Lungenkrebs: Vermeidbare Tragödie

"Der Lungenkrebs ist der wichtigste Krebs weltweit. Er ist eine vermeidbare Tragödie", sagt Robert Pirker, Wiener Lungenkarzinomspezialist. "Global erkranken pro Jahr rund 1,8 Millionen Menschen an einem Lungenkarzinom.."

Am wichtigsten wäre die Prävention, da weltweit 70 Prozent und in Europa 85 Prozent der Fälle bei Rauchern auftreten. Trotzdem, so der Experte, zerfällt die alte Krankheitskategorie Lungenkarzinom zunehmend in spezifisch charakterisierbare Formen: beispielsweise solche, welche ganz bestimmte genetische Mutationen als "Treiber" aufweisen und auch schon sehr spezifisch behandelt werden können, und jene, welche zuvorderst auf das Rauchen oder Umwelteinflüsse wie Asbest etc. zurückzuführen sind.

Das Riesenproblem ist die rechtzeitige Diagnose. "Die Lunge ist ein 'riesiger' Raum, wo sich ein Tumor ausbreiten kann, und hat kein Schmerzempfinden", sagte Helmut Prosch von der Universitätsklinik für Radiodiagnostik in Wien. 80 Prozent der Erkrankungen würden deshalb zu spät für eine heilende Behandlung erkannt. Vor fünf Jahren sei allerdings in den USA eine groß angelegte Studie publiziert worden, wonach man bei schweren Rauchern ab 55 Jahren  die Mortalität durch Früherkennung mittels einer Low-Dose CT-Untersuchung pro Jahr um 20 Prozent reduzieren konnte. Prosch fügte hinzu: "Die Methode wird in den USA bereits breitflächig eingesetzt. Sie wird auch in die künftigen deutschen Leitlinien aufgenommen werden." Diese sollen Anfang kommenden Jahres publiziert werden.
Damit könnte auch in absehbarer Zeit auch in Österreich mit einem Raucheranteil an der Bevölkerung von rund 24 Prozent die Frage nach einem Screeningprogramm zur Lungenkarzinom-Früherkennung gestellt werden.


Anders als beim Brustkrebs mit dem Geschlecht und dem Alter von dafür infrage kommenden Personen als einzige Parameter existieren für ein Lungenkarzinom-Screening vielfältige mögliche Auswahlkriterien: Rauchverhalten, Geschlecht, Alter, Erkrankungen in der Familien, andere Erkrankungen, die anfälliger machen könnten etc.


Auf der anderen Seite haben die Spezialisten in der Behandlung große Fortschritte gemacht. "Wir heilen mehr und mehr Lungenkrebspatienten", sagte Fred Hirsch, führender Repräsentant der internationalen Vereinigung der Lungenkarzinomspezialisten. Es sei an der Zeit, der Erkrankung das Stigma des durch das betroffene Individuum verursachten Erkrankung zu nehmen. Ein Beispiel ist das lokal fortgeschrittene Lungenkarzinom, an dem 30 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose leiden. Die Heilungsraten liegen derzeit bei 20 bis 45 Prozent, im Falle einer möglichen Kombination von Operation sowie intensiver Chemo- und Strahlentherapie sogar bei 40 bis 45 Prozent. Das wäre vor einigen Jahren noch unmöglich gewesen.

  • Datum 05.12.2016
  • Autor APAMED vom 01.12.2016 Rubrik: Medical Week

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Die Apotheke ist weiblich

Die Apothekerin, die Aspirantin, die Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin: Die 1.380 österreichischen Apotheken sind in der Hand von Frauen. 90 Prozent aller 16.000 Beschäftigten sind weiblich und das bis hinauf in die Chefetagen, denn jede zweite Apotheke wird bereits von einer Frau geführt.

hier weiterlesen


Hallux valgus: Vorsicht vor Folgeschäden!

Anfangs spürt man es nur in schmalen High Heels: den schmerzhaften Druck aufs Großzehengrundgelenk oder auf einen der kleinen Zehen. Schon jede dritte 20-Jährige zeigt Ansätze eines Hallux valgus. Aber irgendwann schmerzen nicht nur High Heels, sondern auch Sportschuhe...

hier weiterlesen


Burgenland impft gegen Meningokokken B-Erkrankung

Eine gemeinsame Kampagne der Burgenländischen Landesregierung, der Ärztekammer, der Apothekerkammer und GlaxoSmithKline Pharma GmbH macht auf die Gefährlichkeit der Meningokokken B - Erkrankung aufmerksam.

hier weiterlesen


Winterpollen im Anflug

Augenjucken und eine tropfende Nase – in den meisten Fällen werden solche Symptome als Erkältung abgetan, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Denn was die wenigsten wissen: Auch im Winter können Pollen für Allergiebeschwerden sorgen und für Betroffene unangenehm sein.

hier weiterlesen


Mutterkraut ist Arzneipflanze 2017

Die Wissenschaft gewinnt ständig neue Erkenntnisse über Wirkstoffe und positive Effekte traditioneller Heilpflanzen. Zur Arzneipflanze 2017 wurde Mutterkraut gekürt. Diese traditionelle Heilpflanze zeichnet sich durch gute Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit in der vorbeugenden Behandlung von Migräne aus.

hier weiterlesen


Schwere Arbeit mindert möglicherweise die Fruchtbarkeit

Schwere körperliche Arbeit und nächtliche Schichtarbeit beeinträchtigen die Eizellenqualität und -zahl von Frauen und damit womöglich ihre Fruchtbarkeit. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt bei übergewichtigen und älteren Frauen, berichten US-Forscher.

hier weiterlesen