsweise Nulldiäten – raten Apotheker ab. Nach einer überstandenen Durchfallerkrankung setzt die Naturheilkunde auf Escherichia coli, Lactobacillus acidophilus oder Lactobacillus bifidus, um die Darmflora zu sanieren. Zur Prophylaxe können spezielle Hefekulturen eingenommen werden.

Trägheit im Verdauungssystem

Das andere Extrem ist vielen Menschen nur allzu bekannt – rund 25 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher leiden mehr oder minder häufig an Verstopfungen. Besonders lästig ist die Reiseobstipation. Betroffene müssen nicht gleich zu Abführmitteln, sprich Laxantien, greifen. Eine Stuhlfrequenz zwischen dreimal pro Tag und dreimal pro Woche ist aus medizinischer Sicht normal. Seltenere Stuhlgänge gelten als behandlungsbedürftige Verstopfung (Obstipation). Ihr Apotheker wird Sie zuallererst fragen, ob Vorerkrankungen bestehen, ob es Anzeichen einer akuten Erkrankung gibt oder ob Sie bestimmte Arzneimittel einnehmen, die zu Verstopfungen führen. Falls nein, wird er Ihnen Tipps sowie verschiedene Präparate anbieten.

Sanfte Hilfe für den Darm

Patienten haben selbst viele Möglichkeiten, um ihren Darm in Schwung zu bringen. Sie sollten viel trinken, mindestens zwei Liter pro Tag. Ausreichende Mengen an Ballaststoffen, sprich Getreideprodukten, Obst und Gemüse, sowie mehr Bewegung erleichtern den Stuhlgang ebenfalls. Sollte Stress ein Auslöser sein, helfen Entspannungsübungen. Ballaststoffpräparate aus Ihrer Apotheke enthalten Schalen indischer Flohsamen, Leinsamen oder Weizenkleie. Nehmen Sie mehrmals täglich einen Esslöffel davon ein, tritt deren mild abführender Effekt nach sechs bis zwölf Stunden ein. Wichtig ist, bei jeder Gabe mindestens ein großes Glas Wasser zu trinken, da Ballaststoffe im Verdauungstrakt stark quellen.

Gezielte Steuerung des Stuhlgangs

Darüber hinaus gibt es osmotisch wirksame Abführmittel auf Basis zuckerähnlicher Stoffe (Lactose, Lactulose, Mannit, Sorbit) oder Polyethylenglycolen (Macrogol). Sie halten Wasser im Darm zurück, und der Stuhl wird weicher. Gleichzeitig steigt das Stuhlvolumen. Auch hier müssen Sie darauf achten, viel zu trinken. Für schwangere Patientinnen und Kinder eignet sich Lactulose besonders, da dieses Molekül nicht vom Körper aufgenommen wird. Allerdings zersetzen es Darmbakterien zu Milchsäure, Essigsäure beziehungsweise Kohlendioxid. Blähungen und Bachschmerzen sind die Folge. Diese Nebenwirkungen lassen sich durch langsames Hochdosieren des Präparats etwas verringern. Für die Kinderheilkunde empfehlen Apotheker spezielle Zäpfchen mit Glycerin. Alternativ gibt es Zäpfchen, die spezielle Salzmischungen enthalten. Im feuchten Milieu des Darms bildet sich nach dem chemischen Prinzip von Backpulver Kohlendioxid. Kleine Gasblasen dehnen die Darmwand geringfügig aus, und nach etwa 15 bis 30 Minuten kommt es zum Entleerungsreflex. Nebenwirkungen oder Gewöhnungseffekte sind bei diesem Medikament nicht zu befürchten. Ihre Apotheke hält auch pflanzliche Wirkstoffe bereit, die zur verstärkten Wasserabgabe in den Darm führen: Ricinolsäure aus Rizinusöl und Anthrachinone aus Faulbaumrinde oder aus Sennesblättern. Darüber hinaus gibt es chemische Präparate mit Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Sie wirken acht bis 12 Stunden nach der oralen Einnahme, rektal aber bereits nach 30 bis 60 Minuten. Eine regelmäßige Anwendung führt zur Gewöhnung. Dann ist ein normaler Stuhlgang ohne pharmazeutische Hilfe kaum noch möglich. Gleichzeitig kommt es zum Elektrolytverlust, vor allem Kalium ist betroffen. In Extremfällen führt das zu Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen.
 

  • Datum 07.04.2014
  • Autor Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel,

Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

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