Forscher machen Kehrtwende in der Krebstherapie

Forschende des Universitätsspitals Zürich (USZ) haben in der Krebstherapie eine Kehrtwende vollzogen. Erreicht wird dies mit einem neuartigen Medikament. Dieses wird jetzt erstmals in einer klinischen Studie an Menschen erprobt.

Bisher galt die Maxime, die Sauerstoffzufuhr zum erkrankten Gewebe zu drosseln - der Tumor solle als Folge davon weniger wachsen, wie das USZ am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Neue Studien hätten jedoch gezeigt, dass der Sauerstoffmangel den Tumor aggressiver machen könne und er Ableger in sauerstoffreichem Gewebe bilde.    

Mit der neuen Therapie wird nun die Sauerstoffzufuhr angekurbelt. Die Forschenden hoffen, dass damit Chemotherapie und Bestrahlung stärker wirken. Entwickelt wurde der neue Ansatz im Schweizer Zentrum für Leber- und Pankreaskrankheiten am USZ, wo Spezialisten verschiedener Fachgebiete eng zusammenarbeiten. Er bedeutet eine Kehrtwendung in der Krebstherapie.    
 

Medikament ITTP

Kernstück der neuen Therapie ist das Medikament ITTP (Inositol Trispyrophosphat). Dieses wird nun in Zürich als Weltpremiere an Menschen erprobt. Erste Ergebnisse werden laut Mitteilung in spätestens einem Jahr erwartet. Bekannt sei, dass mit ITTP die Sauerstoffzufuhr ins Gewebe gefördert und dass das Medikament gut vertragen werde.

Entdeckt worden war ITTP von Chemie-Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn und seinem Team an der Universität Strassburg (F).  An der Studie nehmen 70 Patientinnen und Patienten teil. Sie leiden an Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Gallengangkrebs oder haben Metastasen von Dickdarmkrebs. Nach der Anwendung des Medikaments unterziehen sie sich einer individuelle Chemotherapie.      

Fernziel sei natürlich die Heilung, sagte Pierre-Alain Clavien, Direktor der USZ-Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, zur Nachrichtenagentur sda. Noch wisse man aber nicht, was man erreiche, da es sich um die erste klinische Studie zum Thema handle. Tierversuche hätten zwar gute Ergebnisse gebracht - man könne aber nicht einfach vom Tier auf den Menschen schliessen.    
 

Tumore in den Bauchorganen

Tumore in den Bauchorganen gehören laut Mitteilung zu den häufigsten und bösartigsten Krebserkrankungen. In der Schweiz erkranken jährlich rund 6000 Menschen. Kann der Tumor chirurgisch entfernt werden, so ist eine Heilung möglich. Meist sei er aber schon zu weit fortgeschritten. Dann blieben Chemotherapie und Bestrahlung zur Lebensverlängerung - allerdings mit Nebenwirkungen.

  • Autor APA