Mehr und mehr sind wohlstandskrank

Eigentlich ist die Botschaft ganz positiv: Der überwiegende Teil der Bevölkerung fühlt sich fit und wird immer älter. Doch auch Wohlstand kann krank machen.

Die Medizin kann ansehnliche Erfolge im Kampf gegen Infektionskrankheiten und Krebs feiern. Doch in der alternden Gesellschaft nehmen chronische Erkrankungen zu. Und die günstigen Lebensbedingungen können zu Wohlstandserkrankungen führen, sichtbar unter anderem an der zunehmenden Zahl stark übergewichtiger Menschen. Das sind Erkenntnisse des Berichts "Gesundheit in Deutschland" 2015 des Robert Koch-Instituts (RKI).

Was sind die zentralen Aussagen des Berichts?

In der (alternden) Gesellschaft bestimmen chronische Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Beschwerden wie Rückenschmerzen, Krebs oder Diabetes das Krankheitsgeschehen. Infektionskrankheiten von Tuberkulose bis Masern verursachen zwar noch immer viele Krankheitsfälle. Doch 2013 rangierte unter den zehn häufigsten Todesursachen nur noch eine Infektionskrankheit: die Lungenentzündung.

Zudem hebt der Bericht hervor, dass die soziale Herkunft schon früh über den gesundheitlichen Werdegang eines Menschen entscheidet: Gutverdiener achten im Schnitt mehr auf ihre Gesundheit und leben länger als Geringverdiener. Allerdings ist dies keine sonderlich neue Erkenntnis.

Was sind die Erkrankungen mit hoher Sterblichkeitsrate?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind mit 39 Prozent weiterhin die häufigsten Todesursachen. In den vergangenen Jahrzehnten sanken jedoch - aufgrund besserer Prävention, Therapie und Versorgung - Neuerkrankungen und Sterblichkeit in diesem Bereich.
Bei Krebs kam es zwar zu einem Anstieg der Neuerkrankungen um 16 Prozent, was vor allem auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen ist. Allerdings sind für die meisten Krebsarten die Sterblichkeitsraten zurückgegangen.

Welche chronische Erkrankung bereitet die größten Sorgen?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Zwei Prozent aller Erwachsenen haben einen unerkannten Diabetes mellitus. Steigende Fallzahlen in den vergangenen Jahren könnten nur zum Teil durch die gesellschaftliche Alterung erklärt werden.
Ursache könne nicht nur eine verbesserte Früherkennung sein, sondern auch ein veränderter Lebensstil. Heißt wohl: Viele Menschen essen zu viel und bewegen sich zu wenig. Die Folge sei häufig starkes Übergewicht (Adipositas) - eine typische Wohlstanderscheinung. Zivilisationskrankheiten nennt man dies. Manche sprechen gar von der "Volkskrankheit" Bewegungsmangel.

 

  • Datum 04.12.2015
  • Autor APAmed

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Winterpollen im Anflug

Augenjucken und eine tropfende Nase – in den meisten Fällen werden solche Symptome als Erkältung abgetan, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Denn was die wenigsten wissen: Auch im Winter können Pollen für Allergiebeschwerden sorgen und für Betroffene unangenehm sein.

hier weiterlesen


Mutterkraut ist Arzneipflanze 2017

Die Wissenschaft gewinnt ständig neue Erkenntnisse über Wirkstoffe und positive Effekte traditioneller Heilpflanzen. Zur Arzneipflanze 2017 wurde Mutterkraut gekürt. Diese traditionelle Heilpflanze zeichnet sich durch gute Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit in der vorbeugenden Behandlung von Migräne aus.

hier weiterlesen


Schwere Arbeit mindert möglicherweise die Fruchtbarkeit

Schwere körperliche Arbeit und nächtliche Schichtarbeit beeinträchtigen die Eizellenqualität und -zahl von Frauen und damit womöglich ihre Fruchtbarkeit. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt bei übergewichtigen und älteren Frauen, berichten US-Forscher.

hier weiterlesen


Entwarnung: Influenza-Welle im Abebben

Die Influenza-Welle ist deutlich im Abebben. Vergangene Woche wurden in Wien nur noch rund 8.400 Neuerkrankungen an Virus-Grippe und grippalen Infekten registriert. In der Woche davor waren es noch rund 12.600 Fälle gewesen.

hier weiterlesen


Lebenslanges Impfen: Eine notwendige Präventionsmaßnahme

Wer glaubt, dass das Thema Impfen mit Ende der Pflichtschulzeit erledigt ist, der irrt. Die aktuelle Datenlage zeigt klar, dass wir auch als Erwachsene und ganz besonders im fortgeschrittenen Alter regelmäßige Auffrischungen benötigen.

hier weiterlesen


Österreich isst und kauft zu süß

Überhöhter Zuckerkonsum führt zu Übergewicht, Diabetes und Fettleber. Der aktuelle Diskurs über die Reduktion von Zucker in Lebensmitteln und Getränken wird von der ÖDG sehr positiv gesehen, denn es gibt viel zu viele und bereits sehr junge Menschen, die gefährdet sind – besonders Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status. Leistbare, zuckerreduzierte Lebensmittel müssen für die gesamte Bevölkerung leicht zugänglich sein. Aufklärung und die Unterstützung gesünderer Alternativen sind ein Auftrag für die gesamte Gesellschaft.

hier weiterlesen